Biketour 2021 Part VI

Der heutige Tag startete mit einem ausgiebigen Frühstück. Der Wetterbericht hatte Sonne und Wind angekündigt, ich war gespannt. Am Abend hatte ich im B&B noch einen sehr netten Dänen kennengelernt. Ich denke, er war so um die 60 und war mit seinem Motorrad aus Kopenhagen angereist. Er war außer mir der einzige allein Reisende und ich setzte mich am Abend spontan zu ihm auf den Balkon, wo wir ins Gespräch kamen. Er erzählte mir viel über Dänemark, über die Pandemie, wie er sie erlebt hatte und gab mir noch ein paar tolle Tipps für Kopenhagen. Es war super entspannt und unaufdringlich. Daher setzte ich mich auch zum Frühstück an seinen Tisch. Wir waren ohnehin die einzigen im Frühstücksraum. Das Frühstück war simpel, kontinental, wie man so schön sagt, Ich versuchte mich satt zu essen, um genug Energie zu haben. Als ich mein Fahrrad packte, verabschiedete sich der Däne mit einem lieben „Take care“. Irgendwie hallte mir das noch sehr lange in meinen Ohren nach. Und auch jetzt bekomme ich ein bisschen Gänsehaut. Sowas ist doch einfach wunderbar. Ich fuhr mit einem breiten Lächeln im Gesicht los. Diese Begegnung hatte mir echt viel gegeben. Das liebe ich auch so sehr am allein Reisen. Man kann, wenn man möchte, Menschen kennenlernen, man muss aber nicht, wenn man lieber allein bleiben will.

Wir hatten auch über den Wind gesprochen. Er war der Meinung, der würde gegen Mittag abflauen. Das tat er gemäß dem Wetterbericht leider nicht. Ich wünschte mir ein paar mal, dass ich zumindest seinen Namen gewusst hätte. Ich hätte ihm tatsächlich gern nochmal geschrieben. Egal, der sehr nette dänische Biker blieb mir auf jeden Fall in guter Erinnerung und ich denke, ich ihm auch. Die ersten Kilometer gingen auch vollkommen easy, da ich den Wind da noch im Rücken hatte, bald ging es aber Richtung Küste und ab dem Mittag zogen sich die Kilometer ganz schön. Wie schon am Tag zuvor, ergab sich kaum eine wirkliche Möglichkeit, Pause zu machen, daher fuhr ich den größten Teil der Strecke durch, bis ich in einen kleinen Ort unweit meiner Unterkunft kam, wo ich mir wie immer ein alkoholfreies Bier und ein echt leckeres Softeis gönnte. Von dort aus waren es nur noch wenige Minuten bis zu meinem B&B. Ich fuhr noch einen kleinen Umweg zum Einkaufen und war am frühen Nachmittag am Tagesziel angekommen. Das B&B übertraf tatsächlich die Übernachtungen der Tage zuvor. Es war so süß, gemütlich und liebevoll eingerichtet und auch der Housekeeper war extrem nett. Ich traf direkt bei meiner Ankunft ein deutsches Pärchen, welches ich schon tagsüber ein paar mal auf der Tour gesehen hatte. Ich bekam reichlich Respekt dafür, dass ich in Berlin allein losgefahren war und nicht wie die meisten anderen Radler mit elektronischem Antrieb unterwegs war.

Nachdem ich mich geduscht und umgezogen hatte, machte ich mich auf den Weg zur Stevns Klint einer Steilküste, die nur 5 Minuten zu Fuß entfernt war. Sehr beeindruckend muss ich sagen. Dort genoss ich bei meinem Feierabendbier den klang der Wellen, die sich am Ufer brachen. Ich finde es ja auch so unfassbar schön, den Wellen und dem Rauschen des Windes einfach nur zuzuhören. Bewusst höre ich auf meiner Tour keine Musik, auch weil ich das Gefühl habe, meine Gedanken dann nicht richtig hören zu können.

Allgemein waren meine Gedanken heute wieder relativ ruhig. Auf meiner Agenda steht nach wie vor ein Brief an meinen ehemaligen Chef. Ich möchte ihm endlich sagen, dass er in den 5 Jahren, die wir zusammen gearbeitet haben, eine ganz wichtige Rolle in meinem Leben eingenommen hat und vor allem eine ganz große Lücke geschlossen hat. Er war quasi eine Vaterfigur und gleichzeitig seht guter Freund für mich und konnte damit ganz viel ausgleichen, was mir in meiner eigenen Familie gefehlt hat. Als das so war, hatte ich da gar nicht so auf dem Schirm. Das ist mir tatsächlich auch erst letztes Jahr so richtig bewusst geworden. Umso wichtiger finde ich es, auch das endlich mal in Worte zu fassen. Eigentlich würde ich das viel lieber persönlich machen, aber da er nicht mehr in Berlin lebt, ist das echt schwierig. Und da er mich mehr oder weniger dazu dieser Tour inspiriert hat, finde ich es jetzt ganz passend, diesen Brief zu schreiben.
Immerhin habe ich mir heute schon mal ein paar Worte dazu zurechtlegen können. Ich denke, wenn ich in den kommenden Tagen etwas mehr Ruhe habe, dann werde ich anfangen, das Ganze auf Papier zu bringen. Vielleicht schaffe ich es ja auch noch, den Brief von hier abzuschicken. Das wäre im Sinne der Symbolträchtigkeit schon irgendwie cool. Damit hätte ich dann auch einen Großteil der offenen Projekte auf dieser Reise bearbeitet. Noch immer gibt es allerdings echt viele Themen, die hier ihren Raum brauchen und aktuell on hold sind, Ich Hoffe, ich schaffe es im stressigen Alltag demnächst trotzdem wider öfter, hier meine Gedanken niederzuschreiben, weil ich gerade jetzt wieder merke, wie gut mir diese Reflexion tut.

6 Gedanken zu “Biketour 2021 Part VI

      • Das hoffe ich auch.
        Ich habe sowas Ähnliches mal gemacht zum Job- Jubiläum. Meinem damaligen Bürokollehen aus dem Praktikum geschrieben, wie geil diese Zeit gewesen ist. Habe zwar keine Antwort bekommen, fand es aber angemessen, das mal zu sagen.

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      • Es ist oft viel wichtiger, dass man es macht, als dass man etwas zurückbekommt. Darum geht es mir selbst auch gar nicht. Aber das sind Gedanken, die für mich seh heilsam sind und theoretisch würde es mir sogar reichen, diese nur für mich zu haben. Aber er ist mir auch so wichtig, dass ich denke, es ist an der Zeit, ihm das auch transparent zu machen.

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      • Ach, interessiert hätte es mich schonmal, ob es den Kollegen interessiert hat, er sich überhaupt noch an mich erinnern konnte nach so vielen Jahren oder ob die Mail im Spam gelandet war. Wichtigkeit war dabei keine Kategorie in meinem Fall, eher bot sich der Anlaß an.
        Ich fänd’s toll, wenn Du ihm das rüberbringst und auch, wenn Du mal erzählst, ob es ’ne Reaktion gab.

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      • Ja etwas schade ist das schon.
        Da ich mit meinem Ex-Chef noch öfter telefoniere, gehe ich fest davon aus, dass er auch reagieren wird. Das ist sonst eigentlich nicht so seine Art. Und ja, natürlich würde ich mich gern auch mit ihm über meine Gedanken austauschen. Immerhin ist das ein wichtiges Thema für mich. Und klar gibts dann dazu auch ein Update hier.

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