Jahresrückblick 2021

Wenn ich an 2021 denke, habe ich ganz gemischte Gefühle. Und irgendwie kann ich mich an manches schon kaum noch erinnern… gefühlt. Also fange ich bewusst schon zwei Wochen vor Jahresende damit an, mir noch einmal ausführlich Gedanken über dieses wirklich verrückte und vollkommen gegensätzliche Jahr zu machen. Lesen dürft ihr es natürlich erst jetzt.
Wie hat es eigentlich angefangen?
Ende 2020 und Anfang 2021 sind irgendwie komplett verschwommen. Mein erstes Weihnachten allein und ohne Familie, sehr ruhige Feiertage, Lockdown. Silvester ohne Knall und Bumm und schon war er da, der triste Januar. Alles irgendwie Einheitssoße.
Spannend wurde es eigentlich erst wieder, als ich meine Kollegin einstellte, also Anfang Februar. Es folgte eine Zeit voller neuer Motivation, extrem viel Arbeiten und zugleich der Beginn einer tollen Zusammenarbeit und vor allem auch ehrlicher Freundschaft zwischen zwei Frauen, die das Schicksal zusammengeführt hat. Ja, viel habe ich in den ersten Monaten im neuen Jahr nicht gemacht außer arbeiten und Sport. Mehr war ja auch nicht möglich. Oh doch, ich habe es fast vergessen, das war ja noch die Zeit, in der MK in seine neue Wohnung gezogen ist und wir, ohne es Anfang wirklich zu merken, wieder eine Beziehung eingegangen sind. Eine Beziehung, die mal wieder so voller Leidenschaft war und zugleich und damit einhergehend, mit ganz vielen Höhen und Tiefen. Und auch hierzu hat die pandemiebedingte Situation einiges beigetragen. Denn ohne diese, ich nenne es mal, Langeweile hätten wir sicherlich auch nicht wieder so eng zusammen gefunden.
Im März zogen meine neue Kollegin und ich dann nach Neukölln in unseren gemütlichen Workspace. Und schon bald wurde das neue Büro der Mittelpunkt einer tollen Zusammenarbeit, neuen Plänen und Träumen, aber auch abendlichen Umtrünken und gemeinsamen Mittagessen. Und so kam uns die Welt bald gar nicht mehr so trist vor. Nach über einem halben Jahr Lockdown war das alles auch irgendwie normal geworden. Eigentlich fehlte es uns an nichts. Nur der Sommer wollte einfach nicht kommen.
Kurz vor meinem Geburtstag trennte ich mich dann wieder schweren Herzens von MK. Leider verlangte mir die Beziehung einiges ab… zu viel am Ende. Noch jetzt bin ich der Meinung, dass ich diesmal wirklich verliebt war und wollen wollte. Aber was solls.
Mein Geburtstag war dann tatsächlich der erste richtig warme Tag im Mai. Mit den engsten Freunden feierten wir eine kleine Party mit Picknick auf dem Tempelhofer Feld. Später tanzten wir unter offenem Himmel bis spät in die Nacht. Es war berauschend, aber vor allem deswegen, weil ich gerührt war von den vielen Botschaften der lieben Menschen, die an mich dachten.

Danach kam gefühlt lange nichts. Es war die Zeit, wo jeder auf seine erste Impfung wartete, aber trotzdem noch alles geschlossen war. Als dann im Juni die Restaurants und Bars wieder öffneten, war es merkwürdig, das Berliner Stadtbild wieder so belebt zu sehen. Ich selbst hatte mich zwar darauf gefreut, aber irgendwie blieb das große WOW auch aus. Es war merkwürdig. Und da das Wetter irgendwie auch merkwürdig blieb, zog der Sommer in grauem Wabern an uns vorüber. Ich erinnere mich an Umtrünke in der Sonne vorm Büro. Auf dem Feld waren wir nur einmal, obwohl wir es ständig wollten.
Es gab wieder erste Kinky-Treffen, die zunächst merkwürdig fremd waren. Aber ich merkte mit der Zeit, wie sehr es mir gefehlt hatte.
Und so gab es viele gefeierte Nächte mit einer ganzen Menge Alkohol, Sex und verkaterten Sushi-Sonntagen.

Ich denke an meine Comfortzone, die ich in der ganzen Zeit nicht wirklich verlassen wollte. Sport und Routinen waren mir wichtig geworden. Was nicht heißt, dass ich nicht gelebt habe. Nach der gescheiterten Beziehung fasste ich irgendwann endlich wieder Mut und begann zu daten. Das war rückblickend auch die Zeit in diesem Jahr, in der ich mal wirklich glücklich war. Ja, da ging es mir gut, so gut wie ewig nicht. Ich hatte angefangen, mir die Dinge, die ich wollte, selbst auszusuchen und hörte auf, mich immer nur von Männern aussuchen zu lassen. Das ist tatsächlich etwas, was ich auch weiter so beibehalten will. Details gibts hier der Reihe „Was ICH will“.
Insgesamt blieben die Dates leider dennoch ohne nachhaltigen Erfolg. Es brachte mich immerhin insofern weiter, dass ich mich endlich mal damit auseinandersetzte, was ICH denn wirklich wollte. Aber irgendwie wollte ich doch zu vieles und so vieles auch wieder nicht.
Außerdem gab es da noch ein wichtiges Thema, dem ich mich stellen musste. Es hatte etwas mit meinem inneren Kind zu tun. Bei all dem Stress, der beruflichen Verantwortung, dem Hedonismus, den ich leben wollte, der Sehnsucht nach Liebe, hatte ich dieses kleine zitternde, verängstigte Kind mal wieder total vernachlässigt. Und das spiegelte sich auch irgendwann in meiner mentalen Verfassung wider. Die nach dem kurzen Glücksrausch dann wieder immer schlechter wurde.

Das Highlight meines Jahres wurde dann meine Rad-Reise nach Kopenhagen. Das war eine Zeit, in der alle wieder Hoffnung hatten, niemand an eine vierte Welle glaubte und ganz kurz mal alles möglich und irgendwie normal war. Begriffe wie 3G und 2G+ usw. kannte zu der Zeit noch keiner. In Dänemark gab es nicht mal mehr eine Maskenpflicht. Und genau diese Freiheitslücke nutzte ich, um einiges in mir drin aufzuräumen.
Und wenn ich schreibe normal, frage ich mich gerade, was dieses „normal“ denn eigentlich ist. Das, was wir früher normal nannten, wird nicht wiederkommen. Also ist das jetzt das neue Normal? Ich will mich eigentlich überhaupt nicht daran gewöhnen, vor allem, weil sich alles ja doch wieder so rasend schnell verändert. Und schon morgen kann die ganze Welt wieder ganz anders aussehen.

Dieses Aufräumen auf meiner Reise gab mir dann plötzlich eine ganze Menge Kraft. Mentale Kraft, mich endlich gegen Dinge zu wehren, die mich lange belastet haben. Themen anzusprechen, die unangenehm sind. So habe ich mich von meiner engsten Familie distanziert. Weil diese Personen leider nach und nach überhaupt nicht mehr gut für mich waren. Dies führte zwar dazu, dass die letzten drei Monate in 2021 zu einem absoluten Gefühlschaos – keines der guten – wurden. Aber das Ganze hat auch einen Prozess in Gang gebracht, der bitternötig war. Und so fange ich mithilfe meines Therapeuten gerade an, wichtige Dinge aufzuarbeiten.
Und nebenbei hatte ich die Souveränität in meinem Job nach wie vor (fast) jeden Tag unschlagbar und gleichzeitig eine gute Chefin und Kollegin zu sein. Ja, ich gebe zu, ich hatte einige dunkle Tage. Ich hatte Tage, an denen ich einfach mal nicht funktionierte. Aber wenn ich zurückblicke, dann habe ich für die Umstände wirklich gut funktioniert.

Leider habe ich genau in der Zeit auch noch weitere Dramen magisch angezogen. Scheint irgendwie immer so zu sein. MK mischte sich noch ein paar mal in mein Leben ein und warf mich aus der Bahn. Und dann war da noch neue, der kleine Narzisst, der mich auch wieder echt viel Kraft gekostet hat. Vor allem aber hatte er sich auch ein Stück meines Herzen gekrallt. Doch auch das habe ich mir zurückgeholt. Sicher habe ich an der Stelle auch wieder etwas von der Fähigkeit eingebüßt, Vertrauen zu Menschen zu fassen. Und dennoch habe ich mein Herz diesmal nicht dort gelassen. Mein Herz schlägt weiter voller Kraft in meiner eigenen Brust. Es war kurz, schmerzvoll, aber kurz. Vielleicht war das mein Glück.

Eine Erfolgsstory ist dann definitiv noch meine sportliche Weiterentwicklung. Mein Ehrgeiz hat mich zu Leistungen angespornt, die ich nie für möglich gehalten hätte. Mittlerweile gehe ich nicht nur wegen der Kurse, sondern auch wegen der Trainer ins Studio und konnte mein Sportprogramm mittlerweile easy in meinen Alltag integrieren. Und dieser Weg ist auch noch lange nicht zu Ende.

Ich habe 2021 eine Menge verloren. Ich habe ganz schön viel einstecken müssen. Auch beruflich hatte ich es nicht immer leicht, weil es manchmal eben Menschen gibt, die mich in der Hinsicht unterschätzt haben. Aber am Ende kann ich jeden Tag guten Gewissens in den Spiegel sehen. Und ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe. Und ich habe neben ganz vielen tollen, lieben Freunden auch vertrauenswürdige Geschäftspartner, die mich und meine Arbeit zu schätzen wissen.
Privat habe ich deutlich mehr Hiebe bekommen. Aber auch hier möchte ich behaupten, dass ich unterm Strich mehr gewonnen als verloren habe. Aber es lässt mich nach wie vor nicht los. Nach wie vor fühle ich Einsamkeit, Schmerz und auch viel Zorn.
Ich habe es geschafft mich vollkommen auf meine eigenen Beine zu stellen. Aber darauf laufen fällt mir noch immer schwer. Ich bin wacklig, stolpere, falle hin, stehe wieder auf und versuche es wieder.

Der Jahresausklang spiegelt dann auch irgendwie nochmal dieses echt verrückte Jahr wider. Heiligabend verbrachte ich zum ersten Mal komplett selbstgewählt bei Freunden. In einerkleinen Gruppe von sechs Leuten wurde lecker gegessen und viel getrunken. Und am Ende, wie sollte es auch anders sein, hatten wir irgendwie eine kleine Orgie am Laufen. Und so feierte ich Weihnachten insgesamt 24 Stunden lang durch und habe nichts bereut.

Der große Down kam dann die Tage danach. Mein Körper war vollkommen leer. Alle Endorphine waren aufgebraucht und seit dem 27.12. fühle ich mich einfach nur hundeelend. Ich bin erschöpft, kann morgens kaum aufstehen, habe den Herpes aus der Hölle an der Lippe und fühle mich einfach nur kaputt und eklig. Die Energie ist vollkommen weg. Mein Silvesterdate ist abgesagt und mir ist so wenig zum Feiern zumute wie nie zuvor. Und insofern höre ich ausnahmsweise mal auf mich und werde dieses Jahr Silvester einfach mal nicht feiern. Ich werde vermutlich zu Hause eine Flasche Sekt köpfen, um beizeiten ins Bett zu kommen und meinen Detox-Monat Januar direkt am 01.01.2022 um 00:00 Uhr beginnen.

Aber zuvor habe ich noch ein Spazierdate, ganz spontan…. mal schauen, was sich daraus entwickelt.

6 Gedanken zu “Jahresrückblick 2021

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