Weihnachten…

Wieder ist ein Jahr so gut wie vorüber. Wieder ist sie da, die „besinnliche“ Zeit. Es ist tatsächlich, was ich Menschen in diesem Jahr wünsche. Eine besinnliche Zeit oder erholsame Feiertage. Nicht, weil ich auf einmal nicht mehr an Weihnachten „glaube“, sondern einfach, weil mir nicht danach ist. Heute Morgen dachte ich nur „krass“, das erste Mal in 32 Jahren feiere ich kein Weihnachten. Weder mit der Familie, noch mit Freunden, noch allein. Einfach gar nicht. Und auch, wenn es so irgendwie wenig weihnachtlich ist. Hat es doch was vom ursprünglichen Weihnachtsgedanken. Ich bin deswegen nicht wenig erfüllt mit Liebe. Vielleicht sogar etwas mehr, mehr Selbstliebe. Ich bin keine Egoistin, weil ich mich dieses Jahr einfach nicht nach anderen richten will, sondern allein das mache, wonach mir gerade der Sinn steht. Und das ist neben Ruhe, Eisessen und Serienschauen wirklich nicht viel.

Das Nicht-feiern hat natürlich seine Gründe. Einer ist, dass ich eben erst umgezogen bin, um genau zu sein vor drei Wochen, mitten in der Adventszeit, weshalb ich mir das weihnachtliche Schmücken dieses Jahr gespart habe. Durch den ganzen Umzugsstress bin ich dann auch generell nicht so in Weihnachtsstimmung gekommen und hatte schon recht früh beschlossen, es einfach mal zu lassen. Denn irgendwie hätte es nur weiteren Stress bedeutet, worauf ich allgemein wirklich keine Lust habe und auch keine Energie mehr. Ich denke mir dann oft, dass ich ja schon 31 mehr oder weniger schöne Weihnachtsfeste hatte. Und ich denke mal, ich werde noch so 50–60 Mal die Gelegenheit auf ein schönes Fest haben.

Nächster Punkt ist der Fakt, dass fast alle Menschen, mit denen ich mir ein besinnliches Fest (egal ob weihnachtlich oder nicht) vorstellen könnte, gar nicht in Berlin sind. Letztes Jahr hatte ich ja mehr oder weniger ungeplant so ein total krasses „Sex, Drugs, Rock ’n’ Roll Weihnachten“. Es war geil. Das geilste Weihnachtsfest ever. Aber ich denke, mit den Erwartungen heran zu gehen, wieder so eine hotte Sause zu feiern, kann eigentlich nur nach hinten losgehen. Hinzu kommt der Fakt, dass ich jetzt gerade 110 Tage trocken bin und das so sowieso nicht funktioniert.

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt: meine Nüchternheit. Ich bin, wie man so schön sagt „babysober“, also frisch trocken. Weihnachten war für mich immer Anlass, Ausrede oder Entschuldigung für maßloses Trinken, und zwar rund um die Uhr. Und ich denke, es gibt viele, die Weihnachten ohne das oder andere Gläschen nicht ertragen würden. Was nicht heißen soll, dass jeder sich aus Frust über die Feiertage kategorisch abschießt. Aber ich habe es von vielen gehört, dass Alkohol eben auch oft dazu beiträgt, dass es erträglicher und entspannter ist. Kann ich selbst weder bestätigen noch leugnen. Bei mir „zu Hause“ gab es immer Alkohol, es gab aber auch wirklich selten Streit an Weihnachten. Vermeidungstaktik, vermutlich. Fakt ist, ich merke, dass ich mich nicht unnötig irgendwelchen Triggern aussetzen muss. Ich habe selten Alk-Cravings, dennoch gibt es Ausnahmesituationen und die kann ich, wenn möglich, ja einfach umgehen. Jedenfalls ist es für mich gerade nur sehr schwer vorstellbar, in einer Runde trinkender Menschen den Heiligen Abend zu verbringen.

Zu meiner leiblichen Familie zu fahren, ist aus Gründen auch keine Option. Also feiere ich einfach gar nicht. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass ich mich um nichts kümmern kann und eigentlich auch nicht enttäuscht werden kann. Das ist wieder die Sache mit den Erwartungen.
Mein Plan, diese Tage komplett zu ignorieren, wird natürlich nicht aufgehen. Das ist mir klar. Ich denke, dass in mir nach all der Anspannung, dem Stress, den Ereignisse, den vielen Aufs und Abs des Jahres ein emotionaler Cocktail brodelt. Ich bin in den letzten 24 Stunden schon dreimal unvermittelt in Tränen ausgebrochen. Aber das kann man ja auch einfach mal machen. Zudem ist meine Psyche eben sehr sensibel, was eine latente Übelkeit in mir auslöst, die ich seit heute Morgen permanent spüre. Aber das ist okay. Ich glaube, ich wäre nicht ich, wenn ich total kühl hier sitzen und mich all das so überhaupt nicht jucken würde. Ja ich bin traurig. Aber das hat mit Weihnachten an sich nicht so viel zu tun.

Ich glaube, dass es einem die Gesellschaft auch einfach schwer macht. Egal aus welchen Gründen man nicht feiert, es sei einem gegönnt, wenn man damit okay ist. Und ja, auch wenn man damit nicht okay ist.
Ich finde es schlimm, dass man teilweise mitleidig angeschaut wird, wenn man sagt, dass man Weihnachten nicht feiert. Weil die Frage ja auch natürlicherweise lautet: WIE feierst du Weihnachten. Eigentlich sollte man doch in unserer aufgeklärten Gesellschaft fragen: Feierst du Weihnachten?
Und eigentlich wollte ich das wirklich unkommentiert lassen, aber ich komme da gerade nicht drumherum. Ich habe dieses Weihnachten nur einen Wunsch: mehr Verständnis für Andersartigkeiten. Und damit verbunden auch einen Wandel in unserer Kommunikation. Es sind manchmal Kleinigkeiten. Und für manche Menschen ist das vielleicht nicht so wichtig. Aber so sehr ich versucht habe, kühl zu bleiben, es nicht an mich heranzulassen, hat mich genau dieses Mitleid in den Augen anderer Menschen irgendwie getroffen.

Natürlich ist ein Teil von mir traurig und Wut ist da auch. Natürlich bin ich manchmal neidisch auf alle, die im Kreise ihrer Liebsten feiern, scheinbar oder mehr oder minder sorglos. Vor allem, wenn ich genau in dem Moment daran denke. Aber die Gefühle habe ich selbst in der Hand. Ich habe nicht vor, mich übermäßig zu quälen. Genauso wenig möchte ich von anderen das Gefühl vermittelt bekommen, es sei traurig, komisch oder merkwürdig, dass ich nicht Weihnachten feiern möchte.

Ich wünsche euch allen wunderschöne, erholsame Feiertage. Mögen Sie genauso sein, wie ihr sie euch vorstellt.
Und ich möchte auch hier einmal danke sagen für alle treuen Follower, für liebe Kommentare und Wünsche und einfach alle, die hier regelmäßig reinschauen und mitlesen.

4 Gedanken zu “Weihnachten…

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