Sexting – die Kunst des erotischen Schreibens

Sind wir mal ehrlich: wer hat es noch nicht getan…ein paar anzügliche Worte, ein paar leicht bekleidete Bilder…. Sexting macht (fast) jeder… Das beginnt mit einem harmlosen „Schatz, ich freu mich, wenn du heute nach Hause kommst, habe heute richtig Lust auf dich…“ und endet im Idealfall mit einem „Happy End“.

Das Schöne am Sexting ist, man gibt zwar viel preis, kann sich aber entspannt in der Intimität des eigenen Schlafzimmers zurückziehen. Man muss weder perfekt geschminkt, noch glatt rasiert sein. Und wenn man bereits etwas Sexting-Praxis hat, spart man sich auch das nervige Umziehen der ganzen Stöffchen für die Fotos…man schöpft einfach aus dem Bilder-Repertoire, welches man sich über die Zeit zugelegt hat. Ja, das klingt jetzt alles sehr unromantisch…aber es geht hier ja um Ehrlichkeit…sorry Männer!

Im Ernst: Sexting ist natürlich mehr als nur stupides Abrufen irgendwelcher Floskeln und Bilder. Manch einer wird beim Sexting wahrhaft zum Poeten, erzählt Geschichten, gesteht sich Sehnsüchte ein…Dinge, die man in der Realität vielleicht niemals tun würde…die vielleicht nicht mal möglich sind. Man kann in Rollen schlüpfen…heute ganz brav oder doch lieber dominant und wild? Das liebe ich daran. Sprache zaubert Fantasien. Ist es manchmal nur ein Hinweis darauf, was man gern tun würde, die Info, dass man grad Lust auf den anderen hat, begibt man sich ein ander Mal regelrecht auf eine Reise in ein erotisches Fantasieland. Man bestimmt selbst, wie sehr man sich darauf einlässt. Vielleicht ist es nur einer leichter Schauer auf der Haut, oder auch reine Provokation, oder vielleicht nutzt man die angeregte Fantasie für ein klein wenig mehr Abenteuer mit sich selbst… dem sind keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es zum Beispiel, sich von wem anders auf ein heißes Date einstimmen zu lassen? Einzig die Kraft der Wörter kann einen ganz schön in Fahrt „kommen“ lassen. Und man kann sie jeder Zeit noch einmal lesen, die Reise erneut antreten und neue Details entdecken. Zudem hilft Sexting natürlich auch, den Gegenüber besser kennen zu lernen. Man verrät beim Schreiben viele Details über sich und seine Vorlieben, man kann sich langsam rantasten und Grenzen austesten.

Bereits mit meiner Jugendliebe habe ich solche Texte getauscht, damals noch ganz analog mit dem Stift, schwarz auf weiß, mit Briefmarke, per Post zugestellt. Jedes Mal aufgeregtes Warten, bis endlich der nächste Brief ankam…. Erst kürzlich hat mir ein Mann einen längeren erotischen Text geschrieben, eine Geschichte, eine Fantasie, in der ich mich verlieren konnte. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich diese Zeilen inhaliert habe.

Ich persönlich bin gar nicht so ein großer Sex-Texter, ich lasse lieber Bilder sprechen. Die Reaktionen sind Gold wert. So füllt man ganz nebenbei das Perlenkörbchen der Anerkennung bis zum Überlaufen. Trotzdem finde ich es ab und an interessant, meine eigene kleine Sex-Welt zu schaffen, dabei in Rollen zu schlüpfen und meiner Lust und meinen Fantasien freien Lauf zu lassen. Man spürt in sich hinein und hat die Gelegenheit, auch sich selbst noch ein Stückchen besser kennen zu lernen.

Im Endeffekt hat jeder etwas von dem schlüpfrigen Zeitvertreib. Sei es rein egoistische Selbstbefriedigung, Aufmerksamkeit oder doch zaghaftes Annähern. Zudem eignet es sich annähernd in jeder Konstellation. Man kann damit eine langjährige Beziehung anheizen, oder sich gedanklich auf das nächste Date einstellen. Man kann eine räumliche Trennung erträglicher machen oder aber auch Dinge mit Menschen teilen, die so in Wirklichkeit niemals stattfinden (können). Auch praktisch: In Zeiten des Smartphones und der mobilen Daten ist es quasi zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich. Das geht vom „Quickie“ in der Mittagspause bis hin zu einer unvergesslichen, langen und leidenschaftlichen Nacht. Das Wichtigste dabei ist natürlich Vertrauen. Nichts wäre schlimmer, als die in mühsamer Verrenkung erstellten, leicht bekleideten und vorteilhaft bearbeiteten Selfies am nächsten Tag auf irgendeiner Social-Media-Plattform wiederzufinden. Zudem ist es ratsam, die Bilder auf dem Handy in einem separaten Ordner zu speichern, sowohl die eigenen, als auch die, die man bekommt. Man kann ja nie wissen.

Wenn man also ein, zwei kleine Regeln beherzigt, kann dieses Sexting, neben richtigem Sex zur schönsten Nebensache der Welt werden. Zu guter Letzt tut es etwas für die Durchblutung. Und so eine kleine (oder auch größere) erotische Botschaft kann einem schon mal eine angenehme Röte auf die Wangen und ein Leuchten in die Augen zaubern.

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