Irgendwas ist immer oder: Das Maß ist voll

Kaum gehe ich wieder mehr raus, interagiere mehr, rollt mein Leben von der gemütlichen Landstraße direkt wieder in Richtung Achterbahn. Das darf doch nicht wahr sein. Gerade könnte ich echt heulen. Oder liegt es etwa daran, dass mein Körper noch immer kurz vor Beginn der Periode steht?
Ich bin irgendwie unruhig, leicht gehetzt, antriebslos und doch voller Tatendrang, im Inneren happy, mein Herz flattert und gleichzeitig unendlich traurig und enttäuscht. Wie kann man denn bitte sie viel auf einmal fühlen? Kein Wunder, dass ich erschöpft bin.

Also eins nach dem anderen. Die Arbeit ist gerade deshalb so anstrengend, weil meine Kollegin nach wie vor im Urlaub ist. Aber dieser Zustand wird sich bald ändern. Dann wurde allerdings letzte Woche ein Projekt abgesagt, welches ich gern gemacht hätte und welches auch finanziell echt lukrativ gewesen wäre. Die Art und Weise, wie es zu der Absage kam, war dermaßen unprofessionell und hat mich so viel Kraft und Nerven gekostet, dass ich mich auch davon echt ausgelaugt fühle. Zudem stehen aktuell die Jahresplanungen an und irgendwie hatte ich auf mehr Tatendrang seitens meiner Kunden gehofft. Alles nicht optimal, aber es muss ja weitergehen. Ich tue mich nur jetzt auch echt schwer mit Zukunftsplänen. Kredit, Personal, Büro? Aktuell liegt das irgendwie alles auf Eis. Aber hey, Elli, vertraue dir mal selbst. Wenn diese Entscheidungen gerade nicht notwendig sind, dann ist das so. Du weißt doch, dass du, wenn es so weit ist, die Dinge angehen wirst und sich dann wieder alles fügt. Vertraue darauf.

Bei meinem zweiten Problem weiß ich gerade nicht so recht, wie ich es formulieren soll, ohne dabei wem auf den Schlips zu treten. Und jetzt, wo ich darüber nachdenke, laufen mir die Tränen über die Wangen. Ein befreiendes Gefühl. Und dennoch zeigt mir diese Reaktion, dass das Problem Raum braucht. Es geht um meine Familie und ich bin gerade irgendwas zwischen traurig, wütend, enttäuscht und einfach nur endlos erschöpft. Ich kann nicht mehr. Und das heißt, ich muss etwas ändern. Ich habe keine Lust mehr auf den ganzen Honig, den ganzen Mist und die Heuchelei. Ich bin es sowas von Leid. Habt Interesse oder lasst es, aber hört auf, immer nur euer eigenes Gewissen beruhigen zu wollen. Ich hab es so satt. Ja ich bin wütend.

Und da wären wir beim eigentlichen Problem: Wut. Wut ist echt eine beschissene Emotion. Sie lässt einen so verbittert werden und irgendwie macht dann gar nichts mehr so richtig Spaß. Denn eigentlich bin ich mega happy gerade, was vor allem an meiner neuen Bekanntschaft liegt, aber auch an vielen anderen tollen Dingen, die mein Leben bereichern. Ja, da sind eine ganze Menge Schmetterlinge. Allerdings stoßen die immer mit den echt fetten Steinen zusammen, die ebenfalls in meiner Magengrube lagern. Und so bildet sich in mir gerade ein kleines emotionales Chaos, welches vermutlich nicht ganz exakt den eigentlich Status abbildet. Diese Wut suggeriert mir nämlich auch, dass ich dieses ganze Glück gerade eigentlich gar nicht verdiene. Wie zur Hölle kannst du denn jetzt bitte glücklich sein? Ist das nicht vollkommen paradox.

Und dann sind sie wieder da, die alten Ängste, die mir sagen, dass ich es auf jeden Fall vermasseln werde, bevor es überhaupt richtig angefangen hat. Die mir sagen, dass ich selbst sowieso nicht gut genug bin auf Dauer und dass dieses Geheimnis bald gelüftet wird. Da ist diese Angst, die mich warnt, dass es alles sowieso viel zu anstrengend wird und ich deshalb das „vollkommene Glück“ sowieso nie erreiche. Dass alles wieder nur ein endloser Kampf ist, den ich nur verlieren kann.
Die Sache ist, niemand kann mir helfen, diese Geister zu verscheuchen. Ich denke, das kann nur ich allein und das fällt mir gerade extrem schwer. Und dann denke ich mir wieder: komm mal klar, Elli. Genau dieses Verhalten ist so unsexy. Und mein Ego wird noch kleiner. Das ist eine verdammte Abwärtsspirale.

Leider lässt sich das nicht wegmeditieren oder mit irgendwelchen Mantras lösen. Ich muss mich endlich dem einen dicken, fetten Problem stellen, damit es mir nicht immer wieder die Freude an meinem schönen Leben nimmt. Ok, das habe ich jetzt aufgeschrieben. Es wird Zeit, das Prokrastinieren sein zu lassen. Der Zenit ist erreicht. Das Maß ist voll. Die Hütte brennt. Polen ist offen…
Krass wie viele tolle Worte ich brauche, um mich selbst davon zu überzeugen.

Aber gut, morgen gehts zum Therapeuten und dann überlegen wir, wie wir die Nägel mit den Köpfen am besten schmieden.
Das tat gut.

13 Gedanken zu “Irgendwas ist immer oder: Das Maß ist voll

  1. Kann ich extrem gut nachvollziehen. Die Phase der zu vielen Gefühle, die sowohl positiv wie auch negativ in einem toben habe ich jetzt ein paar Monate lang gehabt und sukzessive kehrt ein bisschen Ruhe ein. Doch hilft das das Glück zu genießen, weil man die Sorgen um andere los ist? Nicht so richtig, denn dann müsste man ja fest glauben, man hätte es verdient. Aber die Angst, dass nach all der Aufregung der andere registriert, dass ich die erstgenannte gar nicht wert bin, wächst.
    Paradox.
    Aber: hilft nix. Flucht nach vorn und damit meine ich nicht etwa wirklich Flucht (so wäre es in meinen jungen Jahren gewesen), sondern sich öffnen. Denn nur so klappt es langfristig…
    Wir sind nur Menschen…
    Alles LIebe!

    Gefällt 1 Person

      • Ich muss sagen, ich hatte wirklich Glück mit meinem Therapeuten. Das ging schnell und es hat sofort „gefunkt“. Leider ist das nicht immer so. Ist mittlerweile mein dritter. Man braucht Geduld. Und eigentlich ist es an dem Punkt, wo man merkt, es geht nicht mehr ohne, schon fast zu spät, um mit der Suche anzufangen. Zumindest höre ich von vielen, dass es noch schwerer ist, wenn die Probleme erstmal akut sind, sich dann noch aufzuraffen und 100 Praxen anzurufen. Es ist nicht leicht. Und jetzt muss ich dafür kämpfen, dass ich noch einmal verlängert werde.

        Gefällt mir

      • Schön zu lesen, dass es bei dir schnell ging bzw. die Wellenlänge passt. 😊
        Ich hab etwas suchen müssen und bin jetzt bei einem privaten Psychotherapeuten, bei dem ich mich aber sehr gut aufgehoben fühle. Muss also auch kämpfen, dass meine Krankenkasse die Kosten übernimmt und zwischendurch hab ich immer wieder krasse Tiefs.. 😑
        Drücke dir die Daumen für deine Verlängerung!
        Happy weekend

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s