Bauchgefühl

Zu einer Beziehung gehören immer zwei, dieser Satz hat so einen langen Bart. Ist aber eben so. Insofern kann man am Ende auch nicht mit dem Finger auf einen zeigen.
Ich würde sowieso nicht sagen, dass einer Schuld hat. Im Gegenteil, wir haben so lange gekämpft und echt viel versucht. Darauf können wir stolz sein.
Ich habe mich in den letzten Tagen und Wochen wirklich oft nicht besonders nett verhalten. Und das tut mir leid. Ich habe viel nachgedacht und dabei gemerkt, dass ich mich vor Monaten in eine andere Person verliebt habe.
Als wir uns kennenlernten, war ich eingeschüchtert, regelrecht geflasht. Ich war begeistert und mehr als einmal fanden im entscheidenden Moment die richtigen Worte mein Ohr, um die beste Version von mir selbst zum Leben zu erwecken. Wir hatten Angst, doch das schweiste uns auch zusammen, wir wurden ein Team.
Heute kann ich mich daran nicht mehr erinnern, alles ist fremd und merkwürdig geworden. Man sollte, um man selbst zu sein, nicht irgendeinem Ideal hinterher eifern, sondern sich selbst so annehmen und lieben lernen, wie man ist. Und ich denke nicht, dass man das in einer Beziehung auch hinbekommt. Wie kann man denn einen anderen aufrichtig lieben und geliebt werden wollen, wenn man nicht fähig ist, sich selbst zu lieben?

Jeder muss für sich herausfinden, wer er ist und nicht, wer man sein will. Und dann muss man diese Person annehmen, lieben lernen, mit ihr leben lernen. Anders sein, heißt nicht, weniger wert sein. Ich bin traurig, weil ich an etwas geglaubt habe, was nicht 100% echt war und ich habe mich davon blenden lassen. Das ist so schade.

Ich glaube, das ist einer der Gründe, weshalb ich mich zurück gezogen habe. Alles war so schwammig und konfus. Ich wusste nie, was ernst und was Hirngespinst war. Das ist schwierig und auch anstrengend. Und vermutlich fühlte es sich dann an wie Desinteresse. Mir fehlte der Fokus, Struktur und die Ernsthaftigkeit. Ich konnte am Ende nicht mehr zwischen fixen Ideen und dem, was wirklich wichtig war unterscheiden.

Eine Beziehung ist harte Arbeit, das weiß ich. Aber sie sollte dennoch kein Knochenjob sein. Und ich habe keine Kraft dafür. Man manipuliert nicht in einer Beziehung. Man kann sich einen Menschen nicht so lange hinbiegen, bis es irgendwie passt. Weder einen anderen, noch sich selbst. Und dabei rede ich nicht von notwenigen Kompromissen. Diese Art und Weise der Manipulation macht mir Angst, weil ich weiß, wohin das führt. Ich will keine Angst haben.

Ich denke, ich bin gut, wie ich bin. Daran habe ich nämlich wirklich hart gearbeitet. Aber ich habe dabei nicht irgendeinem Idol hinterher gejagt. Ich habe dabei auf mein Bauchgefühl gehört und angefangen, nur noch die Dinge zu tun, die sich für mich gut und richtig anfühlen. Und so gut es ging, habe ich versucht zu ignorieren, was andere darüber denken. Ich denke, das war ein wichtiger Prozess. Deswegen kann ich heute sagen, dass ich zufrieden bin. Ich wünsche jedem, dass er das auch schafft.

Ich möchte niemanden anklagen, aber ich möchte meine Gedanken teilen, weil Ehrlichkeit eine Chance bedeuten kann.
Ein Ende ist zugleich die Möglichkeit dies als Erfahrung, sogar als großartige Erfahrung mitzunehmen und die Dinge in Zukunft besser zu machen.

Es ist nicht fair, zu behaupten es gäbe keinen Druck und keinerlei Erwartunge, wenn man sie insgeheim doch hat und aus der Enttäuschung dann Vorwürfe entstehen. Das passt nicht zusammen und damit kann ich nicht dealen. Und damit bin ich beim Thema Authentizität. All diese Konfusionen lassen mich mittlerweile einiges in Frage stellen. Ich bin Unsicher auf der ganzen Linie. Ich möchte nicht in einem Traumschloss leben. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Und doch hilft es, wenn man von Zeit zu Zeit mal einen Spiegel vorgehalten bekommt und man sieht, wie sich das eigene Verhalten auf andere auswirkt.
In einer Beziehung kann ein Partner nicht die Verantwortung für das Wohlergehen des anderen übernehmen. Ich weiß auch, dass ich nicht immer einfach war und dass manchmal nicht klar war, ob ich noch da bin. Und dennoch kann diese Tatsache nicht das Zünglein an der Waage zwischen gut und schlecht sein. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Schon wieder so ein alter Hut, aber wahr!

Ich bin in Beziehungen unsicher. Und das hat leider seine Ursachen. Doppelte Unsicherheit potenziert sich. Und das hat zerstörerische Macht.

Nichts desto trotz bin ich dankbar. Dankbar über wirklich schöne Zeit, tolle Erlebnisse und viel Bereicherung. Ich bereue nichts und das ist gut. Ich bin auf niemanden böse, ich bin nur ein wenig traurig.

Fakt ist, es geht so nicht weiter. Mein Bauchgefühl sagt mir ganz klar, dass eine Grenze erreicht wurde. Und die Situation wird auch mit dem fünften oder sechsten Versuch nicht besser. Es bricht mir das Herz.

Ich möchte keine Verletzungen mehr, ich möchte nicht am Ende vielleicht hassen oder doch etwas bereuen. Und genau deswegen ziehe ich hier die Notbremse, in der Hoffnung, dass noch nicht alles kaputt ist. In der Hoffnung, dass wir mit blauen Augen und nicht mit zerfetzten Herzen aus der Sache raus kommen.

Ich habe selbst so viel zu tun. Ein großer Teil der Zeit wird dafür drauf gehen, das Kind in mir in den Arm zu nehmen und ihm die Liebe zu geben, die es im entscheidenden Moment nicht bekommen hat. Das ist mir jetzt endlich klar geworden, nicht zuletzt durch diese Beziehung. Und auch dafür bin ich unendlich dankbar. Aber ich muss das allein tun, das kann mir leider niemand abnehmen.

Es wurde Zeit für schonungslose Ehrlichkeit an dieser Stelle. Sie ist allerdings 100% liebevoll gemeint.

Ein Gedanke zu “Bauchgefühl

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