Selfcare

So begeistert ich noch vor wenigen Wochen war, so niedergeschlagen, traurig und enttäuscht starre ich jetzt auf den Bildschirm. Hatte ich am Anfang der Woche noch gehofft, wir würden uns irgendwie zusammenraufen, alles ein bisschen lockerer angehen, dann würde schon alles irgendwie werden und wir würden eine coole Zeit haben. So sitze ich jetzt ernüchterter denn je hier und kämpfe mit der Beherrschung. Teils aus Wut, teils aus Trauer wollen mir Tränen in die Augen schießen. Wie kann es nur sein, dass mein Vertrauen jedes Mal wieder beherzt genommen und dann in den Dreck geworfen wird?
Was soll nur werden? Ich kann doch nicht mein Leben lang skeptisch bleiben, nur weil es wieder und wieder jemand schafft, mir zu zeigen, dass einige Menschen, denen ich meine Seele öffne, das eigentlich gar nicht verdienen und nicht wertzuschätzen wissen.
(Anmerkung: Das ist der Gefühlszustand der kleinen traurigen Elli, die gerade einfach nur bockig und verzweifelt ist)

Ich war in den letzten sechs Wochen wirklich auf Wolke Sieben. Neben dem schmerzhaften Stress mit meiner Familie tat es so gut, das Gefühl zu haben, jemand ist da und fängt mich auf, ganz und gar. Ich war so bedürftig und verwundbar und damit empfänglich für all das. Tja Elli, lass dich fallen und du findest keinen Halt mehr. So fühle ich mich gerade. In dieses Herz darf so schnell niemand mehr rein.

Ich fühle mich benutzt und reduziert auf meinen Hedonismus, meine Offenheit. Es ist mal wieder nur geil, die besten Teile von mir zu nehmen. Ich fühle mich nicht als Person und Mensch mit Gefühlen anerkannt. Ich fühle mich wie eine Station, an der man wartet, bis irgendwas Besseres daher kommt, ein Sprungbrett ins Kinky-Meer. Dabei war ich fest davon überzeugt, einen Menschen getroffen zu haben, der empathisch, warmherzig und mir so unglaublich ähnlich ist. Alles war so leicht und unkompliziert, vielleicht ein bisschen zu schön. In den ersten Wochen erzählte ich allen, wie erschreckend gut es lief.
Die ersten Warnsignale tat ich ab. Ich war optisch gar nicht so sein Typ? Was solls, wir hatten ja trotzdem gigantischen Sex und endlose Kuschelsessions. Ich wollte kuscheln, ließ ihn übernachten. Alles Dinge, die ich sonst nicht so einfach zulasse. Er wollte bei mir sein und das nicht nur sporadisch. So fühlte es sich zumindest an. Bis es ihm herausrutschte: es ging um die Partys, um die Kinky-Partys. Daher wehte der Wind. Und doch blieben die Alarmglocken bei mir recht leise. Ich wollte es so sehr, ich war blind und verknallt. Und so ließ ich mich wieder und wieder verletzen und mein Vertrauen missbrauchen. Als er ein intimes Foto, welches ich ihm anvertraute, leichtfertig einem Freund zeigte und es mir erzählte, als wäre es nichts. Alle Personen, denen ich das erzählt habe, haben gesagt, dass diese Beziehung bereits an dieser Stelle hätte Geschichte sein sollen. Allerdings war das nur eines von vielen unsensiblen Dingen, die ich ertrug, solange bis mir die Hutschnur endgültig platze.

Es ist kein Scherz mehr, wenn man einer essgestörten Person, die gerade alles tut, um ihre Depressionen in den Griff zu bekommen, die zum Einschlafen Tabletten braucht, deren Nebenwirkung es sein kann, dass man an Gewicht zulegt, sagt: „Aber bitte nicht fett werden.“ Sowas sollte man nicht mal einer gesunden Person im Scherz sagen, weil es respektlos und anmaßend ist. Aber in diesem Kontext ist es einfach nur empathielos und absolut unentschuldbar. Und für solch empathielose Äußerungen habe ich keine Toleranz. Zu lange habe ich mich an toxische Beziehungen geklammert und zu lange habe ich darunter gelitten. Es hat ein Stück gedauert, bis die Dreistigkeit und Unüberlegtheit dieser Aussage bei mir ankam. Aber als es so weit war, war ich sauer. Und bis es so weit ist, da muss eine Person mich schon ordentlich provozieren. Ja, tatsächlich hat mich die Unüberlegtheit und das unsensible Handeln am meisten verletzt. Weil ich glaubte, diese Person besser, oder anders zu kennen. Weil ich hoffte, diese Person wäre reflektierter und nach allem, was sie in den letzten Wochen von mir erfahren hat, dachte ich, sie würde auf mich aufpassen und mich vor Verletzungen beschützen. Leider war dies nicht der Fall. Das Letzte, was ich gerade brauche, ist noch mehr leid.
Wie soll ich nach all dem das Vertrauen wiederfinden? Vielleicht wäre es jetzt anders gelaufen. Vielleicht hätte dieser Warnschuss ausgereicht. Auf der anderen Seite sitzt die Enttäuschung einfach zu tief. Und wenn ich mir die Reaktionen meiner Freunde so ansehe, bin ich noch viel zu nett gewesen. Aber wie soll ich das herausfinden? Zum einen gab es ein ganz klares Statement gegen eine Beziehung, zum anderen: Wie oft soll ich mich noch verletzen lassen und Vertrauensvorschuss geben, nur um immer wieder festzustellen, dass…. ja was eigentlich? Was stimmt nur mit mir nicht, dass ich mich immer zu solchen Menschen hingezogen fühle? Brauche ich immer wieder den kick?

Ich war fünf Jahre lang mit einem Narzissten zusammen und habe ihn sogar geheiratet. Ich erkenne plötzlich Parallelen. Und daher habe ich zumindest eine Ahnung, wie solche Menschen ticken. Und leider kann ich genau aus diesem Grund kaum noch eine Aussage glauben, geschweige denn mir vorstellen, wieder zu vertrauen.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin gerade sehr traurig und verletzt. Ich weiß, dass ich ganz viele großartige Freunde habe, die alle für mich da sind und mich bedingungslos lieben. Und dennoch wollte ich mal wieder mutig sein. Ich wollte es nutzen, dass es sich gut anfühlte, dass ich endlich wieder Platz in meinem Bett und an meiner Seite machen wollte, für einen Menschen, der noch ein bisschen mehr ist. Ich war bereit für mehr. Das war ich seit Jahren nicht wirklich. Und dann bekomme ich wieder einen Tritt. Das kann doch einfach nicht wahr sein? So lernt das innere Kind nie, wie Vertrauen geht.

Und irgendwie tut es mir auch ein bisschen leid um die Person und um die Freundschaft, die da vielleicht draus hätte entstehen können. Nur leider ist Vertrauen viel schneller zerstört, als dass man es wieder repariert.

Trotz der Traurigkeit, die ich spüre, weil ich mich natürlich an die schönen Momente erinnere…. lachen, kuscheln, quatschen, Sex, Partys und nebeneinander einschlafen… an die Pläne und Träume, die irgendwo da waren… trotz dessen bin ich stolz. Ich bin stolz, dass ich mich nicht vor lauter rosarot wieder in eine toxische Beziehung begeben habe. Stolz, dass ich für mich einstehen konnte und meine Gedanken und Gefühle im richtigen Moment artikulieren konnte. Und so sehr ich der erstickten Stimme am anderen Ende glauben und Mitleid entgegenbringen wollte. So hart das klingen mag. Ich habe es nicht getan. Aus Selbstschutz und weil ich einem Narzissten eben einmal zu oft vertraut habe. Ich kann es nicht mehr. Der Vorschuss ich aufgebraucht. Meine mentale Heilung ist zu wichtig. Meine mentale Gesundheit ist zu wertvoll.


6 Gedanken zu “Selfcare

  1. Du gehst deinen Weg Elli, und du hast es früh genug erkannt. Das Universum wird uns immer wieder testen solange bis wir geheilt sind. Vertrau dir, liebe dich selbst, achte auf dich und deine Werte, dann ziehst du nur noch die Menschen an. Du warst in dem Moment nicht in deiner Mitte , deshalb kam der falsche.
    Es wird alles gut werden. Glaube an dich.

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