Sommersonnenwende

21. Juni. Mittsommer, Midsommar, Janis, Fête de la Musique…. Sommersonnenwende. Längster Tag des Jahres.

Tatsächlich feiere ich den 21. Juni schon seit Jahren immer wieder auf unterschiedliche Art und Weise. Mein erstes richtiges Mittsommerfest hatte ich damals in Lettland, also 2009. Wir fuhren zu Freunden aufs Land. Es wurde gegessen, getrunken, gesungen, gebadet, übers Feuer gehüpft. Nur geschlafen wurde nicht. Es war auch kaum eine Stunde richtig dunkel in dieser Nacht. Eine tolle Erinnerung, die immer bleiben wird.

In Dresden gab es dann eher weniger Anlass, dieses Datum zu zelebrieren. Dafür findet in Berlin jedes Jahr die Fête de la Musique statt. Ein Fest, welches aus dem Französischen kommt. An diesem Tag ist überall in der Stadt Straßenmusik erlaubt. Es gibt kleinere und größere Konzerte. Auf jeden Fall ist an jeder Ecke Musik, kostenlos, für jeden und die Menschen feiern ausgelassen. Einige Male bin ich auch schon selbst mit meinem Orchester aufgetreten. In den letzten zwei Jahren suchte man pandemiebedingt natürlich halbwegs vergeblich nach den zahlreichen Acts. Aber ich hoffe, sehr, dass sich diese schöne Tradition wieder etabliert.

Dieses Jahr bin ich dann noch auf eine Sache gestoßen, die ein bisschen mehr mit mindfulness zu tun hat. Sommersonnenwende. Das Halbjahr. Mitte des Jahres. Reflektieren was war, schauen, was kommt. Resümieren und neue (Etappen-)Ziele definieren. Und bewusst oder unbewusst bin ich gerade tatsächlich in einer Phase des Umbruchs, einer Phase der Veränderung, vom Dunkeln ins Licht.
Die letzten Monate waren geprägt von Konflikten, tiefer Wut, Verletztheit und unendlicher Trauer. Ich habe Dinge losgelassen, habe neue gefunden, wurde wieder verletzt und lag wieder am Boden. Es gab Momente, in denen ich mich ernsthaft fragte, was das alles noch für einen Sinn macht. Wo das alles nur hinführen soll, wenn nicht noch weiter in den tiefen Abgrund. Ja, diese Gedanken hatte ich. Und dennoch war meine innere Antreiberin immer noch stark genug, weiterzumachen, nicht aufzugeben, immer wieder zu kämpfen und die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht zu verlieren.
MK hat sicher einen Teil dazu beigetragen. Aber hauptsächlich liegt es daran, dass ich gelernt habe, bestimmte Dinge mit Gelassenheit zu akzeptieren. So zum Beispiel auch, dass er mich nach wie vor liebt. Und dann durfte ich feststellen, dass auch ich nie aufgehört habe, in ihm einen besonderen Menschen zu sehen, den ich in meinem Leben einfach nicht missen möchte. Und seit ein paar Wochen fühlt es sich entspannt und unfassbar natürlich an, was wir haben. Ich spüre nicht mehr den Druck von damals. Ich presse mich nicht mehr in eine vorgefertigte Beziehungsschublade. WIR gestalten es selbst und unsere Beziehung erlangt dadurch Leichtigkeit und Stabilität. Ich lerne, dass Beziehung nicht Druck von innen und außen bedeutet, nicht Unterwerfung und Erpressung, sondern viel mehr leben und leben lassen.

Nun ich bin sicherlich nicht so naiv, mir einzureden, dass allein die Beziehung mein Leben so viel besser macht oder mich gar heilt. Liebe ist toll, Liebe macht vieles besser. Aber allein von der Liebe eines anderen kann ich mich nicht ernähren. Aber sie hilft. Und das ist eine wichtige Sache, die ich für mich erkannt habe. Ich muss nicht erst perfekt sein, um die Liebe eines anderen „zu verdienen“. Ich glaube diese allgemeine Gelassenheit, Dinge einfach mal zuzulassen, die ich nicht ändern kann, hat mir viel innere Ruhe gegeben. Gepaart mit der Konsequenz, schweren Herzens auch die Dinge loszulassen, die ich nicht ändern kann, die mich aber sehr belasten. Der Weg dahin war wirklich nicht leicht. Die meiste Zeit war ich wütend, weil ich mich machtlos fühlte. Dazu kamen lange erlernte Schuldgefühle und ein aufgewühltes inneres Kind, welches nicht wusste, wohin mit all seinen Emotionen.

Es ist lange nicht alles gut. Ich bin noch lange nicht fertig. Aber ich fühle mich reifer und ruhiger und reflektierter. Ich weiß, mit meinen Stimmungen und meinem Coping besser umzugehen. Ich weiß mich mit all meinen Stärken und Schwächen zu immer mehr akzeptieren und ich habe einen Partner, der ebenso bereit dazu ist. Mir das hier und heute bewusst zu machen, tut unglaublich gut.

Was also liegt auf meinem Weg für die nächsten sechs Monate?
Ich möchte dieses bisher noch recht fragile Netz der Sicherheit enger weben. Ich möchte weiter konsequent daran arbeiten, mein Leben bewusst und gesund zu leben, mental und körperlich. Und vor allem möchte ich es nicht nur dann schaffen, wenn ich mich stabil und stark genug fühle, sondern auch dann und besonders dann, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, mir bricht der Boden unter den Füßen weg.

Ich bin optimistisch. Perfekt wird es nie. Muss es auch nicht. MK hat mir die Tage etwas Wichtiges gesagt. Ich möchte ihn hier nicht zitieren, weil ich es zu intim finde. Aber ich denke immer wieder an seine Worte und spüre in mir eine unendlich große Dankbarkeit dafür, dass ich lebe, jeden Tag. Und manchmal sitze ich da und möchte ein bisschen weinen. Weinen, weil ich mein Glück nicht fassen kann. Weinen, weil ich in meinen dunkelsten Tagen nicht daran geglaubt habe. Aber jetzt, jetzt bin ich ziemlich glücklich und ich glaube da geht noch mehr und das nicht nur in den nächsten sechs Monaten. Da ist ja noch ein ganzes fu**ing Leben!

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