Total geflasht…

Immer, wenn ich denke, ich stagniere, jetzt geht es grad nicht voran, meine Libido schläft, keinen Bock auf nichts… dann passiert irgendwas total Verrücktes. Ich kann mich darauf echt verlassen.
In den letzten Wochen brauchte ich sehr viel Zeit für mich, die ich gut genutzt habe, wie aufmerksame Leser wissen. Als ich nach meinem Urlaub wieder in Berlin ankam, hielt das noch weiter an. Ich machte mir schon allmählich Sorgen. Meine Kinky-Freunde wollte ich nicht unbedingt sehen und auch so, machte ich lieber was für mich, konzentrierte mich auf meine Arbeit und meinen Sport. Insgeheim wusste ich ja auch, dass sich solche Phasen wieder ändern, wenn es so sein soll.
Das Orchester war in der Zeit noch der einzige Ausgleich mit sozialer Interaktion. Seit wir wider proben und auch Auftritte haben, merke ich noch einmal, wie sehr mir das im Lockdown gefehlt hat. Ich ziehe echt viel Energie daraus und sehe, wie ich mehr und mehr unverzichtbarer Teil des Ensembles werde. Zumindest schaffe ich es, mich mittlerweile viel mehr zu integrieren, Gespräche zu führen und so weiter… Irgendwie hat das lange gedauert. Aber ich glaube, das liegt daran, dass ich mir mittlerweile meiner Selbst viel bewusster bin. Ich weiß, wer ich bin und diese Tatsache macht es womöglich auch anderen leichter, auf mich zuzugehen.

Jedenfalls merke ich, dass ich mich irgendwie wohl und sicher fühle. Das war nicht immer so.
Und ganz offensichtlich merkt man mir das auch an, wenn ich in meiner Comfortzone bin und einfach bin, wie ich eben bin.
Und so kam es, dass ich mal wieder unverhofft zu einer Menge Sex kam, ohne es geplant oder forciert zu haben. Gut, die erste Sache, die passierte, war tatsächlich eher einer sehr betrunkenen Elli nach einer Konzert-Aftershow geschuldet. Aber auch in dem Fall hat so eine gewisse Faszination von meiner Person bei meinem Gegenüber das Feuer entfacht. Dennoch möchte ich das eher unter „Dummheiten“ abhaken.

Denn viel interessanter ist eine andere Person, die spontan und völlig unerwartet in mein Leben kam. Es war auch eben dieses Konzert, als wir das erste Mal ins Gespräch kamen. Und fragt mich nicht, was da passiert ist, welche Sicherungen da jeweils durchgebrannt sind, aber da sprühten gleich eine ganze Menge Funken. Ich konnte mir das erst nicht erklären, weil ich als hauptberufliche Skeptikerin in dieser Hinsicht meine romantische Seite nicht direkt auspacke. Mittlerweile weiß ich, wieso direkt diese Anziehung da war. Und mittlerweile ist meine romantische Seite hellwach und ich sitze grinsend vor meinem Laptop, während ich diese Zeilen tippe.

Was ist also passiert innerhalb der letzten fünf Tage? Ich gestehe, dass ich am Montag zunächst meinen Kater auskurieren musste. Also passierte da nicht wirklich viel, außer dass ich mit meiner Sonntagnacht-Eroberung die ganze Sache nochmal auswertete. Am Dienstag hatte ich plötzlich einen neuen Follower auf Instagram. Das passiert zwar nicht so häufig, ist aber an sich jetzt auch noch kein Highlight. Als ich nachsah, entdeckte ich ihn und zugleich einen Link auf seinem Profil, der mich wiederum zu seinem Blog führte. Ab da hatte er meine volle Aufmerksamkeit. Ich überflog kurz die Themen, las mich in ein paar Beiträge rein und war schon ziemlich begeistert. Zum einen gefiel mir seine lockere Schreibweise, aber auch den Content zum Thema „Job kündigen und wegfahren“, fand ich extrem spannend. Das teilte ich ihm dann spontan auch in einer Nachricht mit. Als ich am Abend nach dem Sport nichtsahnend die Antwort öffnete, war ich etwas sprachlos. Und wie ihr wisst, passiert das nicht so häufig. Auch er hatte in meinem Blog gestöbert, was mir meine Statistik schon verraten hatte, zudem schien ihn mein Kinky-Content nicht abzuschrecken und auch so, schien er ziemlich angetan von unserer ersten, wenn auch kurzen Unterhaltung am Sonntag. Diese Nachricht machte etwas mit mir. Das war nicht 0-8-15, das war voll durchdacht und echt lieb und zudem zeugte es von einer Menge Feingefühl. Nun war eindeutig klar, dass da Interesse vorhanden war. Und im Gegensatz zu sonst, wollte ich tatsächlich unbedingt ziemlich schnell ein Date und war sogar bereit, dafür Termine zu verschieben.
Also verabredeten wir uns erstmal locker für Donnerstag. Am Mittwoch zur Probe würden wir uns ja ohnehin sehen. Und ich sage euch, auch wenn zur Probe nicht immer so viel Zeit zum Quatschen ist, ich freute mich noch ungefähr 1000 Mal mehr auf diesen Mittwochabend. Irgendwas in mir war erwacht. Ich war so neugierig und fand ihn so schon richtig gut. Irgendwie war es zusätzlich spannend, dass wir durch unsere Blogs schon eine Menge voneinander wussten. Meine Offenheit begeisterte ihn.
Nach der Probe gingen wir noch mit den anderen zum Stammtisch, wo wir endlich Zeit zum Reden hatten. Die Gespräche waren vielfältig und absolut nicht langweilig. Für unser Date am Donnerstag lud er mich zu sich nach Hause ein. Er hätte einen Whirlpool in seiner WG. What? Ok, warum nicht, das könnte lustig werden. Wobei ich mir zu dem Zeitpunkt echt noch nicht sicher war, ob diese Einladung in eine sexuelle Richtung gehen sollte. Ja, ich bin naiv.
Ich hätte noch Stunden weiter quatschen können, aber es wurde langsam spät. Als er gehen wollte, forderte er mich nett aber bestimmt auf, ihn noch zur Bahn zu begleiten. Da es für mich kein Umweg war, willigte ich ein. Naiv wie ich bin, dachte ich mir dabei nichts weiter. An der Haltestelle angekommen blickte er mir plötzlich so fest in die Augen, als würde er mich festhalten wollen, es gab gar keine andere Möglichkeit, als ihn zu küssen. Und Leute, ich sags euch: der Kuss war echt gut. Seine Lippen waren weich und etwas kalt von der Herbstluft. Seine Zunge suchte vorsichtig nach meiner. Seine Hand lag auf meinem Oberarm und er zog mich sanft aber mit einem gewissen Druck zu sich heran. Wow! Glückselig radelte ich nach Hause. Nun war ich zu 100% sicher, dass ich die Whirlpool-Einladung annehmen würde.

Der Donnerstag war gefühlt zäh wie Kaugummi. Zudem bekam ich auf der Arbeit noch unerfreuliche Botschaften, die mir diesen Tag fast unerträglich machten. Umso mehr freute ich mich auf den Abend. Die WG war echt groß und im Bad ließ er bereits den Whirlpool volllaufen. Wahnsinn.
Ich wollte hier gerade schreiben, dass ich etwas nervös war. Aber das stimmt nicht. Irgendwie fühlte sich alles ganz natürlich an. Ich fing langsam an, mich auszuziehen, als ich nur noch in Unterwäsche da stand, rügte er mich, wir hätten uns ja gegenseitig ausziehen können. Ich musste lachen, weil das nicht das erste Mal war, dass mir jemand meine voreilige Art in diesem Punkt übel nahm. Nun ja, nackt ist nackt.

Als wir uns gegenüber im warmen Wasser saßen, fragte er mich, was das denn zwischen uns sei. Auch ihm war die extrem intensive Energie, die da floss, nicht entgangen. Als würden wir gleich übereinander herfallen. Tja, was sollte ich machen, ich machte das ja nicht mit Absicht. Sowieso mache ich sowas nie wirklich bewusst… wie wir wissen, bin ich ja naiv. Und daher werde ich immer wieder aufs Neue überrascht, was irgendwie seinen Reiz hat und meist auch zu den allerschönsten Erlebnissen führt.
Und so war es auch an diesem Abend. Wir tranken Wein und waren bald so ineinander versunken, alles war so intensiv, so warm, so sexy und zugleich schon irgendwie vertraut. Ich war sehr von mir selbst überrascht, weil ich mich wirklich schnell fallen ließ und ihm mein Vertrauen schenkte. Ich bekam seines dafür zurück. Und so vergingen drei wunderschöne, intensive Stunden wie im Flug. Diese waren zum einen sehr körperlich und sexy, zum anderen erfuhr ich noch mehr spannende Dinge aus seinem Leben. Da passte ziemlich viel auf ziemlich vielen Ebenen, bis hin zu unserer Einstellung zu Beziehungen. Manchmal finde ich sowas ja irgendwie gruselig, aber eben auch voll schön. Und ich bin gerade sehr dankbar, dass er kein Problem hat, solche Dinge auch auszusprechen.

Später fuhr ich nicht nach Hause, nein ich flog. Was war da nur passiert? Unglaublich. Ich hatte nicht eine Sekunde lang an meinen blöden Arbeitstag gedacht. Und heute – am Freitag – sitze ich an meinem Laptop, arbeite, mache Buchhaltung und schreibe Rechnungen und grinse dabei wie ein Honigkuchenpferd, weil er mir nebenbei ab und zu schreibt und mir immer wieder Kleinigkeiten auffallen, die mir einfach richtig gut gefallen. Ich kann nicht anders, ich freue mich echt sehr darüber. Ja, ein kleiner Teil in mir ist nach wie vor skeptisch, so ist es ja immer. Auf Euphorie folgt tiefer Fall und so weiter. Und je glücklicher ich jetzt bin bzw. er mich womöglich macht, umso unglücklicher, werde ich am Ende sein. Schon klar. Und eine gesunde Skepsis ist auch einfach nur Selbstschutz. Ich versuche dennoch diese Stimme nicht zu laut werden zu lassen und andererseits nicht so krass in diesen Endorphinrausch zu fallen, so gern, wie ich das auch tue. Ich habe nicht vor, meine Laufschuhe anzuziehen, aber auf mein Herz muss ich trotzdem immer aufpassen. Ich bin gerade recht zuversichtlich, dass ich das hinbekomme.

Wie dem auch sei, in die Zukunft schauen können wir nicht, ist auch gut so. Hauptsächlich höre ich jetzt mal auf meinen Bauch, dem geht es sehr gut, also machen wir weiter und genießen.