FantaC Vol. XII: mehr Beziehungen – oder Sex in times of corona

Ich würde mal sagen, ich kann mich glücklich schätzen, dass ich pünktlich nach Einbruch der Krise über meinen Schatten und in eine Beziehung gesprungen bin. Damit gehöre ich nämlich offiziell zu den Menschen, die ganz legal Sex haben können während der Zeit von Ausgangssperren und Kontaktverbot. Aber gut, das ist eben auch nicht umsonst eine Poly-Beziehung. Einerseits wollen wir ganz bewusst nicht monogam sein, andererseits gibt es ja auch bestehende Beziehungen, die wir nicht einfach so wegwerfen (wollen). Also irgendwie sind wir eben doch nicht ganz komplett.

Aber da geht es ja schon los. Ist es für uns „Polys“ okay, wenn wir uns weiterhin nicht all unseren Liebhabern treffen? Natürlich nicht! Und das macht es dann plötzlich kompliziert. Wie viel ist okay? Und wie viele Kontakte hat womöglich ein anderer poly lebender Liebhaber?! Es wird dann plötzlich zu einer moralischen Frage. Im Grunde ist das wie Sex ohne Kondom oder russisches Roulette. Beides ist risikoreich, wie Corona eben auch. Also sehe ich zur Zeit im „echten Leben“ nur MK und T. Manchmal sehe ich auch Captain Fox, das aber nur im Zusammenhang mit meiner besten Freundin. Ja…doch das kommt so ungefähr hin. Und irgendwie ist das dann auch ein bisschen unfair. Familien dürfen zusammen sein, aber ich darf nicht jeder meine Beziehungen gerecht werden. Ich weiß natürlich, dass es objektiv gesehen andere Gründe hat, die ich akzeptiere. Aber mal von der Beziehungsebene aus betrachtet ist das schon schwierig.

Nun bin ich zum Glück in der vorteilhaften Situation, dass der Sex mit MK alles andere als 08/15 ist. Im Gegenteil…jedes Mal ein kleines oder auch großes Highlight. Letztens hat er mich in einige sexy Outfits gesteckt, um zu sehen, was mir so steht. Am Ende trug ich einen hautengen schwarzen Body mit Aussparungen an den Brüsten und im Schritt, dazu passende lange, schwarze Handschuhe und Overknees. So fixierte er mich zunächst an der Zimmerdecke mit Ketten und und versohlte mir den Hintern. Ich musste natürlich zählen… Später fesselte er mich bewegungsunfähig an sein Bett. So lag ich dort wehrlos mit verbundenen Augen, während er mich endlos mit dem Doxy teaserte. Welch süße Qualen musste ich erleiden. Immer kurz vor dem Höhepunkt, nach einer Stunde beinahe zu allem bereit, um endlich kommen zu dürfen. Und wieder später zu allem bereit, um nicht noch mehr kommen zu müssen… ich liebe dieses Spiel.

Zum Thema „Sex in times of Corona“ noch ein kleiner Exkurs an dieser Stelle. Ich habe ja ein paar Beziehungen zur Berliner Porno-Szene. Mein Freund und seine Crew haben die Zeit genutzt, um einen kleinen Soli-Porn zu drehen, der eben diesen Titel trägt. Der Streifen zeigt auf witzige und ironische Weise vielfältige Möglichkeiten, sich auch unter Beachtung der Kontaktbeschränkungen sexuell zu vergnügen. Den ganzen Streifen kann man sich ansehen, nachdem man einen beliebigen Betrag an den BesD (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleitungen e.V.) gespendet hat. Wie man sich vorstellen kann, sind die Menschen in diesem Gewerbe auch sehr stark von der Krise betroffen und haben teilweise keine Möglichkeiten, irgendwelche Förderungen zu beantragen. Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, schaut mal bei Instagram oder Facebook. Spendet und erfreut euch an dem Filmchen.

Wie ihr also seht, haben sich meine zahlreichen Beziehungen auf mehr oder weniger zwei reduziert. Mit mehr oder weniger meine ich, dass ich natürlich mit vielen anderen virtuell in Kontakt bin, ich aber merke, dass es einfach nicht das Gleiche ist. Es gibt da die Beziehungen, die rein freundschaftlich auch mal eine zeitlang ohne Sex auskommen. Hier stand der Sex an sich aber auch bisher nicht so stark im Fokus. Dazu zählen auf jeden Fall Captain Silver und der attraktive Single. Wir telefonieren regelmäßig und treffen uns auch dann und wann auf ein Distanzbier. Und dann gibt es die Beziehungen, die immer durch regelmäßige sexuelle Interaktion am Laufen gehalten wurden. Und da merke ich aktuell eben schon, wie hier auch die Kommunikation einschläft und unregelmäßig wird. In die Kategorie fallen der SM Boy und auch der Architekt. Ich mache niemandem daraus einen Vorwurf. Die Dinge sind, wie sie sind. Und dennoch macht mich das irgendwie traurig. Es macht mich sogar sehnsüchtig. Ich mochte vor C alle meine Beziehungen so wie sie waren. Gerade die Vielfalt und die individuellen Vorzüge des jeweiligen Partners machten für mich den Reiz aus. Abwechslung, unterschiedliche Themen, unterschiedlicher Sex, unterschiedliche Schwänze…

Manchmal werde ich ganz depressiv deswegen. Ich weiß, es ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Immerhin bin ich nicht allein und ich werde geliebt und ich bin gesund usw…. Aber ich kann es nun mal nicht ändern, dass ich mich einfach nicht komplett fühle. Ein Teil meines Lebens kann gerade nicht leben. Ich bekomme nur einseitig Luft. Und in solchen Phasen lasse ich mir auch nur ganz schwer mit einem „freu dich an dem, was du hast helfen“ (auch, wenn das natürlich stimmt). Aber dann bin ich eben traurig und trotzig und wütend auf…. Ja, auf wen denn eigentlich? Und genau das ist das Problem. Ich bin wütend, weil ich mal wieder die Kontrolle verliere. Weil das höhere Gewalt ist. Weil ich nicht mehr planen kann. Und ich kann nicht einmal jemandem die Schuld dafür geben. Das frustriert mich und macht mich richtig traurig. Dann ist plötzlich alles nur noch schwarz-weiß, ich kann mich an gar nichts mehr erfreuen, möchte nur noch weinen und mich in einem tiefen Loch vergraben. Und da komme ich erst wieder raus, wenn der ganze Spuk vorbei ist.

Aber wann verdammt nochmal soll das sein? Wann ist denn endlich dieses „vorbei“?!
Tja, ich kann wohl noch so viel mit meinen wütenden Fäusten gegen Wände hauen und noch so oft aus Wut und Traurigkeit auf „meinen Berg“ rauf fahren. Das wird an all dem nichts ändern. Niemand wird mir diese Frage beantworten können. Niemand kann sagen, welche Prüfungen uns in den nächsten Monaten noch bevor stehen.

Und so bleibt mir leider nur eine Sache: Abwarten. Achja und noch eine: mich an den Dingen erfreuen, die ich habe und die glücklichen Momente umso mehr genießen. Ich hoffe sehr, dass das jedem einzelnen von euch auch gelingt. Es ist alles gut, solange wir die Hoffnung nicht aufgeben. Und dennoch haben wir das verdammte Recht auch mal traurig und wütend zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s