Biketour Portugal: Sines – Odeceixe – Sagres

Tag drei und vier fasse ich in einem Beitrag zusammen. Zum einen, weil die nicht so aufregend waren, zum anderen, war ich nach Tag drei mental und körperlich so fertig, dass ich einfach nur noch ins Bett wollte. Die Tour von Sines nach Odeceixe startete ich entspannt und ausgeruht. Nachdem ich zunächst auf einer viel befahrenen Landstraße unterwegs war, kam ich bald an die Küste und der Ausblick, der sich mir bot, war unbeschreiblich. Ich machte schnell einige Kilometer und konnte an einer wunderschönen Steilküste meine Mittagspause einlegen. So sollten die letzten 30 km kein Problem darstellen. Was ich nicht wusste, zwei wirklich steile Berge sollten mich einiges an Zeit kosten. Zunächst ging es steil bergab. Jeder Radfahrer weiß, wenn es runtergeht, muss man auch wieder rauf. An sich sind Berge kein Problem, ich bin fit und trotz Gepäck schaffe ich Steigungen mit beeindruckender Leichtigkeit. Doch diese Berge waren anders. Zudem erschwerten mir gelochte Betonplatten, die den Autos mehr Grip geben sollten, den Anstieg deutlich. Also musste ich schieben, weil ich keine Möglichkeit hatte, von der Abfahrt Schwung zu nehmen. Habt ihr schon mal ein Fahrrad bis knappen 20 kg Gepäck einen steilen Abhang hochgeschoben? Ja? Dann wisst ihr, wie ich gekeucht habe! Ich dachte, meine Waden würden explodieren. Aber natürlich meisterte ich auch diese beiden Hürden. Die Motivation ist immer: Ich muss ankommen, es gibt keine Alternative. Dafür rollte ich die letzten zwei Kilometer bis Odeceixe entspannt in den Ort hinein. Zugleich wurde mir klar: Das musst du morgen früh wieder hoch. Und so war ich an dem Tag körperlich und mental wirklich etwas down. Es gab in dem Ort auch nicht wirklich viel zu sehen und auch kulinarisch blieb ich spartanisch. Aus dem Plan, noch ans Meer zu fahren wurde dann auch nichts, weil auch dorthin der Weg über Berge führte und ich wollte meine Muskeln schonen. Das Bett im urigen Hostel war gemütlich, also ging ich früh schlafen, schlief aber sehr unruhig. An diesem Tag kam zum ersten Mal der Gedanke auf: Wieso tue ich mir das eigentlich an? Ich könnte ja auch Strandurlaub machen und jeden Tag einfach nur rumliegen und Essen und nichts tun. Aber so bin ich nunmal nicht. Ich liebe Herausforderungen und tatsächlich bin ich jeden Tag unfassbar dankbar für meinen starken Körper, der so viel für mich leistet. Es ist mit den Touren eben wie im Leben. Manchmal muss man Dinge einfach durchziehen. Manchmal wählt man den harten Weg und manchmal gibt es eine Abkürzung.

Abkürzung ist dann auch das Stichwort für Tag vier. Ich hatte tatsächlich Angst, weil ich mit meinen Kräften am Limit war, ich hatte Schmerzen und die Motivation fiel mir zunehmend schwer. Ich hatte nachgeschaut, die vierte Etappe wies einige sehr starke Steigungen auf. Und obwohl es nur 60 km sein sollten, hatte ich großen Respekt davor. Vermutlich schlief ich deswegen auch so unruhig. Fürs Frühstück hatte ich mir nur etwas Obst besorgen können. Ich versuchte, mich dennoch zu motivieren. Auf Sagres freute ich mich, nicht zuletzt, weil ich dort einen Tag Pause machen würde. Die Etappe startete wie erwartet mit einem steilen Aufstieg. Danach ging es aber zunächst auf der Landstraße immer geradeaus. Ich verpasste einen Abzweig, was ein bisschen mein Glück war. So blieb ich länger auf der Landstraße und umging den nächsten Berg. Meine App (komoot) mag ich an sich sehr gern. Sie schickt einen nicht wie Google auch mal über die Autobahn, sondern sucht immer Strecken abseits befahrener Straßen. Was allerdings auch zur Folge hat, dass man öfter auf schlecht befestigten Wegen unterwegs ist. Holprige Strecken sind für mich mental die anstrengendsten. Wenn sie dann auch noch über Berge führen – furchtbar. Als ich mich dann doch entschied, die Landstraße zu verlassen, bereute ich es bald. Ich stand oben auf einem Berg und mit guter 10%iger Steigung ging es steil in den Wald hinab. Der Untergrund: Schotter. Und so schob ich dann das erste Mal mein Bike den Berg hinunter. Alles andere wäre lebensmüde gewesen. Allerdings beschloss ich dann auch meinen Stolz über Board zu werfen und diesmal wirklich eine Abkürzung zu nehmen und mich ausschließlich auf befestigten Straßen zu bewegen. Landstraßen sind zwar auch gefährlich, aber man kommt wesentlich besser voran. Und so fuhr ich eine super schöne lange Strecke durch die Berge, mit moderaten Anstiegen. Eine der Abfahrten dauerte sicher 20 Minuten, das Gefühl der Freiheit war überwältigend. Ich bin gedanklich lange davon weg, dass ich alles Mögliche unterwegs gesehen haben muss. Ich bin ehrlich: Ich hatte nicht erwartet, dass die Strecken so herausfordernd sein würden. Und so versuche ich mehr auf meinen Körper zu hören, als unbedingt den nächsten spektakulären Ausblick haben zu müssen. Und das habe ich auch nicht bereut. Kurz nach 13 Uhr erreichte ich mein Etappenziel und war fertig und happy. Ich hatte Knieschmerzen bekommen und war froh, nicht mehr fahren zu müssen. Stattdessen genoss ich jetzt in Sagres die beeindruckende Steilküste und beobachtete, wie die Wellen mit Wucht gegen die Felsen krachten.

Kulinarisch war der Urlaub bisher kein so wirkliches Highlight für mich. Ich entschied mich an diesem Tag für ein alternatives Café. Leider bekam ich viel Gemüse, miesen Service und dafür zu hohe Preise. Vielleicht werde ich es die Tage doch wieder simpel halten. Eigentlich möchte ich auch mal wirklich portugiesisches Flair erleben beim Essen… schauen wir mal, ob das noch klappt.

Mein Hostel, das Sagres Sun Stay, ist eine etwas größere Anlage. Viele Surfer*innen treffen sich hier Meinen Schlafsaal teile ich mit fünf weiteren Personen, was mich aber nicht sonderlich stört. Ich bin ja generell nicht meschenscheu, bleibe dann aber meistens doch eher für mich. Und so entspannte ich am Nachmittag am Pool und buchte mir danach noch eine Massage, die meinen geschundenen Beinen mehr als guttat. Morgen werde ich mir für das Knie wohl mal eine Bandage zulegen. Die Masseurin meinte, es könnte der Meniskus sein. Toll. Aber das sehe ich später.

Gedanklich habe ich mich aufgrund meiner etwas gedrückten Stimmung einigen schweren Themen gewidmet – ohne mich reinzusteigern. Aber ich merke, da ist so ein Kloß in meinem Hals. Als ich ankam, wollten ein paar Tränen kommen. Bisher stecken sie aber noch fest.
Außerdem habe ich ein paar steuerliche Sachen zwecks meines Umzuges klären können. Naja so ist das mit der Selbstständigkeit. So richtig Urlaub hat man nie. Daher werde ich mich die Tage auch mal an meine Mails setzen, da ist nämlich ein bisschen was zusammen gekommen, was ich mal dringend bearbeiten sollte.

Das klingt hier alles jetzt irgendwie deprimierter als es ist. Mir geht es nach wie vor gut. Ich habe keine Langeweile und genieße die Zeit in Portugal sehr. Es gibt so vieles, wofür ich dankbar bin. Dazu gehört auch die Tatsache, dass ich hier dieses Leihfahrrad habe, welches im Großen und Ganzen besser für die Strecke geeignet ist als mein Leo. Aber es gibt noch unzählige weiter Kleinigkeiten, die ich hoffentlich so schnell nicht vergessen werde. Dazu die Tage mehr.

Bilanz:
Tag 3
Strecke: 81,1 km
Dauer: 4:23 h
Kalorien: 2.400
Höhenmeter: 400
Pannen: keine

Tag 4
Strecke: 59,1 km
Dauer: 3:09 h
Kalorien: 1.800
Höhenmeter: 490
Pannen: keine

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