FantaC Vol. I: Akzeptanz

Okay, ich bin soweit. Ich akzeptiere nun wirklich innerlich und äußerlich und überhaupt die aktuelle Situation. Ich wehre mich nicht mehr, ich bin angekommen. Ich meckere nicht mehr (oder zumindest nicht mehr jeden Tag). Ich suche nach positiven Aspekten. Ich suche Beschäftigung und ich suche geistige Herausforderungen. Und da ich in den letzten Wochen hier etwas nachlässig war, habe ich beschlossen eine Serie zu starten. Deswegen auch der Name FantaC (Fantasy, C für…na ihr wisst schon). Dies hier soll eine kleine Sammlung von fiktiven Geschichten sein. Davon, wie unsere Welt nach der Coronakrise aussehen könnte und was sich mit uns, der Wirtschaft, der Gesellschaft und allem so verändern könnte.

Ich habe eine harte Woche hinter mir und ich bin mir nicht sicher, ob es mir jeden Tag gelingt, positiv zu denken. Aber ich werde es versuchen.
Am Freitag habe ich einen meiner Jobs verloren. Das war der Moment in dem mir klar wurde, dass auch ich von den wirtschaftliches Tiefschlägen, die diese Krise mit sich bringt mehr als betroffen bin. Es machte mich traurig und wütend zugleich, von Angst ganz zu schweigen. Ich wollte heulen und um mich schlagen. Ich fühlte und fühle mich hilflos und ungerecht behandelt. Wieso können manche gerade entspannen, weil sie ohnehin nicht arbeiten können?! Wieso gibt es einige, für die das hier gerade soetwas Urlaub ist?! Warten wir mal ab und machen dann weiter. Das ist nicht fair! Und dann gibt es die, die echt Stress haben und sich jeden Tag der Gefahr der Ansteckung aussetzen, weil sie „systemrelevant“ sind. Ich kann dieses Wort schon beinahe nicht mehr hören. Diese ungleiche Verteilung regt mich maßlos auf.

Naja und dann gibt es mich. Ich bin nicht systemrelevant. Aber ich bin eben ich und ich habe auch Angst um meine Existenz, so wie ganze viele andere Menschen aktuell. Aber verdammt nochmal, das ist zwar schön und gut, aber es hilft mir eben nicht im Geringsten, wenn ich mir das immer wieder sage, dass ich ja nicht die einzige bin. Das macht die Situation sowas von überhaupt gar nicht besser. Und ganz ehrlich liebe „Sichere“, von „entspann dich, mach was anderes“ kann ich meine Miete eben leider auch nicht bezahlen. Darüber habe ich mich am Freitag ziemlich aufgeregt und das war extrem anstrengend und sehr emotional für mich. Hinzu kommt, dass man teilweise gar nicht mehr weiß, was moralisch noch geht und was nicht. Aber das ist jetzt mit den neuen „Regeln“ ja zum Glück etwas eindeutiger geregelt.

Ich habe auch lange diskutiert darüber, was denn aktuell noch moralisch vertretbar sei, was das Rausgehen und Leute treffen angeht. Ich will keine Partys feiern, ich will aber auch nicht wochenlang isoliert leben. Ich drehe durch. Deshalb kann ich es verstehen, wenn aktuell gezögert wird, was eine Ausgangssperre in Berlin angeht. Herzlichen Glückwunsch liebe WGs und Familien. Aber was ist mit uns Singles? Ich bin eben ein Mensch, der gerne in Gesellschaft ist. Ich habe kein Problem mit dem Alleinsein, aber das geht eben nicht auf Dauer. Und so geht es vermutlich vielen Berlinern. Man würde ja nicht in Berlin leben, wenn man den Lifestyle nicht mögen würde.

Also wie gesagt, ich habe mich den ganzen Freitag darüber geärgert und dachte mir eigentlich insgeheim, dass man direkt Ausgangsperre hätte verhängen sollen, vor einer oder gar zwei Wochen. Dann wären wir jetzt vielleicht schon etwas weiter. Dann hätten vielleicht ein paar der Corona-Partys gar nicht stattgefunden.
Ich muss sagen, mir ist auch gar nicht nach feiern zu mute aktuell.

Aber, ich kann auch nicht die ganze Zeit Trübsal blasen. Das ist nicht mein Ding, ich bin eine Kämpferin und niemand, der den Kopf in den Sand steckt. Also habe ich mich einen Abend lang mit Alkohol getröstet, um dann am Samstagmorgen voller Energie aufzuwachen und mit positiven Gedanken in den Tag zu starten. Tagsüber habe ich mit einer lieben Freudin einen kleinen Ausflug in die Natur gemacht. Am frühen Abend war ich wieder zu Hause, gönnte mir ein Bad inkl. einem guten Rotwein und fing an, liebe Menschen anzurufen und zu kontaktieren.
Ich telefonierte beim Baden mit MK, den ich zur Zeit sehr doll vermisse über Videocall. Und auch, wenn es natürlich nicht das Gleiche war, wie die Person hautnah zu sehen, war es irgendwie schön. Ich machte drei weitere Anrufe und beschloss, dass ich jetzt jeden Tag geliebte Menschen anrufen werde. Ich glaube, das ist wichtig. Die meisten würde ich ja irgendwie regelmäßig sehen und wir würden uns austauschen. Da das nun wegfällt, kann man nicht immer nur mit den Leuten schreiben, ich denke, dass man so viel leichter Draht verliert.

Natürlich geht es bei den meisten Anrufen am Ende doch wieder um Corona und die größeren oder kleineren Probleme, die jeder so hat. Aber viele denken auch weiter und so entstehen interessante Diskussionen über die Gesellschaft, Spinnereien darüber, wie es weiter gehen wird, wenn wir die Krise erst einmal überwunden haben. Und das finde ich mehr als spannend. Ich glaube, dass wir insgesamt etwas näher zusammen rücken werden. Und jeder, der ein bisschen was im Kopf hat, schaut sich all die Egoisten an, die sich jetzt bloßstellen mit Hamsterkäufen und Rücksichtslosigkeit und greift sich an den Kopf. Und diese negativen Beispiele helfen uns, uns zu besinnen, nachzudenken und ihnen nicht zu folgen.

Und so wird jeder oder werden viele sein/ihr ganz persönliches Corona-Projekt finden. Sei es Homefitness, Kochen, Stricken, alle Lieferservices durchprobieren, Bücher im Regal nach Farbe sortieren, Frühjahresputz oder einfach nur ein Netflix-Marathon.
Ich habe beschlossen, alle Gedanken, die durch den Austausch mit lieben Menschen zustande kommen, in meiner FantaC-Serie festzhalten.
So kann ich meinen Kopf sortieren, andere haben etwas zum lesen und vielleicht rege ich den ein oder anderen dazu an, sich selbst Gedanken über sich, die Zukunfts-Welt und unser jeweiliges Zukunfts-Ich zu machen. Über regen Austausch unter meinen Beiträgen freue ich mich jedenfalls.

In diesem Sinne, seid gespannt und bleibt gesund!

3 Gedanken zu “FantaC Vol. I: Akzeptanz

  1. Dieses trügerische Feeling „Hurra, wir haben alle Urlaub“ hat mich in der letzten Woche sehr nachdenklich gemacht. Es ist bei vielen Freiberuflern und Selbstständigen schon letzte Woche angekommen.
    In der nächsten Woche werden vermehrt auch Nicht-Selbstständige mit den Folgen von Kurzarbeit leben müssen. Wir werden uns verändern (müssen).
    Du hast für Dich einen guten Umgang gefunden (wie ich finde) Kontakte zu halten! Halt die Ohren steif, hoffentlich wird das was an Hilfen angekündigt wurde auch bei den ankommen die es wirklich brauchen!

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  2. Das Wichtigste als Freiberufler ist, sich zu immunisieren gegen diese Quatschköpfe die glauben, das sei sowieso alles nur Hobby. In der Zeit stand dieser Tage ein Artikel, in dem vier Solo-Selbstündige erzählen. Wenn Du Dir dann die Kommentare dazu durchliest… Puuh! Einerseits in komprimierter Form das, was ich seit 25 Jahren immer wieder höre. Andererseist die Erkenntnis, wie viele dumme Leute die Zeit lesen.
    Bleib gesund!

    Gefällt 1 Person

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