CSD Berlin #happyelli

Wer hätte es gedacht, dass mein erster „richtiger“ CSD ausgerechnet der am Rande einer Pandemie sein würde. Ich war bisher einmal in Dresden beim CSD und einmal in Riga. Letzterer war schon sehr komisch, da wir in einem geschlossenen Park Runden laufen durften, da sich außerhalb des Parks die mehr als größere Gegendemo befand, vor der wir geschützt werden mussten. Insofern übertraf der diesjährige Berliner CSD alles, was ich bisher in der Richtung kannte.
Schon Wochen vorher hatten wir in der Kinky-Community nur noch dieses Thema. Ich erklärte mich sogar bereit, die Organisation mit zu übernehmen. Da wir mit immer mehr Menschen auf Stammtischen und Partys darüber sprachen und ich/gerade auch echt viele neuen Menschen kennenlernen, waren wir bald eine stattliche Gruppe von mehr als 50 Leuten.
Noch am Abend zuvor luden wir neue Bekannte ein, sich uns anzuschließen. Außerdem planten wir noch eine interne Aftershow-Party. Alles war so aufregend und alle zogen an einem Strang – das gab mir so viel Energie.

Der Samstag startete für mich entsprechend früh. Ich muss aber auch sagen, ich konnte es kaum erwarten, mich endlich zu schminken und in mein buntes Outfit zu schlüpfen. Allein die Vorfreude darauf, den ganzen Tag halbnackt durch die Stadt zu laufen, machte mich extrem happy. Ich schminkte mich aufwändig mit Regenbogen-Lidschatten und trug einen bunten Netzbody und eine Latexoptik-Shorts, dazu Netz-Kniestrümpfe und derbe Boots. Als ich den Startpunkt erreichte und dort zunächst allein auf die ersten Ankömmlinge aus unserer Gruppe wartete, wurde ich bereits vier-, fünfmal nach Fotos gefragt. Ich fühlte mich wohl und genoss „die Ruhe vor dem Sturm“. Nach und nach trudelten alle ein. Es wurde noch fleißig geschminkt und geglitzert und natürlich auch vorgeglüht mit dem ein oder anderen Prosecco.

Pünktlich um 13 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Langsam ging es voran. Wir tanzen, lachten, quatschen, schauten den anderen Menschen zu und alle waren einfach nur unglaublich happy. Zumindest war ich es und viele andere auch. Natürlich war es ab und zu eng, klar trug nicht immer jeder eine Maske, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass sich schon recht gut an die Hygienemaßnahmen gehalten wurde. Und es ging auch wirklich friedlich ab. Man wurde manchmal nett darauf hingewiesen, die Maske wieder hoch zuziehen. Das fand ich sympathisch, niemand zickte oder meckerte ernsthaft. Alles waren einfach liebevoll, so wie es sich zum Pride gehört.

Die vier Stunden Parade vergingen wie im Flug. Ich gefiel mir in meiner Rolle als „CSD-Beauftragte“. Ich war glücklich in jeglicher Hinsicht. Als sich die Parade auflöste, flüchteten die meisten von uns noch einmal nach Hause. Bis zur Aftershow waren es noch fast fünf Stunden und eine Dusche hatte echt jeder nötig. Ich traf mich bei mir mit T und gemeinsam schlenderten wir zu WG von Captain Fox, wo wir einen teil der Meute wieder trafen und gemeinsam zur Location fuhren. Den urigen Keller-Club kannte ich schon. Mein Abendoutfit waren eine Regenbogen-Corsage mit reichlich Pailletten und riesigen weißen schleifen, sowie ein kurzer Rock und meine Lackstiefel.

Ich hörte gar nicht mehr auf, happy zu sein. Dieser ganze Tag, diese ganzen schönen lieben Menschen, meine tolle Kinky-Family, alles erfüllte mich mit unendlicher Freude. Offenheit, Toleranz und Liebe – einfach unbeschreiblich.

Die Party war dann auch noch wunderbar und sehr erfüllend. Im Nachhinein fühlt es sich an, wie ein bunter, lustiger Strudel. Ich hatte tollen Sex, war Liebhaberin, Beraterin, gute Freundin… es wurde getanzt, gelacht und getrunken, bis ich völlig erledigt morgens um halb sieben in mein Bett fiel und erschöpft aber glücklich einschlief.
Mein erster Pride – ein tolles Erlebnis.

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