Musik – eine Leidenschaft

Seit ich denken kann, spielt Musik in meinem Leben eine große Rolle. Eigentlich hatte ich gar keine Chance, mich dem zu entziehen. Und dafür bin ich zwei Menschen sehr dankbar: meinen Eltern.
Die haben sich nämlich damals im Blasorchester kennen und lieben gelernt. Und ich durfte schon als kleiner Hüpfer zu den Proben zwischen den Stühlen rumrennen und mit den Füßen im Takt wippen.
Als ich fünf war, versprach ich einer Trompeterin, wenn es soweit wäre, würde ich auch Trompete lernen. Gesagt, getan. Mit sieben Jahren startete ich also meine Trompeter-Karriere.

Das war am Anfang natürlich alles total aufregend. Ich durfte bei Schulveranstaltungen spielen und alle fanden das immer total toll und niedlich. Schon bald besuchte ich mit meinen Eltern gemeinsam die Orchesterproben. Aber so ein Instrument braucht auch Übung und einige Jahre (vor allem in der Pubertät, wo es 1000 wichtigere Dinge gibt als Üben) habe ich mich damit ganz schön gequält. Heute bin ich wirklich froh, dass meine Eltern da so hinterher waren und ich daher nie aufgegeben habe, um genau zu sein war Aufgeben nicht mal eine Option. Auch eine Sache, die ich dadurch gelernt habe: es lohnt sich manchmal wirklich dran zu bleiben.
Nach einem Orchesterwechsel, der neben einem besseren musikalischen Niveau auch neue Leute brachte, die zu Freunden wurden, verankerte ich das Thema Blasorchester tief in meinem Inneren. Die Leidenschaft war entfacht.

Ich behaupte sogar, dass diese Passion mir meinen nicht ganz einfachen Auslandsaufenhalt in Lettland gerettet hat. Nachdem ich mich dort aufgrund von Langeweile sehr unwohl fühlte, ergriff ich die Initiative, besuchte sämtliche Proben des städtischen Blasorchesters und der Big Band und organisierte schlussendlich einen Austausch mit meinem Orchester aus der Heimat. Dies schuf mir zum einen ein Highlight in meiner Lettland-Zeit, eine Geschichte, die ich immer wieder voller Stolz erzähle. Zum anderen sind auch hier Freundschaften entstanden. Und auch, wenn die Kontakte nur noch lose sind, ich weiß, wen auch immer ich wiedertreffen würde, er würde mich herzlich in Empfang nehmen.

In Berlin hatte ich zunächst wenig Ambitionen, mir ein Orchester zu suchen. Ich fuhr daher anfangs eher unregelmäßig nach Hause und spielte dann und wann ein paar Konzerte mit. Erst nach der zweiten Trennung spürte ich, dass mir etwas fehlte und ich ergriff endlich die Intitiative. Ich würde sagen, eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Ich fand ein Orchester, in dem einerseits das musikalische Niveau eine Herausforderung war, die ich brauchte, andererseits fand ich tolle Leute, die auch mal ordenlich feiern konnten und die sich für mich und mein Leben interessierten.

Trotzdem habe ich lange gebraucht um richtig warm zu werden. Jetzt, nach mittlweile zwei Jahren, habe ich das Gefühl endlich wirklich da zu sein. Ich weiß auch sehr genau woran das lag. Nachdem ich der Beziehung doch noch eine Chance gab und damit in einen anderen (weit entfernten) Stadtteil zog, entfernte ich mich nach und nach vom Geschehen. Die Beziehung mit allem drum und dran kostete mich so viel Kraft, dass ich die Proben und Auftritte als Anstrengung empfand und zunehmend weniger Spaß hatte. Aufgrund des langen Heimwegs ging ich nicht mehr mit den anderen nach der Probe auf ein Bierchen in die Kneipe. Jedes Konzert, was mich fast einen ganzen Tag unterwegs sein ließ, war mir beinahe zu viel, da ich das Gefühl hatte, es raubte mir Zeit, die ich in meine Beziehung hätte investieren sollen.
Jetzt, da ich meine Freiheit wieder habe, hat sich das zum Glück wieder geändert und ich schöpfe Kraft aus jedem einzelnen Ton. Das lasse ich mir nicht mehr nehmen. Hinzu kommt, dass ich auch von meinen Musikerkollegen viel Rückhalt bekommen habe, als ich mich endlich traute, zu sagen, dass meine Ehe in die Brüche gegangen war.

Musik möchte ich in meinem Leben nie mehr missen. Und vor allem, werde ich sie nicht wieder wegen einer Beziehung hinten an stellen. Und sie wird künftig immer mein eigenes Ding bleiben. Beim Orchester zu sein, heißt weg zu sein, auszusteigen, Kraft zu tanken, abzuschalten – gelebte Leidenschaft.

 

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