Fingerspitzengefühl

Dieser Blog spaltet meine „Fans“ in zwei Lager. Die einen, die ihn toll finden, gespannt folgen und mir auch jede Menge positives Feedback geben und die anderen, die unmittelbar von seinem Inhalt betroffen sind und das zwar auch zum großen Teil positiv sehen, aber natürlich immer persönlich und emotional irgendwie mit drin hängen. So hörte ich die Tage zum ersten Mal sowas wie: Warum hast du denn nichts über unsere Unterhaltung vom XX.XX. geschrieben?

Tja, was soll ich dazu sagen? Zum Einen bin ich nun mal komplett frei (und möchte es auch bleiben), was die Inhalte dieser Seite angeht, kann schreiben so viel und über wen ich will. Zum Anderen bin ich natürlich auch etwas befangen und daher darauf bedacht, was ich schreibe, weil ich ganz genau weiß, wer diese Zeilen liest.

Sicherlich vermissen manche hier schon die pikanten Geschichten über meine offenen Beziehungen, die zwischen all dem Romantik-Gesäusel in den letzten Wochen ein bisschen hinten an standen. Ich versuche nun mal sensibel zu sein. Natürlich brachte die Reunion mit meinem Koch nicht nur Sonnenschein. Das Thema Monogamie vs. Polygamie stand weiterhin auf dem Programm und sorgte weiterhin regelmäßig für Diskussionsstoff.
Nach einigem hin und her war der Stand folgender: Er lässt mich machen, will aber rein gar nichts darüber wissen, also wann, wo, was, mit wem etc…

Das ist soweit erstmal sehr schön und irgendwie auch schon wieder romantisch. Denn er war bereit, diesen Kompromiss einzugehen, weil er mich liebt auch wenn er selbst den Grund für meine Bedürfnisse nicht nachvollziehen konnte.
Dieses Bedürfnis hatte rein gar nichts mit meiner Liebe, Zuneigung und Wertschätzung ihm gegenüber zu tun. Diese ist und bleibt ungebrochen. Und es hieße für mich auch nicht, an jedem Abend an dem wir uns nicht sehen, ebenfalls die Nacht zum Tag zu machen und mich wahllos durch die Weltgeschichte zu v******.
Doch gerade jetzt, wo zwischen uns alles noch so frisch und fragil ist, will ich dieses Thema nicht mehr ausreizen, vor allem weil es für mich keine Priorität hat und weil ich gerade in dieser Phase unserer Beziehung den Fokus ganz klar auf das Wesentliche richten will. Es gab genug Meinungsverschiedenheiten deswegen und ich merke, dass wir keinen Kompromiss finden können, der für uns beide erträglich ist. Fest steht, dass es für mich unerträglich wäre, ihn noch einmal zu verlieren. Leichter fällt es mir dagegen, die anderen Dinge ruhen zu lassen. Das Schöne ist ja, dass mir die Freundschaften erhalten bleiben und das auch auf Gegenseitigkeit beruht und das ist ein wunderbares Gefühl.

Damit ist eine Tür geöffnet zu mehr Ehrlichkeit und Offenheit in der Beziehung. Denn hätte ich seine Bedingung erfüllt, würde es bei uns immer ein Thema geben, bei dem wir unoffen sind/sein müssten. Es würde immer Abende geben, an denen er nicht wissen würde, was ich mache oder wo ich bin. Hinzu kommt, was ich anfangs angedeutet hatte, dass ich gar nicht wüsste, wie ich dieses Thema hier behandeln soll, ohne ihn zu verletzen. Klar, kann er aufhören, meinem Blog zu folgen, um gar nicht zu erfahren, wenn ich hier etwas Neues poste. Aber der Blog wird dennoch immer da sein – jeder Zeit verfügbar.

Ich hatte ja bereits zweimal versucht, mich von der Polygamie loszusagen. Und jedes Mal machte mich dieser Gedanke unglücklich oder besser gesagt unzufrieden. Und jedes Mal habe ich wieder das Gespräch mit ihm gesucht, in der Hoffnung wir würden irgendeinen Konsens finden. Einen der nicht bedeutet, ihn aus einem Teil meines Lebens auszuschließen. Dieses immer wieder zurück Rudern hat natürlich für Unsicherheit gesorgt. Und mir wurde ein weiteres Mal klar, dass das so nicht funktionieren kann und ich ihn früher oder später verliere, ein Warnschuss für mich also.

Natürlich habe ich viel darüber nachgedacht, warum ich das Gefühl hatte, ein monogames Leben macht mich unzufrieden (oder unvollständig)? Vielleicht aus Selbstschutz (?!), weil ich mittlerweile weiß, dass es keine perfekte Beziehung gibt (mit „perfekt“ meine ich ohne Ecken und Kanten) aber das ist auch vollkommen okay so. Ich muss nicht an einem Menschen, den ich liebe herumschrauben, bis er irgendwann sowas wie „perfekt“ ist. Trotz oder vielleicht genau wegen all der Liebe möchte ich dem Menschen die Freiheit lassen, so zu sein wie er ist, meinetwegen auch mit Macken, die mir nicht passen. Und ebenso möchte ich meine eigene Freiheit genießen, mit allem was ich bin. Für mich funktioniert diese Logik, solange man nicht die Loyalität zum Partner verliert. Die Vorstellung, einen festen Partner zu haben, mit dem man alles teilt, finde ich wunderbar. Dennoch will ich niemandem „gehören“. Und theoretisch gibt es Themen wie Eifersucht und Betrug in dem Sinne dann gar nicht. Ich kenne Beispiele, die mir zeigen, dass diese Art der Beziehung eine der tolerantesten und vertrauensvollsten ist/sein kann. Aber ich bin mir auch dessen bewusst, dass es eine gute Vertrauensbasis braucht und dass vor allem beide dazu bereit sein müssen. Anders funktioniert es nicht.

Und wo wir gerade beim Thema Offenheit sind: Ich muss ihm recht geben, wenn er sagt, dass es meine ganze Wahrheit immer nur hier gibt. Wahrscheinlich weil ich mich beim Schreiben sehr gut reflektieren kann und mir manche Dinge auch erst im Prozess so richtig bewusst werden. Diese Möglichkeit, so alles über mich zu erfahren, schätzt er sehr. Nun sollte ich wohl etwas mehr Energie darauf verwenden, ihm diese Offenheit auch entgegen zu bringen, ohne dass er erst hier nachlesen muss. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Anderseits habe ich mich vielleicht auch hin und wieder darauf ausgeruht, dass er es ohnehin hier alles finden wird und mir deswegen eher selten die Mühe gemacht, das extra noch einmal zu thematisieren.

Fakt ist, dass wir Zeit brauchen, um zu sehen, was diese Beziehung wirklich ausmacht, ohne Einflüsse von außen. Wenn es scheitern sollte, dann aus einem anderen Grund, den ich aktuell nicht sehen kann. All das erfordert Geduld und Durchhaltevermögen. Wir haben in so kurzer Zeit schon viel geschafft und – wie ich finde – eine großartige Entwicklung hinter uns. Dennoch ist die Vertrauensbasis manchmal instabil, was auch dem ganzen hin und her meinerseits geschuldet ist. Das Ganze ist ein Prozess. Tag für Tag entwickeln wir uns weiter. Wir fangen an, uns gemeinsame Ziele zu setzen und Pläne zu machen. Wir stehen noch ganz am Anfang von etwas, das groß werden kann und ich sehe zum ersten Mal, wie gut sich eine Beziehung wirklich anfühlen kann… nehmen, geben, fallen lassen…lieben.

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