FantaC Vol. XI: Beziehung(en)

Als dieser Beitrag noch ein Entwurf war, standen hier zwei Zeilen:
„Ich brauche niemanden, der auf mich aufpasst.“ und “ Ich bin gern allein.“ Das stimmt jetzt beides auch noch. Aber die Dinge haben sich verändert. Ich bin gar nicht sicher, wo ich anfangen soll…

Das gleich vorweg: es geht um MK. Wer aufmerksam gelesen hat, weiß das bereits. Die Sache läuft ja mittlerweile schon seit Herbst. Oder, wie er sagen würde seit Sommer, also schon beinahe ein Jahr. Um Weihnachten herum war ich diejenige, die Gefühle hegte, so ein ständiges Kribbeln und ein leichtes Verlangen nach mehr. Allerdings war ich mir eigentlich überhaupt nicht sicher, was ich eigentlich wollte. Er gab mir dann einen Korb, oder viel mehr einigten wir uns darauf, dass wir im Grunde beide nicht wirklich bereit waren für eine Beziehung dieser Art. Wir ließen es laufen, sahen uns weiterhin und für einige Wochen entspannte sich alles. Ich machte mir kaum noch Gedanken, was das sein sollte und wohin es führen konnte. Ich nahm es, wie es war.

Das Ganze ging bis zum Einbruch (oder Ausbruch?!) von Corona auch gut. Mit den Problemen und Sorgen, die uns die Situation bescherte, konnte ich mit der Beziehung zu MK kaum noch umgehen. Ich hatte so gut wie kein sexuelles Interesse mehr an ihm, ich konnte mich nicht anlehnen und ihm keine Schulter bieten. Es ging sogar soweit, dass ich vollkommen davon überzeugt war, ihn nicht mehr leiden zu können und dass wir ohnehin sowieso überhaupt nicht zusammen passten. Von heute auf morgen fühlte ich mich erdrückt, ich bekam keine Luft mehr und hatte nur noch einen Gedanken: Flucht! Und das tat ich. Ich schrieb ihm kurz und knapp, dass ich Zeit für mich bräuchte, ohne Erklärungen ohne alles. Glanzleistung. Aber für mich war es zugleich eine Erleichterung. Ich konnte nicht anders.

Kurz darauf meldete sich Captain Fox bei mir. Er hätte aus einem Gruppenchat gelesen, dass MK wieder Single sei. Ich wurde sofort ziemlich wütend: Ich fühlte mich verraten und missverstanden. Zum einen waren wir für meine Begriffe nicht zusammen gewesen, zum anderen ging das einfach mal wirklich niemanden etwas an. Das Sauersein half mir auch irgendwie. Immerhin konnte ich so die Trauer, die in mir hoch stieg, unterdrücken. Aber ja, fuck, ich war traurig und ich vermisste ihn.
Das merkte ich erst so richtig, als ich mich am nächsten Tag mit Captain Fox auf einer vertrauliches Gespräch traf. „Ich brauche Zeit für mich“ sei eigentlich der Code für „Ich mache Schluss mit dir!“. Das wurde mir schmerzlich klar. Und auch so, hatte ich mich eigentlich wie ein Arschloch verhalten. Es tat mir unglaublich leid. Auf das liebevolle Drängen von Captain Fox hin, meldete ich mich bei MK und erklärte ihm, was in mir vor sich ging. Und ich entschuldigte mich, weil ich mir wirklich mies vor kam.

Wir beschlossen, dass wir uns bald noch einmal zum Reden sehen wollen. Es tat gut, dass er „noch da“ war, aber das flaue Gefühl im Magen blieb.
Am nächsten Tag entschloss ich, mich endlich einmal dem Buch „Jain“ zu widmen. In dem Buch geht es um Bindungsängste. Eine Freundin hatte es mir vor einem Jahr schon geschenkt, ihr hatte es sehr geholfen und sie brauchte es nicht mehr. Meine beste Freundin war von dem Buch auch sehr angetan. Monatelang sträubte ich mich gegen diesen Ratgeber, bzw. hatte einfach keine Ambitionen dafür. Ich war als Single ja alles andere als unglücklich. Aber irgendwie schien nun der Moment gekommen zu sein. Und tatsächlich war ich überrascht. Dieses Buch zeigte mir, dass das was ich da fühlte, echt war. Und es war mir noch nie so deutlich aufgefallen wie jetzt. Ich bin ein Bindungsphobiker. Dieses Ganze auf und ab, hin und her, Nähe und Distanz ist sehr typisch dafür. Und allein das „Verstandenwerden“, das Gefühl zu haben, dass ich nicht vollkommen verrückt bin, half mir und machte mir Mut. Bald verstand ich auch, dass nicht mein gestörter narzisstischer Ex-Mann die Ursache allen Übels war. Er hatte es eigentlich nur noch schlimmer gemacht. Die Probleme mit Bindungen habe ich schon sehr viel länger. Und auch, wenn ich es lange nicht wahrhaben wollte, die Geister kommen defintiv aus meiner Kindheit, in der ich einige Vertrauensbrüche erleben musste. Aber das auszuführen, würde an dieser Stelle zu weit gehen. Ich realisierte jedenfalls schnell, dass eigentlich alle meine bisherigen Beziehungen irgendwie voll verkorkst waren. Und ich war es offensichtlich auch.

Dieses Wissen ermutigte mich, es nefreite mich regelrecht. Ich konnte es zum ersten Mal klar in Worte fassen. Und auch wenn ich ganz schön die Hosen voll hatte, als ich das nächste Mal zu MK fuhr, hatte ich ein bisschen Hoffnung, dass vielleicht alles gut werden könnte. Ein anderer Teil hatte absolut keine Lust auf dieses Gespräch und ein weiterer Teil ging fest davon aus, dass er mich hinterher sowieso nie wieder sehen wollte. Ich war nervös wie ein kleines Kind.

Wir gingen raus und setzten uns auf eine Wiese. Das Wetter war schön und nach einigem Smalltalk gab es kein Entrinnen mehr. Ich erzählte ihm alles, was in den letzten Tagen und auch Wochen in mir vorgegangen war, ehrlich, schonungslos und ohne Tabus. Und spätestens jetzt merkte ich, wie verletztend mein Verhalten teilweise gewesen war und das wiederum verletzte mich. Er bedeutet mir viel, soviel wusste ich. Wir teilten etwas Besonderes. Er hörte mir aufmerksam zu und gab hier und da seine Meinung kund. Das Gespräch war angenehm und es erleichterte mich.

Dann fragte ich ihn endlich, was er denn wollte. Denn dieser Wandel von „ich will ihn“ zu „er will mich“ war irgendwie schleichend von statten gegangen und irgendwie hatte ich den ein bisschen verpasst.
Was folgte rührte mich. Er sagte, er denke oft an mich und wolle gern bald wieder mit mir essen gehen, reisen, ficken, quatschen, zusammen sein, mit mir auf Partys gehen, mir dort meinen Spaß gönnen, selbst Spaß haben, ich solle ruhig auch zu anderen Männern gehen, solange ich zu ihm als Basis zurückkehre. Auch seine Augen wurden glasig. Ich war ergriffen. Das war so ziemlich das Schönste, was ich je gehört hatte. Ein Traum sollte wahr werden?! Ich konnte es kaum glauben.

Und Achtung, jetzt wird es kitschig. Er fragte mich daraufhin, ob ich ihn küssen wolle. Und wir küssten uns, so wie wir uns zuvor noch nie geküsst hatten, wir waren vollkommen im Flow. Und plötzlich sagte er die magischen drei Worte „Ich liebe Dich!“…
Ich weiß nicht, er von uns sich mehr erschreckte. Jedenfalls war es ein krasser Moment. So echt, so ehrlich, so vollkommen ohne Erwarungen. Und ich? Ich blieb, ich spürte es und zog ihn ganz fest an mich. Ich hielt ihn fest und hielt mich an ihm fest und es fühlte sich gut an. Das wäre alles, was er wollte. Und in mir machte sich ein Gefühl von Sicherheit breit. Das war so fucking romantisch. Hach….
Wie wir den Rest des Nachmittags verbrachten, muss ich sicher nicht extra erwähnen…Und auch das plötzlich noch krasser, anders, inniger…

Natürlich sind wir nicht naiv. Wir wissen, wir haben beide unsere Macken und die Geister der Vergangenheit sind dadurch jetzt nicht ein für alle Mal vertrieben. Aber wir haben eine realistische Chance, auch wenn die uns sicherlich hin und wieder in ein Chaos stürzen wird. Aber diese Ehrlichkeit damit hilft uns. Und auch er hat manchmal Angst, Zweifel, ist unsicher. Seit unserem Gespräch ist nun eine gute Woche vergangen. Und seitdem gab es auch schon Situationen, wo uns unsere Geister jeweils die schlimmsten Dinge ins Ohr flüsterten. „Was, wenn ich sie nicht wirklich liebe und ich es nur gesagt habe, um sie glücklich zu machen?“
„Was wenn ich mir seiner Gefühle nie sicher sein kann?“
„Was, wenn wir uns in wen anders verlieben?“
usw….
Fakt ist, 100% Sicherheit gibt es nicht. Das weiß ich mittlerweile. Und ich komme damit klar. Den Gedanken, verletzt zu werden, oder ihn zu verletzten ertrage ich nach wie vor kaum. Und dennoch bleibe ich.

Einen Tag später nannte ich ihn zum ersten Mal meinen Freund. Weitere drei Tage später war auch ich im Stande, ihm meine Gefühle ins Gesicht zu sagen. Und es fühlt sich gut an.
Ob wir uns etwas vormachen? Ob es nur wegen irgendeines Reizes gerade so schön ist? Wer weiß das schon genau?
Wann bin ich verdammt nochmal so mutig geworden? Verrückt!
Ich habe Schmetterlinge im Bauch. Und ich genieße meine positiven Vibes.

Ich bin nach wie vor gern allein und mache mein eigenes Ding. Genau wie er und das akzeptieren wir. Auch darüber hinaus haben wir keine Tabus. Heißt, wir können andere daten und tun, was uns gefällt, weil wir uns als Basis weiter spüren. Er sagte zu mir, es sei wie ein Salat, von dem man immer wieder knabbern kann und der dann aber auch immer wieder Zeit zum nachwachsen braucht. Und so kann man immer und immer wieder von dem leckeren Salat essen.

Manchmal kann ich es kaum glauben. Passiert das gerede wirklich? Das habe ich mir immer gewünscht.
Ich bin glücklich.
Aber ich habe auch Angst.
Angst, dass ich mir selbst nicht trauen kann.
Angst vor dem zu hohen Flug und dem zu tiefen Fall.
Aber meine Fortschritte kann mir keiner mehr nehmen. Und ich denke, es wird Zeit, mutig zu sein und mir und uns zu erlauben, das Glück mit vollen Händen abzuschöpfen.

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