Sex und guter Sex

Sex gehört für mich zu meinem Leben wie Essen, Trinken oder Schlafen. Seit der Pubertät war dieses Thema für mich immer präsent. Ich habe schon früh angefangen, mich mit meinem Körper zu beschäftigen, ihn kennenzulernen und herauszufinden, was mir gefällt und was nicht. Ich weiß schon lange, was ein Orgasmus ist und wie ich einen bekommen kann. Ich denke, dass mich das ziemlich gut auf den „richtigen“ Sex vorbereitete. Bis ich allerdings den Mut fand, das auch wirklich durchzuziehen, brauchte ich etwas Zeit und vor allem eine Beziehung, der ich vertraute. Rückblickend würde ich behaupten, dass ich von Anfang an guten Sex hatte, auch wenn sich bestimmte Dinge, wie Vorlieben und daraus resultierend auch Ansprüche natürlich mit der Zeit erst entwickelt und verändert haben.

Der feine Unterschied

Ich bin prinzipiell sehr offen, was Sex angeht und habe mittlerweile auch keine Scheu mehr, über Sex zu reden, meinen Körper und meine Lust zu zeigen. Im Gegenteil – ich weiß, dass meine eigene Erregung einen Mann erst so richtig auf Touren bringen kann und dass falsche Zurückhaltung nicht angebracht ist. Und erst, wenn ich richtig laut sein kann, habe ich selbst den meisten Spaß an der Sache.
Auch bei der Art und Weise des Sex bin ich nicht festgelegt. Wobei da natürlich zu unterscheiden ist in Sex und guten Sex. Blümchensex, Seminarstellung… kann man machen, muss nicht schlecht sein, ist aber eben nur Sex. Was mich viel mehr reizt, sind ausgefallenere Szenarien.

Beziehungssex

Sex in einer Beziehung ist wie Salz auf dem Essen. Es verleiht Geschmack, ohne wäre es fad. Bis vor ein paar Monaten hätte ich sogar behauptet, Sex in einer Beziehung ist grundsätzlich der beste. Klar, wenn Liebe im Spiel ist, dann kann das auf gewisse Weise intensiver sein, mit dem ganzen in die Augen schauen und zusammen kommen. Und ich muss gestehen, dass ich mich mit dem jeweiligen Partner auch immer weiter entwickelt habe und immer eine gewisse Experimentierfreudigkeit da war. Da ich aber nur zwei längere Beziehungen hatte, stellt das nur einen winzigen Bruchteil meines ganzen Sexlebens dar.

ONS – One-Night-Stands

Eine Sache, die bei mir bis heute gar nicht geht, sind ONS. Ja, ich hatte ein-zwei gute, aber oft sind diese einmaligen Sachen doch irgendwie enttäuschend. Vor allem, weil sie meist spontan passieren, öfter auch betrunken. Ich bin ein Mensch, der gerne plant. Und so habe ich eben auch lieber Sex, wenn ich mich vorher darauf einstelle. Es gibt ja eine Menge Vorkehrungen zu treffen. Habe ich alle nötigen stellen rasiert? Trage ich schöne Unterwäsche? Ist der Bauch auch halbwegs flach…?! Tatsächlich bin ich mal vor einem spontanen Treffen noch schnell für eine Last-Minute-Rasur nach Hause gefahren.
Klingt vielleicht witzig, gewisse Vorkehrungen haben mir aber schon öfter die Nacht gerettet. Vielleicht auch deswegen, weil ich dann entspannter bin und mich auf das Wesentliche konzentrieren kann.
Außerdem lernt man den Sexpartner mit der Zeit auch besser kennen, man weiß um die Vorlieben des anderen und diese wie auch immer gearteten Beziehungen entwickeln sich weiter. Man bekommt eine Verlässlichkeit, die ich sehr mag. Dennoch ist natürlich der erste Sex mit einem neuen Partner immer spannend.

Besondere Momente

Ich erinnere mich gut an ein Wochenende in einem Berliner Hotel, in dem sich ein Freund von mir eingemietet hatte. Es war ein kleiner verruchter Ausflug, weg vom Alltag. Wir plünderten die Minibar, genossen die alkoholisierte Hemmungslosigkeit. Zwischendurch ein Drink in der Panorama-Bar, morgens dekadentes Buffet-Frühstück, danach gemeinsam in die riesige Regen-Dusche und im Anschluss nass und tropfend wieder in die Laken werfen. Die Chemie stimmte, menschlich und körperlich. Wir wechselten von tiefgründigen Gesprächen zum wilden Gewälze zwischen den Kissen. Nächte, an die ich gern denke und die sich so ähnlich auch mehrfach wiederholten.

Ein Akt an den ich mich gern erinnere und der sich über Wochen hinzog, bis wir endlich den „Höhepunkt“ erreichten, war das Kennenlernen von Wolf und Tiger. Beim ersten Date wäre es beinahe dazu gekommen, es blieb aber aufgrund der leicht überalkoholisierten Stimmung lediglich bei wildem Gefummel, was super war und die Lust auf mehr nur anheizte. Die Wochen danach hatten wir nur Dates in Bars, beim Billard oder bei einem meiner Konzerte, da ich noch keine eigene Wohnung hatte und wir nicht zu ihm konnten. Wir hatten beschlossen, dass wir den Reiz so lange wie möglich auskosten, es hinauszögern und damit die Lust ins Unermessliche steigern. Und tatsächlich waren wir mehrere Male kurz davor, uns mitten auf der Straße die Kleider vom Leib zu reißen und in einem dunklen Hauseingang übereinander herzufallen. Das „erste Mal“ war dann eine regelrechte Explosion.

Die harte Tour

Ich sage bzw. zeige Männern gern, was mir gefällt. Ich bin, was das angeht, auch ein sehr „dankbarer“ Charakter. Allgemein rede ich gern über Sex. Aber ich bin selten der dominante Part. Im Gegenteil – ich unterwerfe mich ganz bewusst und lasse mich dominieren. Seile, Peitschen, Augenbinden und Ähnliches kommen dabei gern mal zum Einsatz. Blaue Flecken nach einem erfolgreichen Akt trage ich wie Trophäen.
Über diese Vorliebe bin ich mir schon seit vielen Jahren bewusst und habe das auch schon ausgelebt. So richtig kam dieser Aspekt erst durch T wieder ins Spiel, mit dem ich in der Hinsicht eine ganze Menge ausprobiert habe. Durch ihn merkte ich, dass ich diese Art Sex zu haben nicht missen möchte. Seitdem suche ich gezielt nach Männern, die diese Art des Spiels mit Bondage und Peitschen ebenfalls mögen.

Der Reiz des Verbotenen

Etwas, was mich ebenfalls anmacht, ist Sex in der Öffentlichkeit. Der Reiz des Verbotenen gibt mir einen besonderen Kick. Mit Öffentlichkeit meine ich Orte wie Treppenhäuser, Hauseingänge, Gebüsche, Strand, Sauna…. Ein besonders prickelndes Erlebnis hatte ich in der Berliner S-Bahn. Wir waren auf dem Weg zurück vom See. Ich trug ein kurzes Kleid und keine Unterwäsche. Er saß mir gegenüber, spreizte meine Beine und ich fing an mich zu berühren. Dass er mich dabei genau beobachtete, heizte mich nur noch mehr an und mein Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten.

Blowjob, ja oder nein?

Beim Thema Oralsex scheiden sich die Geister. Ich persönlich mag es gern, wenn sich der Mann dafür Zeit nimmt, allerdings muss er es dann auch „richtig“ machen. Halbherziges Gestocher und unbeholfenes Gelecke kann ich gar nicht haben. Bisher habe ich noch nicht allzuviele gefunden, die sich in dieser Sache besonders talentiert gezeigt haben. Liegt es vielleicht an uns Frauen? Müssen wir eine genauere Anleitung geben? Da ich aber mit vaginalen Orgasmen auch kein Problem habe, kann ich darüber hinwegsehen und hebe mir den Rest für das Vergnügen mit mir selbst auf.
Ob ich Lust habe, einen Blowjob zu geben, ist also auch keine Frage der „Gegenleistung“, sondern eher des Vertrauens. Ich mache es auch nur, wenn ich wirklich Bock darauf habe, dann aber mit Hingabe und bisher hat sich darüber noch keiner beschwert.

Stellungen

Ich denke, permanenter Stellungswechsel wird überbewertet. Sex soll ja keine akrobatische Höchstleistung sein. Ich kann nicht mal behaupten, ich hätte eine Lieblingsstellung, denn wie man am besten ineinander passt, hängt stark von der jeweiligen Anatomie ab. So kann mich der eine in der Missionarstellung um den Verstand bringen, der nächste im Doggy-Style und einen anderen habe ich lieber unter mir liegen. Dass man die Stellung zwei-drei Mal wechselt finde ich okay. Aber irgendwann ist auch genug. Und vor allem, darf Mann nachdem ich bereits 5-6 Mal gekommen bin, sich auch gönnen, endlich mal loszulassen. Ja, ausgiebiger Sex ist toll, aber irgendwann bin ich auch satt. 😉

Ausblick

Ich glaube, ich bin, was mein Sexleben angeht, definitiv noch nicht am Ende meiner Entwicklung. Sicher gibt es noch einiges zu entdecken. Ich bleibe weiterhin neugierig. Gespannt bin ich auf den ein oder anderen Besuch in einschlägigen Berliner Clubs. Bisher ist der Gedanke irgendwie noch ein großes Ding, wobei die meisten meiner Freunde behaupten, dass das ja nun auch nichts besonderes mehr wäre. Wir werden sehen. Außerdem will ich mich mit dem Thema Polyamorie noch etwas mehr beschäftigen und mich mit Leuten aus der „Szene“ austauschen.
Ich bin bisher bei weitem noch nicht an meine körperlichen Grenzen gegangen, was Lust, Leidenschaft, Ekstase, Schmerzen…. angeht, Insofern bleibt es weiterhin spannend.
Qualität steigern, nicht Quantität lautet die Devise.

Das waren nun ziemlich viele Worte um dieses pikante Thema, dabei sollte man es doch eigentlich lieber einfach nur tun und genießen.
Deswegen zum Abschluss noch ein Zitat von einem Menschen, der mir schon eine ganze Menge schlaue Ratschläge gegeben hat: „Sex ist die schönste Nebensache der Welt.“ Wie wahr! Und so soll es auch bleiben.

2 Gedanken zu “Sex und guter Sex

  1. Ja.. man lernt nur aus Erfahrung. Und jeder Sex ist lehrreich, sehe ich auch so. Nur so lernt man seine eigenen Vorlieben kennen. Lustig was du schreibst mit der S-Bahn, das stelle ich mir sehr cool vor, das muss ich auch mal ausprobieren 😉
    Schau mal bei mir vorbei!
    Liebe Grüße von Amanda

    Gefällt 1 Person

  2. „Sex gehört für mich zu meinem Leben wie Essen, Trinken oder Schlafen…“,
    wie oft habe ich das schon gesagt.
    Dein Artikle ist schon sehr beeindruckend, offen, klar, unverklemmt und ausführlich. Da kann sich manche(r) `ne Scheibe von abschneiden.
    Ich schreibe schon lange über unsere Sexualität. Alles nicht so einfach!
    LG
    Jürgen aus Loy (PJP)

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