Leere, oder doch zu viel?!

Wer kennt das? Man wacht morgens auf und stellt fest, dass irgendetwas nicht ins Leben passt. Man wird unruhig und fängt an, sich 1000 Fragen zu stellen. Was ist es, was könnte es sein? Brauche ich es? Ist es wirklich zu viel? Und was passiert eigentlich, wenn es weg ist? Ich bin vor ein paar Tagen mit diesem Gefühl aufgewacht und es machte mir richtige Bauchschmerzen.

Ich habe diese wundervollen Beziehungen, die alle mal mehr, mal weniger gut laufen und alle mal mehr und mal weniger eng sind. Ich mag mein Leben im Großen und Ganzen gern. Ich bin auch gern allein. Ich brauche keine Gesellschaft um zufrieden zu sein. Trotzdem spüre ich eine innere Unruhe.
Manchmal sitze ich abends in meiner Küche am Fenster, rauche, trinke ein Glas Wein und werde traurig. Traurig über mein Leben, wie es gelaufen ist bisher. Das klingt jetzt sehr dramatisch. Natürlich denke ich dabei in erster Linie an die letzten Monate, in denen alles, woran ich geglaubt habe auf den Kopf gestellt wurde. Die Zukunft, wie ich sie mir erträumt hatte, wurde einfach so weggewischt. Ich wollte Kinder, wollte ein geregeltes Leben. Das alles existiert nicht mehr. Dann denke ich an den schönsten Tag zurück und werde noch trauriger, weil das alles jetzt nichts mehr zu bedeuten hat, weil es niemanden mehr gibt, mit dem ich das teilen kann. Und niemand vermag diese Leere, die zurückgeblieben ist zu füllen. Manchmal wache ich morgens auf und suche jemanden auf der linken Bettseite, aber sie ist leer.
Ja, ich denke oft an ihn. Frage mich, was er gerade macht, ob es ihm gut geht. Nein, ich möchte ihn um keinen Preis der Welt zurück haben. Dennoch ist es ein komisches Gefühl, dass er weg ist und damit meine ich komplett weg, ohne Freundschaft, ohne Kontakt.

Wochenlang habe ich dieses wilde, unverbindliche Leben geführt. Ich mochte es. Doch jetzt habe ich plötzlich das Gefühl, dass ich wieder Halt brauche. Ist es reine Gewohnheit? Ist es Sehnsucht?
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich diesen Halt, den ich mir so sehr wünsche, selbst keinem geben kann. Ich kann keine starke Schulter bieten. Ich bin selbst viel zu instabil, weiß selbst nicht das Rezept für eine gute Beziehung. Ich dachte einmal, dass ich es weiß, aber jetzt weiß ich gar nichts mehr. Führt man denn selbstverständlich eine gute Beziehung, sobald es der „Richtige“ ist? Denke ich aufgrund meiner Erfahrungen einfach zu viel über alles nach? Ich glaube, ich weiß schon eine ganze Menge über Beziehungen. Aber ich versuche immer wieder alles zu analysieren, zu interpretieren. Ich habe immernoch den Hang dazu, mich von Beziehungen abhängig zu machen.

Manchmal ist es absurd. Dann sitze ich da in meiner Küche am Fenster in meiner Wohnung und frage mich, wie es soweit kommen konnte? Wieso ist das alles passiert? Es ist dann wie ein Traum, ein komischer, aus dem ich irgendwann aufwachen werde und alles ist wieder so wie vorher, die tolle, heile, behütete Welt ist wieder da.
Aber das wird nicht passieren. Das hier ist Realität.

Jetzt gerade fällt es mir schwer, meinen Weg so zu gestalten, dass ich nicht das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Ich suche nach einem Ziel, doch ich habe keins. Brauche ich eins? Ich habe gesagt, es gibt kein Ankommen. Der Weg ist das Ziel. Doch nicht immer schaffe ich es, diesen Gedanken auch zu verinnerlichen. Und dann fällt es mir schwer, den Weg weiter zu gehen, morgens aufzustehen und dem Tag etwas Positives abzugewinnen. Doch auch das ist nur eine Phase. Genauso, wie ich es hinnehmen muss, dass meine Beziehungen unterschiedliche Intensität haben, muss ich wohl auch solche Phasen hinnehmen. Ich habe gelernt, dass es der erste Schritt zu einer Veränderung sein kann, indem man erkennt, was grad los ist. Manchmal muss man etwas dazu tun, manchmal verändern sich Dinge von selbst. Manchmal muss man mutig sein und ins kalte Wasser springen, sich überwinden. Manchmal hilft es aber auch, auf sich selbst zu hören und zu tun, was einem das Gefühl gerade sagt.

Ein Patentrezept für das Glück? Gibt es nicht! Alles was ich weiß ist, dass es von Vorteil ist, mit sich selbst im Reinen zu sein, bevor man sich auf etwas einlässt.
Die Kunst ist, die Leere die man spürt kurz auszuhalten, um herauszufinden woher sie kommt, bevor man sie schließlich überwinden kann.

2 Gedanken zu “Leere, oder doch zu viel?!

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