FantaC Vol. IV: Verzweiflung

Ich gebe zu, so ganz verzweifelt bin ich aktuell noch nicht und vermutlich wird das auch nicht eintreten (klopfe drei Mal auf Holz). Aber es gibt so Tage, da sitze ich mittags da und habe Lust auf Alkohol, auf irgendetwas was Spaß macht, Action und Unterhaltung. Heute ist so ein Tag. Meine Motivation ist wirklich am absoluten Tiefpunkt angelangt. Oder besser gesagt, meine Demotivation ist im Zenit. Zumal mein Tagesprojekt, dem ich mich eigentlich widmen wollte, verschoben werden musste.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich zähle mich definitiv auch zu diesen. Ich gewöhne mich schnell an stressige Zeiten, an bestimmte Abläufe, an Rituale… Und somit gewöhne ich mich auch an dieses ruhige Leben, obwohl ich unzufrieden damit bin. Irgendwie absurd. Aber durch diese anhaltende Lethargie wird es insgesamt eben auch nicht besser, im Gegenteil. Es passiert einfach nichts und man kann auch nicht sonderlich viel machen oder besser verändern – ich denke, das ist mein eigentliches Problem. Und damit meine ich nicht Beschäftigungstherapie, sondern nützliche, sinnvolle Dinge. Helfen, die Wirtschaft ankurbeln, Geld verdienen und sowas….

Wenn ich ehrlich bin, hasse ich Dinge, die nur dem reinen Zeitvertreib dienen. Das macht doch keinen Spaß. Das gibt mir absolut gar nichts. Und gerade komme ich wieder in eine Nörgelphase. Es ist alles so langweilig, ich mag nicht mehr, kann nicht einer mal die Zeit vor drehen? Mimimimini….

Das Ding ist ja auch, dass ich in meiner kleinen Wohnung nicht jeden Tag putzen kann. Meine Wohnung war, glaube ich, lange nicht mehr so sauber, wie jetzt gerade. Und dieses stundenlange spazieren macht mich ganz wirr und noch lethargischer. Die Einsamkeit frisst mich auf, schlimmer als ein Virus. Ich weiß schon, wieso ich lieber ins Fitness-Studio gehe. Ich mag dieses ganz für mich alleine Sport machen nicht. Fitness-Studio war für mich immer wie eine feste Verabredung. Man kennt dort mittlerweile die Trainer, ich habe meine Lieblingskurse und meine festen Zeiten. Ich mag zwar Veränderungen und ich mag es auch, aus Routinen auszubrechen, aber ich mag auch einfach die Dinge so lassen, die gut so sind, wie sie sind.

Ich weiß, das ist jetzt alles Jammern auf hohem Niveau. Aber sorry Leute, auch das muss mal raus. Man stelle sich nur vor, die Welt bliebe so. Wie soll ich dann überleben? Wirklich, ich glaube, ich würde mir früher oder später die Kugel geben. Oder würde ich mein Leben komplett überdenken?!
Würde ich, wenn es das schöne, freizügige Angebot, welches ich an Berlin so liebe, nie wieder geben würde, vielleicht doch soetwas wie Monogamie und feste Beziehung anstreben? Sesshaft werden, Kinder bekommen? Anständig sein, häuslich? Vielleicht, immerhin gäbe es dann keine Spots mehr, um das auszuleben, was ich so liebe. Oder reichen dann die privaten Partys? Sind die Leute dann überhaupt noch bereit, private Partys zu machen, trauen wir uns das noch?

Das ist doch eine interessante Frage: wäre ich so, wie ich bin, wäre ich nicht in Berlin, der Kinky-Hauptstadt überhaupt?! Ist das alles nur ein Schauspiel, im Rahmen der Wirklichkeit, die uns hier in Berlin bisher geboten wurde?
Andererseits: Dass mir dieses ganze Leben so fehlt, ist ja schon mal der beste Beweis dafür, dass es wirklich zu mir gehört. Dass ich nicht rein aus der Verfügbarkeit der Möglichkeiten das Ganze mit mache, sondern, weil ich es liebe und lebe. Und wie es aussieht, geht es mir damit nicht allein so. Die meisten Kinkster leiden gerade.

Natürlich sehne ich mich nach Gesellschaft, aber ich sehne mich nicht nach Liebe oder nach einem festen Partner, überhaupt nicht. Ich sehne mich nach Aufmerksamkeit (ja ich gebs zu) und ich sehne mich verdammt nochmal nach einem guten Fick. Ich sehne mich danach, meine Kinky-Klamotten zu tragen, freizügig zu sein, zu tanzen, auszurasten….

Gestern habe ich outfittechnisch ein bisschen übertrieben. Ich trug eine graue Jeans mit Leoprint, dazu glänzende spitze Stiefeletten und eine schwarze Bluse. Draußen habe ich dann meinen schwarzen Fakefur drüber gezogen und eine Sonnenbrille aufgesetzt. So bin ich noch eine große Runde gelaufen. Die Blicke der Leute waren schon sehr interessant. Zumal ich mit meinem neuen Look mit den roten wilden Locken, statt glatten Haaren nochmal mehr auffalle als sowieso schon. Als schließlich zwei Männer hinter mir her sahen und völlig ungeniert riefen „Da brennt ja der Asphalt!“, wusste ich nicht, ob ich beleidigt oder stolz sein sollte. Irgendwie fand ich es unangebracht, irgendwie hatte ich es aber eben auch provoziert. Meine innere Kinky-Queen wollte sich mal ganz kurz lebendig fühlen. Und im Nachinein musste ich dann doch ein bisschen darüber lachen.

Ich bin ja auch froh, dass ich nicht die einzige bin, die leidet. Geteiltes Ledi und so… Und ich glaube, dass die grundlegende Resozialisierung hier in Berlin auch unser geliebtes Nachtleben beinhalten wird. Üben wir also etwas wichtiges: Geduld. Und um den Floskelsalat komplett zu machen: Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

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