Zwischen den Zeilen

Wer aufmerksam gelesen hat, der hat festgestellt, dass ich auch letztes Jahr eine verflossene Freundschaft zu betrauern hatte bzw. es noch tue. Irgendwie hatte ich das wochenlang verdrängt, doch irgendwann um Weihnachten herum lag ich nachts wach und plötzlich durchfuhr es mich wie ein Blitz. Da war doch noch was. Und mein Herz blutete, es wurde richtig schwer.

Es geht um meine Freundin, mit der ich ohnehin eine bewegte Vergangenheit hatte. Erst im letzten Jahr ist sie wieder in mein Leben getreten, was mich unglaublich glücklich machte. Tja und seitdem kann ich leider an einer Hand abzählen, wie oft wir uns gesehen haben. Für meine Begriffe viel zu wenig. Irgendwie war die Zeit ein ständiges Auf und Ab. Mal waren wir ganz eng und hatten uns furchtbar lieb, dann wieder wochenlange Funkstille. Sie ist auch eine große Expertin darin, ausgemachte Treffen spontan abzusagen, was mich jedes Mal aufs Neue total verletzte. Obwohl ich dieses Risiko irgendwann ja sogar einkalkulierte. Und dennoch wirkte diese Frau mit ihren Reizen auf mich wie eine Droge. Soetwas hatte ich zuvor noch nicht gespürt. Nicht bei einer Frau. Sie war definitiv mehr als eine Freundin für mich, das wurde mir jedes Mal klarer . Und mit jedes Mal meine ich jedes erneute Mal, wenn sie mich vor den Kopf stieß. Ich war einfach immer so unglaublich doll verletzt. Das war nicht mehr normal für „nur“ Freundschaft. Ich wollte so gerne bei ihr sein und Zeit mit ihr verbringen. Ich wünschte mir so sehr ihr Vertrauen, wollte für sie da sein. Doch immer gingen wir ein zwei Schritte auf einander zu und dann gefühlt wieder 3 oder 4 oder 5 voneinander weg.

Eskaliert ist das Ganze dann ungefähr zu der Zeit, wo ich auch meine Beziehung zu MK beendet habe. Ich war gerade so richtig am Tiefpunkt, als sie sich mal wieder bei mir meldete.
Sie war ein wenig angetrunken und erzählte mir, von Sexträumen und anderen schlüpfrigen Dingen. Ich freute mich, weil sich in mir das Gefühl von Vertrauen breit machte. In einer Videobotschaft gestand sie mir dann, dass sie bei einigen dieser warmen Gedanken schon auch mal mich denke. Mein Herz machte einen Sprung. Die komplette Trauer des Tages war weggeblasen. Wie oft hatte ich nachts wach gelegen und daran gedacht. Wie oft war diese schöne Frau Teil meiner feuchten Träume! Sollten sie jetzt etwa wahr werden?
Mein Herz klopfte bis zum Hals, ich war so aufgeregt. Ich machte kein Geheimnis aus meiner Freude. Sie sagte auch, dass sie mich so schnell wie möglich sehen möchte. Ich konnte es kaum noch aushalten vor Freude. Ich denke, genau das wurde mir am Ende zum Verhängnis. Ich habe mich viel zu viel gefreut.Als ich sie dann wenige Tage später nach einem Treffen fragte, wurde ich wieder hin gehalten. Ich sagte ihr, dass das wirklich ein scheiß Gefühl sei, selbst wenn sie das nicht mit Absicht machte. Ich mochte mich nicht hinhalten lassen. Natürlich hatte ich auch Angst, war nervös und unsicher, aber viel mehr als das überwog die Neugier. Ich wollte sie sehen, uns treiben lassen und schauen, was passiert. Und selbst wenn nichts passieren sollte, wäre das vollkommen in Ordnung gewesen. Aber nur der Versuch macht klug. Zwar habe ich schon ein bisschen sexuelle Erfahrungen mit Frauen, aber so ein richtiges Date hatte ich bisher nie. Aber ich wollte es. Ich versuchte sie zu beruhigen. Diesmal gab es nur uns und sonst niemanden, es konnte nichts passieren.
Ein paar Tage später rief sie mich dann an und entschuldigte sich. Wir vereinbarten ein Date für den darauffolgenden Freitag. Ich platze fast, so sehr freute ich mich. Ich denke, ich freute mich insgesamt wirklich viel zu viel.
Nur für den Fall der Fälle, kaufte ich ein bisschen ein. Und damit meine ich Toys. Das sagte ich ihr natürlich nicht. Ich wollte sie nicht erschrecken, oder Druck machen und dennoch wollte ich vorbereitet sein. Leider schürte ich meine innere Vorfreude damit nur noch mehr.

Am Freitagmorgen schrieb sie mir, sie hätte beschlechte Laune, wolle aber nicht absagen. Es klang als wünschte sie sich Legitimierung, nicht kommen zu müssen. Ich sagte ihr nur, es sei mir egal, ich würde sie nehmen, wie sie ist. Nach einigem hin und her, wollte sie dennoch absagen. Später einigten wir uns auf ein Treffen draußen. Wenn es ihr Sicherheit gäbe, wäre ich auch dazu bereit. Ich wollte sie einfach nur sehen. ich wollte endlich auch mal persönlich mit ihr über all das reden, herausfinden woran ich wirklich bin. Ich packte ein paar Decken ein und füllte zwei Thermosflaschen mit Glühwein. Immerhin war es bereits November. Mit einem leicht flauen Kribbeln im Bauch machte ich mich auf den Weg zu ihrer Arbeit. Unterwegs schaute ich kurz auf mein Handy. Eine Nachricht von ihr. Ich verstand nicht. Sagte sie jetzt doch ab? Sie wollte lieber mit ihren Kollegen von der Arbeit trinken. Ich konnte es nicht glauben. So stand ich mitten in Berlin, frierend, bebend, mit zwei Litern Glühwein im Gepäck. Versetzt!
Wollte ich lachen, weinen, schreien??? Ich weiß es nicht. Ich wusste nur, dass ich lange nicht mehr so behandelt worden bin. Ich schwankte zwischen Trauer und Wut. Ich fühlte mich gedemütigt und irgendwie nackt.

Zitternd fuhr ich allein nach Hause, wo ich mich daran machte, den Glühwein zutrinken. Ich konnte es nicht fassen. Und zugleich war ich auch irgendwie selbst schuld. Zumindest daran, dass meine Enttäuschung so unfassbar groß war. Ich hatte viel Euphorie in die Sache gesteckt. Man, ich wollte (fast) alles tun für diese Frau, um ihr zu zeigen, dass ich es wert bin, dass sie es mir wert ist. Tja Elli, da siehst du es mal wieder. Am Ende bekommt man nur Arschtritte, weil sich jeder selbst der nächste ist. Ich mache es doch selbst manchmal nicht anders.

Später am Abend meldete sie sich dann noch einmal. Wir waren beide bereits gut angetrunken. Meine Wut war plötzlich weg, sie machte mich sanft. Die Freude überwog direkt wieder.
Sie entschuldigte sich und versuchte zu erklären, wieso sie sich so verhalten hatte. Die aktuelle Lage mache ihr so tzu schaffen etc. Auch in dem Moment hatte ich noch Verständis und versuchte, meinen Ärger hinter Verständnis zu verstecken. Ich hoffte auf eine zweite Chance.
Am nächsten Tag schrieb ich ihr erneut, wie es ihr ginge.
Keine Antwort.
Bis heute nicht.
Ich denke, das wars.

Wenn ich daran denke, bin ich traurig. Ich denke nicht, dass ich einen Fehler gemacht habe und sie sich deshalb abgewandt hat. Was es eigentlich umso schlimmer macht. Weil es für mich so ungreifbar bleibt. Andererseits wünsche ich mir, ich hätte ihr helfen können. Ich wünsche mir, sie hatte meine Nähe zulassen können. Und damit meine ich vor allem die freundschaftliche.
Und dann denke ich wieder, dass ich auch ziemlich sauer auf die ganze Situation bin. Wieder einmal war ich bereit mein Herz zu öffnen, habe es getan und wieder einmal wurde das nicht gewertschätzt. Wieder einmal habe ich einen Arschtritt bekommen. Ein weiteres kleines Stück meines Herzens ist abgebrochen. Ein großes weiteres Stück Skepsis gegenüber Nähe und Gefühlen ist in mir gewachsen. Die Mauer, die mich gegen Nähe und Bindung und vor allem Verletztungen schützt, ist mal wieder ein paar Zentimeter höher geworden.
Ich habe keine Lust mehr, mich den Launen anderer auszusetzen. Das habe ich nicht nötig. Und zugleich tut es mir leid, weil ich weiß, dass es Phasen geben wird, in denen ich diesen Groll ohne Absicht selbst weiter gebe und damit auch andere verletze.

Es tut so weh. Wieso? Wie kann man das nur ständig aushalten? Kann man das?
Ich bin mittlwerweile an einem Punkt, wo ich denke, dass es vermutlich sogar besser wäre, wenn sie sich nicht mehr bei mir meldet. Denn vermutlich würde ich wieder schwach werden und vermutlich drehen wir uns dann weiter im Kreis. Das halte ich nicht mehr lange aus.

2 Gedanken zu “Zwischen den Zeilen

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