Meine Beziehung zu mir selbst

Ständig denkt man darüber nach, wie die Beziehungen zu anderen Menschen laufen. Ist es grad gut, oder ist was im Busch? Aber wie oft beschäftigen wir uns mit der Beziehung zu uns selbst? Wie oft fragen wir uns, ob hier alles gut ist, oder ob wir vielleicht mal ein ernsthaftes Gespräch führen müssen?

Wenn ich eine Sache in den letzten Monaten gelernt habe, dann dass ich mir endlich darüber bewusst bin, wie wichtig es wirklich ist, mich selbst zu lieben und zwar bedingungslos vor allen anderen. Nicht, dass mir das nicht vorher schon bewusst gewesen wäre, aber ich habe es irgendwie nicht so richtig geschafft. Aber warum? Ich hatte doch alles, was ich immer wollte – dachte ich zumindest. Wenn ich jetzt zurück denke an all die Selbstzweifel, die ich hatte und an die Unzufriedenheit. Regelmäßig spürte ich Unruhe in mir aufsteigen. Ich hatte fast permanent das Gefühl, nicht genug zu sein. Aber warum? Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor ziemlich genau einem Jahr mit meinem (Ex-) Mann auf der Couch saß und er mir die „Aufgabe“ stellte, ich solle doch mal über mich und mein Leben nachdenken und darüber, was mich eigentlich ausmacht. Im Nachhinein betrachtet finde ich das eine echt krasse „Aufgabe“. Und im ersten Moment bin ich darüber verzweifelt, weil ich das Gefühl hatte, nichts wert zu sein. Allerdings sind mir in den nächsten 24 Stunden 1000 Dinge eingefallen, die ich ziemlich gut an mir finde. Und mir wurde bewusst, dass ich gut so bin, wie ich bin und auch stolz auf all das bin, was mich ausmacht. Und mir wurde klar, dass nicht ich diejenige war, die mich hinderte, so zu sein, wie ich bin, sondern er derjenige war, der das tat. Er schaffte es, mit all seinen utopischen Ansprüchen an mich und die perfekte Ehe, mir einzureden, ich wäre nicht gut so wie ich bin. Vielleicht war ich es auch nicht. Aber wenn, dann nur deswegen, weil ich bei ihm nicht ich selbst sein konnte, was natürlich dazu führte, dass ich mich oft selbst nicht mochte und uns am Ende beide unzufrieden machte. Ich bin dankbar für diese „Aufgabe“. Denn auch, wenn ich in dem Moment noch nicht weiter dachte und die einzig mögliche Konsequenz – ihn zu verlassen – nicht in Erwägung gezogen habe, hat es mir die Augen geöffnet. Natürlich ist es im Nachhinein ärgerlich, dass mir diese Erkenntnis so spät kam, aber gut – besser spät als nie.

Das Schöne ist, dass ich jetzt wirklich mal sagen kann, ich habe etwas gelernt. Ich möchte nicht behaupten, dass er der einzige Grund für meine jahrelange Unzufriedenheit war. Aber er hat auch nicht im positiven Sinne dazu beigetragen, dass sich daran irgendetwas ändert. Und auch, wenn ich jetzt manchmal noch unglücklich bin über diese „ärgerliche“ Beziehung und den ganzen Rattenschwanz, den so eine irrtümlich geschlossene Ehe eben mit sich zieht, kann ich behaupten, dass es mir nie so gut ging wie im Moment. Bevor ich ihn kannte, war ich gerade so mit mir und meinem Leben ins Reine gekommen. Ich hatte meine erste Therapie erfolgreich abgeschlossen, hatte keine Schlafprobleme mehr und war auch so ganz zufrieden. Einzig karrieretechnisch lief es zu der Zeit nicht so richtig rund. Das war wohl auch der Grund warum ich dachte, er wäre meine „Rettung“, weil er mir mit seiner ganzen Zuneigung und Aufmerksamkeit ein gutes Gefühl gab. Und dann verließ ich mich darauf, dass er mich immer retten könnte und ließ mich gehen, wurde schwach und unsicher. Naja, der Rest des Kreislaufs ist bekannt. Fakt ist, ich habe dabei vergessen, dass ich eigentlich voll OK bin und dass mein Wohlbefinden nicht abhängig von der Liebe eines anderen ist.

Meine Oma fragte an Weihnachten, ob ich denn einen Freund habe. Als ich verneinte, schaute sie ganz traurig. Aber Oma, ich brauche doch gar keinen Freund zum glücklich sein. Ein Freund, oder sagen wir lieber Partner, wäre sozusagen das Sahnehäubchen auf meinem Kuchen voller Glücklichkeit. Aber der „Freund“ im klassischen Sinne oder der Status „In einer Beziehung“ ist für mich absolut nicht erstrebenswert. Ich möchte nicht traurig angeschaut werden, weil ich „Single“ bin. Ich lebe in einer wunderbaren Beziehung mit mir selbst. Und wer sagt eigentlich, dass ich keinen Partner habe? Ich habe eben nur eine andere Vorstellung davon, in welcher Art und Weise ich diesen Partner gerade brauche. Aber kann ich das meiner Oma erklären, ohne dass sie mich komisch anguckt? Ich verlange nicht, dass das irgendwer versteht. Aber ich möchte auch nicht, dass man über mein Beziehungsleben die falschen Schlüsse zieht. Ich bin keine Schlampe, weil ich gern Sex habe. Ich bin nicht egoistisch, weil ich mich nicht festlegen will. Ich mache gewisse Dinge eben einfach ein bisschen anders als andere. Und seit ich weiß, dass das gut ist für mich und meine Beziehung zu mir, bin ich deutlich zufriedener. Ich bin nicht perfekt, aber ich liebe mich und ich kann sehr gut in den Spiegel schauen und mir das auch selbst sagen.

Ich habe keine Lust auf „den Richtigen“ zu warten, oder darauf, dass ich wieder „soweit bin“, mich auf jemanden einzulassen, mich zu binden. Das sind doch alles nur Floskeln. Das ist ja, als wäre ich gerade in einer Warteschleife. Nein, das Leben ist hier und jetzt. Ich teile mir mein Glück ein, so wie ich es für richtig halte.
In den letzten Wochen habe ich mir immer wieder eingeredet, ich müsse jetzt erstmal abwarten, bis ich geschieden bin und dann gehts aber richtig los. Bullshit! Ich stehe doch nicht auf einem Abstellgleis. Natürlich ist das alles anstrengend und auch frustrierend. Aber eine blöde ausstehende Unterschrift kann mich doch nicht daran hindern zu leben. Und die Qualität einer Beziehung definiert sich ja nicht darüber, ob das jetzt exklusiv ist oder ob Oma und Opa das toll finden. Hauptsache ist, dass sie mich glücklich macht und zwar so, wie ich es gerade brauche. Und das Schöne ist, ich habe den Luxus, mir genau das auszusuchen.

7 Gedanken zu “Meine Beziehung zu mir selbst

  1. „Das Sahnehäubchen auf meinem Kuchen voller Glücklichkeit“, wie schön gesagt! ❤
    Und überhaupt! Unterschreibe ich eins zu eins! Vor allem das mit dem Abstellgleis und dem nicht egoistisch sein, nur weil man sich nicht festlegen will. Die Beziehung zu einem selbst muss immer Vorrang vor allen anderen Beziehungen haben! Liebste Grüße und gute Nacht! 😉

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  2. Wow! Das hast du sehr schön in Worte gefasst. Genau das Gleiche versuche ich ständig meinen Freunden zu erklären. Allerdings kann ich sie nicht oft davon überzeugen. Naja, wichtig ist ja, was wir über uns denken und nicht die Anderen! 🙂

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  3. Genau. Jede Frau muss sich selbst happy machen. Und wie sie das macht ob über lockere Bekanntschaften bis hin zu sexuellen Verbindungen oder Freundschaft das darf sie selbst entscheiden, sehe ich genauso. Ich glaube aber auch dass Frau glücklich ist wenn sie ankommen darf, bei sich selbst aber auch bei einem (oder mehreren) wie auch immer gearteten Partnern 🙂

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