FantaC Vol. V: Mein Chaos braucht System

Dies hier ist eigentlich keine FantaC, sondern bitterer Ernst. Ich habe in meinen Entwürfen rund 15 Themen, die ich gern bearbeiten würde. Jeden Tag öffne ich die Entwürfe-Seite bei WordPress und kann mich einfach nicht entscheiden, welches Thema heute dran wäre. Ich habe das Gefühl, sie überschneiden sich alle zu sehr und ich will in die ganze Sache irgendwie Struktur rein bringen. Ja, ich bin Perfektionist, was das angeht. Also deswegen heute mehr so eine Art „How-to Sich selbst in der Krise motivieren“.

Die Schwierigkeit Entscheidungen zu treffen, kommt vielleicht auch daher, dass gerade zwar nur eingeschränkt Dinge möglich sind, aber irgendwie doch ganz schön viele Optionen da sind. Ich kann den ganzen Tag auf der Couch abhängen, ich kann spazieren, ich kann meine Bücher nach Farben ordnen (nein, stimmt nicht, ich habe kein Bücherregal), ich kann meine Haare grün fären, mir die Nägel lackieren, stundenlang online Yogavideos ansehen, oder Videos von Katzen, telefonieren… ich habe immer die Wahl zwischen Zeit verschwenden und sie zu nutzen. Und mittlerweile bin ich sogar langsam auf dem Trip, dass ich Dinge tue, die mir Spaß machen und trotzdem einfach nur dem Zeitvertreib dienen und das völlig ohne schlechtes Gewissen.

Das Trübsal der letzten Tage hat mich echt ziemlich genervt. Es gibt ja immer mal diese guten und diese weniger guten Tage. Ich kam mir diese Woche so unglaublich sinnlos vor. Gestern wurde es etwas besser, als ich zumindest minimal etwas arbeiten konnte. Immerhin habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir meine Arbeit doch macht, wenn denn welche da ist. Das hat mir auch die Angst genommen, ich könnte vielleicht vollkommen abstumpfen und am Ende gar keine Lust mehr auf meinen Job haben.
Und so dezent motiviert habe ich gestern nachmittag noch eine kleine Mindmap angefangen. Dort kommen nach diversen Kategorien sortiert Dinge rein, die ich gern mal wieder machen würde, Dinge die ich erledigen „muss“, mein Sportplan für die Woche und ich habe noch über einen Essenplan nachgedacht, dazu konnte ich mich bisher aber nicht durchringen. Ergebnis ist, dass ich gestern fast eine Stunde mit diesem Plan verbracht habe. Hinterher habe ich mich viel besser gefühlt. Ich brauche Struktur. In so einer unberechenbaren Zeit wie jetzt umso mehr. Außerdem kann ich so, wenn ich Langeweile habe, immer mal schauen und mich inspirieren lassen. Und ich hoffe, dass meine Motivation zum Sport so noch etwas intensiver wird. Denn die fehlende Bewegung, also für mich viel viel weniger als sonst, macht sich schon bemerkbar.

Zudem sind mir auch wieder so Dinge eingefallen, in denen ich mich echt lange verlieren kann. Musik machen zum Beispiel. Gestern habe ich ein paar Noten gesucht, einfach um ein bisschen zu spielen. Zum einen bin ich beim Suchen auf ein paar alte Tagebücher von mir gestoßen, die mich dann auch kurz in ihren Bann gezogen haben. Zum anderen fand ich zwar nicht die Noten, die ich suchte, dafür aber meine alten Noten aus dem Gesangsunterricht. Der ist mittlerweile auch schon 8 Jahre her oder so. Also verbrachte ich eine gute Stunde damit, immer im Wechsel Trompete zu spielen und zu singen. Und es fühlte sich einfach super an. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich gesangstechnisch ganz schön aus der Übung gekommen bin. Außerdem habe ich die „Ode an die Freude“ auswendig spielen gelernt. So bin ich bestens gerüstet auf die nächste Aktion am Sonntag Abend, wenn alle Musiker (und ich hoffe, es werden noch mehr in meinem Viertel) um 18.00 Uhr an den Fenstern stehen und spielen. *Gänsehaut*

Und so habe ich mir, wie schon so oft, gestern mal einen kleinen nötigen Arschtritt gegeben, um mal wieder aus meinem Tief herauszukommen. Und siehe da, heute geht es mir wesentlich besser. Ich habe intensiv Sport gemacht und bin insgesamt viel positiver in den Tag gestartet. Vielleicht kommt auch noch hinzu, dass ich mir gesagt habe, dass ich mir den Tag heute frei nehme, zumindest zu 90% und ein bisschen mehr für mich mache, anstatt lustlos meinen Laptop anzustarren.

Meine Punkte auf meiner heutigen Agenda: Soforthilfe beantragen. Lebensmittel retten. Spazieren. Feierabend-Bier Trinken. Eventuell mal einen dieser Club Livestreams anschauen.

Und da Pläne ja bekanntlich zum Verwerfen da sind, hat natürlich auch alles nicht so geklappt, wie ich mir das dachte. Bei der Soforthilfe stieg ich in die Warteschlange auf Platz 14796 ein. Juhu….
Also bin ich zum Zeitvertreib mal wieder spazieren gegangen. Der Frühling lockt einen eben echt nach draußen. Dummerweise denken sich das jetzt natürlich alle. Und entgegen der Vorschriften ist der Park mehr als voll mit Menschen, die rumlaufen, spielen, Sport machen oder einfach nur in der Sonne sitzen. Und so sehr ich mich auch einfach nur in die Sonne legen möchte, tue ich es nicht. Daher habe ich mir das Feierabend-Bier draußen auch verkniffen. Es geht nicht darum, die Regeln für sich so auszlegen, dass ich sie möglichst weit ausreizen kann. Es geht darum, sich kurz einzuschränken und das bedeutet auch, dass ich dann eben mal nicht picknicken kann, wie es mir gefällt. Ich bin auch fucking einsam, aber ich kann meine Bedürfnisse gerade nicht über die des Restes der Bevölkerung stellen. Darüber sollte jeder mal Nachdenken.
Aber gut, genug aufgeregt, es bringt ja nichts.

Insgesamt hatte ich heute einen recht guten Tag und dabei will ich es belassen. Hoffen wir, dass das mit der Soforthilfe nicht mehr ewig dauert und dann chille ich mal ganz gemütlich ins Wochenende.

Bleibt alle schön gesund. :*

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