Achtsamkeit

Wenn man selbstständig ist, ist man es gewohnt mit dem Kopf nicht nur in einer Sache zu hängen, sondern sicher auch mal in 5, 6, 7, …10…. Dafür ist nicht jeder gemacht. Ich muss sagen, meist schaffe ich das, ohne mich zu verzetteln. Da ich für viele Auftraggeber arbeite, habe ich eben auch so gut wie immer mehrere Projekte gleichzeitig auf dem Schirm. Dazu kommt noch meine Kollegin, die auch meine Aufmerksamkeit und meinen Support braucht. Ich liebe meine Arbeit und ich liebe auch diese Energie die dadurch entsteht. Aber ich bin nach einem 12-Stunden-Tag auch einfach mal durch. Abschalten ist dann oft gar nicht so einfach. Daher habe ich mich mehr oder weniger bewusst in der letzten Zeit dem Thema Achtsamkeit gewidmet. Und wie das eine Influencerin gestern so treffend sagte: Achtsamkeit hat nichts mit Esokram zu tun. Achtsamkeit ist eine Sache, die jeder in seinen Alltag integrieren kann. Achtsamkeit ist etwas, was viele von uns verlernt haben. Wir werden immerzu zugeballert von allerhand Kram. Das Handy, die sozialen Medien, Arbeit…. Und manchmal glaube ich, das ist durch die Pandemie noch schlimmer geworden. Man will sich ja nicht langweilen, man will ja nicht Nichtstun. Also betäuben wir uns mit Netflix, Instagram, Online-Shopping. Ich selbst bin eine Meisterin des Multitasking. Und ja, darauf bin ich auch stolz. Ich arbeite sehr effektiv dadurch. Jahrelang habe ich das wirklich in jeder Situation betrieben und Achtsamkeit für den Moment dadurch komplett verlernt. Immer mit den Gedanken schon einen Schritt weiter und nie wirklich im Moment. Aber so kann man eben auch nicht glücklich werden. Wie denn auch? Man übersieht ja die schönen Momente komplett. Man rast einfach so an ihnen vorbei.

Also was ist das denn nun, diese Achtsamkeit, von der alle sprechen?
Wikipedia sagt dazu folgendes: Achtsamkeit (englisch mindfulness) ist ein Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach die gegenwärtige Verfasstheit seiner direkten Umwelt, seines Körpers und seines Gemüts erfährt, ohne von Gedankenströmen, Erinnerungen, Phantasien oder starken Emotionen abgelenkt zu sein, ohne darüber nachzudenken oder diese Wahrnehmungen zu bewerten.

Ich mag das englische Wort mindfulness noch viel lieber, das klingt irgendwie richtig schön. Achtsamkeit ist eng verwandt mit Aufmerksamkeit. Darauf komme ich später noch zu sprechen. Achtsamkeit kann in gewisser Weise auch Leiden verringern und insgesamt zu einer generellen Verbesserung des Gemütszustandes führen. Einfach mal nicht geistesabwesend sein…, sondern da, in der Gegenwart. Und ganz wichtig: OHNE Bewertung. Unsere Leistungsgesellschaft ja dazu ständig alles bewerten zu wollen. Gut, schlecht, richtig mies, unpassend… Dadurch machen wir uns unglaublich großen Druck. Nicht falsch verstehen: Ich habe grundlegend nichts gegen die sogenannte Leistungsgesellschaft. Aber ich finde, der Ausgleich fehlt hier und da.

Ich habe vor allem angefangen, mich mit Achtsamkeit zu beschäftigen, weil ich ja seit Ewigkeiten oder eigentlich schon immer an schlimmen Einschlafstörungen leide. Über die Jahre habe ich echt viel probiert und bin jetzt mal wieder bei Meditation gelandet. Ich nutze seit Kurzem die App „Serenity“. Da gibt es einerseits tägliche Lernsessions, die sich jede Woche einem bestimmten Thema widmen. Und ja, Meditation kann man lernen. Das finde ich großartig. So etwas liebe ich und so etwas weckt Ehrgeiz in mir. Außerdem gibt es auch länger Meditationen, Morgenroutinen und auch Meditationen zum Einschlafen. Dabei lernt man über Konzentration auf den Atem und damit verbundene verschiedenen Techniken, seine Gedanken zu beruhigen. Denn genau das ist abends immer mein großes Problem. Meine Gedanken wollen einfach keine Pause machen. Sie kreisen und kreisen um Dinge, die ich in dem Moment sowieso nicht ändern kann. Im Gegenteil, ich brauche meinen Schlaf, um am nächsten Tag wieder alle Aufgaben meistern zu können. Und mittlerweile merke ich, wie es mir immer leichter fällt, meine Gedanken zu kontrollieren und eben auch mal bewusst abzuschalten und nichts zu denken. Die geführte Meditation unterstützt mich dabei. Und das dauert meist nur knappe 10 Minuten. Ein Zeitaufwand, der immer irgendwie möglich ist.
Dazu eine Kleinigkeit am Rande: Ich stehe seit zwei drei Wochen bewusst eine Stunde eher auf, um entspannter und ungestresster in den Tag zu starten. Das tut mir unglaublich gut und hilft auch, meine Gedanken zu entzerren und nicht so viel auf einmal zu denken.

Um Achtsamkeit zu üben, braucht es aber im Grunde keine App, keine beruhigende Frauenstimme und auch keine Atemübungen. Achtsamkeit ist so simpel. Du kannst beim Zähneputzen achtsam sein, du kannst auf dem Weg zur Bahn achtsam sein. Ich versuche jetzt immer, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, achtsam zu sein. Das ist aufgrund des echt krassen Verkehrs in Berlin auch bitter nötig. Aber es hilft mir auch, mich auf der Fahrt ins Büro oder auf dem Heimweg zu entspannen. Ich muss nicht darüber nachdenken, was als Nächstes ansteht, wie meine Termine sind und ob ich alles schaffe. Das habe ich sowieso auf dem Schirm oder es steht in meinem Kalender. Ich kann also einfach meiner Musik lauschen. Ich kann meine Nase in die Sonne halten, ich kann spüren, wie sich der Wind im Gesicht anfühlt. Ich kann die Anspannung in den Beinen wahrnehmen, wenn ich fest in die Pedale trete. Ich kann den Untergrund spüren. Ist der Asphalt glatt oder fahre ich über Pflastersteine? Natürlich gelingt mir das nicht immer und schon gar nicht die ganze Fahrt lang. Aber eben immer mal ein bisschen. Und selbst kleine Momente der Achtsamkeit geben mir Entspannung. Ich bin weniger aggressiv meinen Mitmenschen gegenüber, vor allem den Verkehrs-Idioten. Manchmal bekomme ich da wirklich schlimme Aggressionen nach dem Motto „Die ganze Welt bestraft mich!“. Tut sie aber gar nicht. Das ist alles nur in meinem Kopf und ich kann diese Gedanken zulassen oder nicht, ich kann sie wegschieben und durch schönere ersetzen. Das ist Achtsamkeit für mich.

Achtsamkeit ist auch Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit für sich selbst, die eigenen Befindlichkeiten. Ich kann aufstehen und mich selbst fragen: wie geht es dir heute? Ich schenke meinen Bedürfnissen Aufmerksamkeit. Auch das ist für mich nicht immer selbstverständlich. Denn nicht nur die Welt bestraft mich dann und wann auch ich kann mich wunderbar selbst bestrafen, indem ich beispielsweise nicht auf meine Bedürfnisse höre, mich regelrecht darüber hinwegsetze. Das sind alltägliche Dinge wie Hunger, Erschöpfung, Müdigkeit, Nähebedürfnis… Dinge, die ich gern ignoriere, wenn ich sie mir nicht zugestehe.
Ich meine aber auch Aufmerksamkeit für andere Menschen. Indem man sich löst von seinem eigenen Film und sich umschaut. Indem man, wenn man auf eine Person trifft, sich zunächst die Situation anschaut. Wie ist die Stimmung? Wie wirkt die andere Person? Indem man sich langsam einfühlt. Das klingt jetzt irgendwie anstrengend und langatmig. Das ist aber eine Sache von Sekunden. Man kann das sogar verbreiten, indem man kurz innehält bevor man die Türklingel betätigt oder den Treffpunkt betritt. Das ist mit ein Grund, weshalb ich gern pünktlich oder sogar ein wenig früher bei Treffen erscheine. Ich schaffe das auch ganz oft nicht und fühle mich hinterher schlecht. Aber auch mit solchen Gedanken kann man umzugehen lernen. Wie bereits erwähnt, kann man sie einfach so wertfrei da lassen. Denn allein die Tatsache, dass man sich dessen bewusst ist, dass man es gerade nicht so gut geschafft hat aufmerksam und achtsam zu sein, kann einem helfen, es beim nächsten Mal „besser“ zu machen.

Also ihr seht, Achtsamkeit ist kein Lebensprojekt. Aber Achtsamkeit gehört zum Leben. Achtsamkeit kann man jeden Tag üben. Und später wird man sich selbst vermutlich dankbar sein, weil man nicht irgendwann feststellt, dass man die besten und schönsten Momente verpasst hat. Einfach, weil man es verpasst hat, ab und an mal im Moment zu leben. Wie man das genau macht, muss jeder für sich selbst herausfinden. Das hier sind keine Allheilmittel oder Rezepte, die für jeden funktionieren. Das hier ist nur meine Erfahrung und gern lasse ich euch hier weiter an dieser tollen Erfahrung teilhaben.

Demnächst möchte ich mich dem Thema Dankbarkeit widmen.

Bis dahin – Bleibt achtsam!

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