Chaos und Ordnung

Um ehrlich zu sein, herrschte bei mir in den letzten Wochen einfach nur Chaos. Und damit meine ich hauptsächlich emotionales Chaos. Dabei war ich gerade dabei, Ordnung zu schaffen. Aber erstens kommen die Dinge anders und zweitens als man denkt. Und es gibt so Sachen, die schmeißt das Schicksal einem hin und da kann man nichts machen, außer sie aushalten. Da gibt es auch keinen Unterschied zwischen gut und böse. Und dann gibt es Dinge, da können Menschen eben was dafür, oder dagegen, wie auch immer. Und irgendwie hab ich in mancherlei Hinsicht einfach Pech, weil ich ganz schön oft die Kacke abbekomme. Und da kann ich mich jetzt hinsetzen und weinen und jammern und mich beschweren, wie hart mein Leben ist. Ist es! Aber wem hilft das?
Ja, es gibt Dinge, die würde ich gern anders haben. Es geht aber nun mal nicht. Was bleibt mir? Wie ein kleines Kind, mich wütend auf den Boden werfen und schreien und zetern, bis mir jemand hilft und sagt, dass alles gut wird?! Ich bin kein kleines Kind und an „alles gut“ glaube ich sowieso nicht mehr.

Wie sagte mein Therapeut so treffend? Es hilft niemandem, wenn es Ihnen jetzt auch noch schlecht geht. Nüchtern betrachtet hat er recht.
Die Tatsache, dass ich hilflos bin, habe ich ausreichend betrauert, was heißt, ich war feiern bis zum Abwinken und habe meinen Frust ertränkt, rausgeschrien und weg getanzt. Das geht schon mal, bis die Realität wieder anklopft. Das ist ja kein Dauerzustand. Das mit der radikalen Akzeptanz hatte ich ja schon erklärt. Und da hilft es mir nicht, zu Hause zu sitzen und alles zu Tode zu analysieren. Dann lieber rausgehen und ausrasten.

Aber im Grunde bin ich kein Mensch für ewiges Chaos, Anarchie und Party nonstop. Und mit 32 und als Geschäftsführerin schon gar nicht. Und so geil wie das alles ist und auch, wenn ich oft genug und gern die fertige Alte war, so habe ich jetzt das dringende Bedürfnis, mal ein bisschen aufzuräumen. Nein, ich werde jetzt nicht brav wie eine Kirchenmaus. Ich denke, ich beweise meine Reife, indem ich einfach nicht mehr so hart übertreibe. Ich habe darüber viel nachgedacht und mich belesen und dadurch ist in mir das Gefühl reif geworden, dass ich in meinem Leben schon genug Abstürze hatte. Es geht ja bis dahin, dass ich sogar meine Selbstachtung verliere und die Scham, die daraus resultiert ist für mich beinahe unerträglich.

Und irgendwie bin ich hier auch wieder beim Thema des vorherigen Beitrages. Perspektive wechseln. Gewohnheiten ändern. Andere Copingstrategien probieren. Wahlweise welche, die nachhaltig guttun.
Zurzeit meditiere ich viel, versuche so meine Gedanken zu beruhigen, zu ordnen und mehr im Hier und Jetzt zu leben als irgendwo in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Denn Fakt ist, die Vergangenheit kann ich nicht ändern und die Zukunft kommt so oder so. Also klar, die Zukunft kann ich beeinflussen, aber oft kreiert mein Gehirn Szenarien schon weit im Voraus, überdenkt bereits geplante Dinge wieder und wieder und das ist anstrengend und das raubt einem so viel Zeit in der Gegenwart.

Jetzt im Moment geht es mir gut. Zumindest vergleichsweise, wenn ich so an die letzten 12 Monate denke. Das will ich nutzen, denn wie ich das Leben kenne, kommt der nächste Rückschlag ganz bestimmt, egal wie heftig. Und bis dahin will ich Kraft sammeln, weil ich keine Lust mehr habe auf Entgleisungen. Ich brauche Ordnung, weil mir meine Happyness fehlt. Gerade verpasse ich die schönen Dinge. Ich kann sie nicht nachholen, aber ich kann dafür sorgen, dass ich ganz viele davon in Zukunft bewusst erlebe.

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