Kapitel 3 – over and out

Ich spüre Erleichterung und doch liegt die bittere Erkenntnis wie ein Kloß auf meiner Brust. Schwermut macht sich breit dann und wann. Sie vermischt sich mit einem guten Stückchen Wut, was leise in mir vor sich hin brodelt.
MK und ich haben uns getrennt. Als ich ihm sagte, dass ich diese Partnerschaft so nicht mehr will, da fühlte es sich nicht so hart an. Ich war okay damit und irgendwie konnte ich plötzlich wieder entspannen. Ich hatte gemerkt, dass er mir zwar unglaublich viel bedeutet, aber das gewisse Etwas, das, was mich vollkommen mit dieser Partnerschaft committen lässt, irgendwie fehlt.
So richtig und final bewusst wurde mir das während meines Umzuges. Leider hat er mich in der Zeit so gut wie gar nicht unterstützt, was mich mehr verletzt hat, als ich mir zunächst eingestehen wollte.
Nachdem ich das Label gelöst hatte, konnte ich endlich wieder freier atmen… dachte ich. Ein paar Tage lang engte er mich ziemlich ein und versuchte sich mir extrem aufzudrängen. Und ich dachte nur, dass es für diese Art des Teilens jetzt zu spät sei. Es ist nicht so, dass ich ihn loswerden möchte, im Gegenteil. Ich wünsche mir, dass wir einen Weg finden, ohne Drama eine friedliche und vielleicht auch freundliche Koexistenz einzugehen.

Ich versuchte, auch wenn das für ihn dann und wann hart war, meine eigenen Grenzen besser abzustecken. Ich hatte in der letzten Zeit häufiger gemerkt, dass ich mich immer wieder in unangenehme und nachhaltig miese Situationen manövrierte, wenn ich das nicht tat. Das sollte also kein Kreuzzug werden, lediglich Selbstschutz. Ich stieß ihn dabei heftig vor den Kopf. Das blieb leider nicht aus. Nach einer Woche trafen wir uns zum Essen. Ich war müde und erschöpft. Der Umzug, bei dem er mich im Stich gelassen hatte, saß mir noch ordentlich in den Knochen. Und doch war ich irgendwie happy über diese Erschöpfung, weil es sich so gut und so produktiv anfühlte. Und ich wollte mir in dem Moment auch nicht einreden lassen, dass ich auf irgendwelche Emotionen hören sollte. DAS wollte ich nicht hören. Was ich aber hörte, ob ich wollte oder nicht, waren seine ehrlichen Worte. Er sagte, dass er in unserer Beziehung seine Bedürfnisse lange und zu oft zurückgestellt hatte, um mehr Kraft für mich zu haben, um für mich da zu sein. Natürlich hatte ich es immer zu schätzen gewusst, wenn er mir half und mich beruhigte, mir zuhörte und mich supportete. Auf der anderen Seite hörte ich auch Vorwürfe und ich bekam Schuldgefühle. Natürlich war es nicht meine Schuld. Er hatte sich dazu entschieden, das zu tun. Ich hatte ihn niemals darum gebeten. Und doch widerte mich diese Situation mehr und mehr an. Ich wurde wütend. Spätestens, als er sagte, dass es nun mal an der Zeit gewesen wäre, dass er seine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund rückte. Echt jetzt? Ausgerechnet wenn ich einmal in fünf Jahren umziehe, musst du deinen Egotrip fahren?! So schrie die wütende Stimme in mir.

Ich war enttäuscht, weil ich in der Beziehung mal wieder zweisam einsam war. Ich war enttäuscht, weil ich wieder einmal merkte, dass ich Erwartungen und Wünsche an die Beziehung hatte, die er nicht erfüllen konnte. Ich war traurig, weil ich mir eingestehen musste, dass ich nicht imstande war, ihm das zu geben, wovon er glaubte, es von einer Partnerin zu brauchen. Ich resignierte, weil aller guten Dinge eben nun mal drei sind und weil ich am Ende meiner Kräfte war. Und diesmal war ich mir sicher: Ich hatte alles versucht, ich war geduldig genug gewesen. Ich hatte immer drei Versuche… in jeder Beziehung bisher. Und nun war der dritte auch wieder gescheitert.

Ich habe heute das Weihnachtsessen bei ihm mit unseren gemeinsamen Freunden abgesagt, weil ich das gerade nicht schaffe. Ich habe sowieso keine Lust auf Weihnachten oder Besinnlichkeit. Ich habe eigentlich auch keine Lust auf Menschen und ich bin gerade einfach noch zu wütend, zu verletzt, zu erschöpft.
Zudem habe ich heute einmal das seltene Gefühl, dass ich mich nicht mit Alkohol trinkenden Menschen an einen Tisch setzen kann, weil ich heute gern selbst zu Flasche greifen würde. Kurz kam mir der Gedanke, dass ich die Trennung deshalb auch so lange herausgezögert habe. Weil das hart ist, weil es weh tut, egal wie sehr man sich vornimmt, dass es okay ist. Es ist nie ganz okay, weil immer ein Stückchen Herz geht. Und weil ich mich bisher nie getrennt habe, ohne mich hinterher zu betrinken. Aber das ist okay. Nach 20 Minuten ist der Druck wieder weg. Nur nicht reinsteigern und an was anderes denken, vielleicht eine rauchen.

Ein Teil von mir ist aber auch froh. Ja, ich freue mich ehrlich, dass er wieder auf seine eigenen Bedürfnisse hört. Irgendwie hatte es doch etwas Toxisches und insgeheim hatte ich das lange geahnt. Er steht unglaublich darauf, für Menschen, besonders für mich, da zu sein. Und klar, das ist nüchtern betrachtet eine tolle Eigenschaft. Ich hatte aber manchmal das Gefühl, dass das eben nur so lange gut ging, wie ich „Probleme“ hatte und er diesen „Fetisch“ uneingeschränkt ausleben konnte und ich dafür empfänglich war. Das war schon eine „tolle“ Symbiose. Aber man muss nicht Psychologie studiert haben, um zu merken, dass so etwas auf Dauer nicht gut geht. Ich wollte diesmal geduldig sein, nicht wieder gleich alles hinwerfen. Und darauf bin ich auch ein bisschen stolz. Es ändert aber nichts. Ich denke, ich kann so wieder freier sein und er kann sich endlich wieder auf sich und seine Bedürfnisse konzentrieren. Denn eigentlich ist es genau das, was ich toll finde an ihm. Er ist in seinem Element, wenn er das tut. Das ist genau der Grund, wieso er im Frühjahr wieder so unglaublich sexy für mich wurde. Jetzt darf ich eben nur nicht vergessen, dass ich offensichtlich dazu beitrage, dass er diese Art der Selbstfürsorge leider schleifen lässt, sobald er für mich, statt für sich da sein kann.
Und so bin ich irgendwie traurig und froh zugleich. Und während ich das hier tippe, kommen ein paar Tränen. Tränen, die mir sagen, dass ich recht habe, und dass die Entscheidung eine gute war. Tränen, die ein bisschen traurig sind und Tränen, die sich freuen, weil wir beide frei sind. Frei für ein eigenes Leben und vielleicht auch frei für die nächste Partnerschaft, die uns hoffentlich jeweils mit mehr Glück erfüllen kann.

Und bis dahin und darüber hinaus sei gesagt, dass wir beide nach dem dritten Scheitern jetzt wohl die Chance auf eine sehr gute Freundschaft haben könnten.

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