Elli in Paris

Ich zählte die Tage, bis es endlich hieß: Bye Bye, Berlin und Bonjour Paris! Nachdem die letzten Wochen in jeglicher Hinsicht kräftezehrend waren, hatte ich diese geplante Auszeit echt nötig. Nur wenige Tage vor meiner Abreise, ging es mir so schlecht, ich fühlte mich so erschöpft, dass ich am liebsten gar nichts mehr machen wollte. Mein Körper zeigte mir deutlich: Elli braucht Ruhe und vor allem Abstand vom Alltag, von der Arbeit und vielleicht auch ein bisschen von Berlin. Ich liebe es laut und aufregend, ich liebe Berlin. Aber diese Stadt kann einen auch echt schaffen. Wieso ich dann ausgerechnet nach Paris wollte? Naja, zum einen ist es ja bekanntermaßen die Stadt der Liebe, für mich die Stadt der Selbstliebe. Zum anderen kann ich mich ganz gut in eine andere Stadt „flüchten“. Selbstgewählte Einsamkeit ist das Stichwort. Ich habe alles, was ich brauche: Sonne, Kultur, Neues entdecken, gutes Essen, guter Wein und keine Verpflichtungen. Daher reise ich immer wieder bewusst allein. Ich will keinen Termindruck haben, nicht gefühlte 100 Anfragen von Leuten, die sich mit mir treffen wollen. Nein, ich bin eben einfach weg, nicht verfügbar und ich melde mich, wenn ich Lust habe und sonst nicht. Und so sitze ich in einem Starbucks mitten in der Pariser Innenstadt, während ich diese Zeilen tippe und die letzten Tage Revue passieren lasse.

Ich bin unglaublich viel gelaufen, habe die ganze Stadt in mich aufgesogen. Die Atmosphäre, die Sonne, die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten. Gefühlt habe ich keine Pause gemacht. Klingt nicht nach Erholung? Nun ja, ich denke, dass ich gewissermaßen schon ein bisschen WEGgelaufen bin. Zum einen vor der Arbeit, was auch wirklich nötig war. Zum anderen auch vor meinen Gefühlen. Vielleicht wollte ich an meinem Geburtstag, der auch im Zeitraum der Reise war, gar nicht in Berlin sein, keine Freunde treffen, nicht umarmt werden. Wieso? Weil ich Angst hatte, dass dann Gefühle hochkommen, die ich nicht haben möchte. Dass ich plötzlich eine Art Geborgenheit fühle, die ein Teil von mir immer noch woanders sucht. Aber ich glaube, das ist ok. Ich schütze mich vor negativen Gefühlen. Ich MUSS das nicht fühlen, wenn ich nicht will. Ich finde das wichtig, weil ich merke, dass ich nicht mehr kann. Ich möchte mich neutral fühlen. Ich bin kein einsamer Mensch, nur weil ich die Einsamkeit zu schätzen weiß. Allein kann mir niemand was, allein ich bin unverwundbar. Ist so!

Und dennoch fühle ich. Ich lasse Gefühle zu. Aber eben in kleinen Dosen. Auf der anderen Seite bin ich eben auch kein kleines Kind mehr, was an seinem Geburtstag alle Aufmerksamkeit braucht. Feiern lassen kann ich mich auch an jedem anderen Tag. An meinem Geburtstag gab es zwei Menschen, die mich besonders viel haben fühlen lassen und das war schön, dafür bin ich dankbar, weil jeder auf seine eigene Art und Weise einen ganz besonderen Platz in meinem Leben einnimmt.
Also ja, Paris war ein Runterkommen der anderen Art und Weise. Ich hatte drei Tage, die voll gepackt waren mit Sightseeing, Essen, Trinken, Laufen, Treibenlassen. Und an Tag vier, an meinem Geburtstag war es okay. Ich hatte an dem Tag auch schlechte Laune, weil ich innerlichen Druck des „du musst heute besonders glücklich sein“ verspürte. Aber das ist quatsch. Wieso muss ich an diesem einen Datum alles besonders machen/fühlen… Der Tag war okay und als ich mich damit angefunden hatte, war das auch super so. Mein Highlight: ich habe mir ein neues Tattoo stechen lassen. So wie ich es in Kopenhagen angefangen habe, ziehe ich es jetzt also durch, mir auf jeder Reise ein neues zuzulegen. Und so ziehrt jetzt ein kleiner stilisierter Eiffelturm meinen rechten Knöchel.

Und sonst? Ich war natürlich auf dem Eiffelturm – auch ein sehr besonderes Erlebnis und ich war natürlich auch im Louvre. Nicht weil, ich unbedingt gemeinsam mit vielen anderen verrückten Touristen die Mona Lisa anschauen wollte, sondern weil mich die gesamte Architektur des Museums fasziniert. Und klar, habe ich die Mona Lisa gesehen und um ehrlich zu sein: Ich war enttäuscht. Ich denke mal, dass „Der Da Vinchi Code“da eine Menge Hype ausgelöst hat. Jedenfalls ist die Mona Lisa schon echt klein und unscheinbar. Verrückt und auffällig wird sie durch all die Touristen, die drumherum stehen und Selfies mit ihr machen wollen. Generell fand ich das in Paris besonders „schlimm“. So vielen Touristen, die immer nur Selfies machen, man hat das Gefühl, sind die eigentlichen Sehenswürdigkeiten dabei komplett uninteressant. Hauptsache, das beste Bild für Insta. Klar, ich poste auch viel von meinen Reisen und mache gern schöne Fotos. Aber ich suche dabei eher nach Momentaufnahmen. Was habe ich davon, jedes Gemälde im Louvre abfotografiert zu haben? Bevor ich ein Foto mache, stelle ich mir die Frage: Schaue ich mir das je wieder an? Ist das für irgendwen spannend? Wenn die Antwort nein ist, dann versuche ich lieber jeden Eindruck der Sache vor meinem inneren Auge abzuspeichern. Das ist mir viel mehr wert.

Gewohnt habe ich übrigens in einer kleinen „Tauschwohnung“ in einem relativ zentralen, aber alternativen Stadtviertel. Das war echt super, da ich von dort aus wirklich alles bequem zu Fuß erreichen konnte.
Abschließend bleibt zu sagen, dass Paris vielleicht nicht die allerschönste, aber sicher eine der schönsten Reisen war. Ich kämpfe zurzeit viel mit dem Thema, wie Dinge zu sein haben sollen, also was uns Konventionen vorgeben und wie ich meine Welt und meine Regeln haben möchte. Und manchmal gerate ich da in einen Zwiespalt. Diese Gedanken haben mich in Paris in vielerlei Hinsicht beschäftigt und am Ziel bin ich damit noch lange nicht. Muss ich vielleicht auch nicht. Aber ich möchte definitiv aufhören, mich immer wieder vor mir selbst zu rechtfertigen.

4 Gedanken zu “Elli in Paris

  1. Ich überlege mir auch oft, ob ich Fotos von Sachen mache..besonders, wenn sie vielleicht sowieso schön häufig viel schöner fotografiert worden sind als ich es in dem Moment kann. Wenn der Moment passt ja, aber nicht um einfach nur Bilder anzusammeln, die man oft ja wirklich nicht mehr anschaut.

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