Jahrestag

Manchmal bin ich wirklich ein bisschen verrückt, was Jahrestage, Jubiläen und Erinnerungenm angeht. Vielleicht ist es auch nur ein Zufall, dass ich ausgerechnet jetzt, zwei Jahre nachdem mein Ex-Mann mich verlassen hat, wieder mehr an ihn und allgemein an verflossene Beziehungen denke.
Vielleicht liegt es daran, dass es mir vor genau zwei Jahren so mies wie noch nie ging. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es mir jetzt zwei Jahre später so gut wie noch nie geht. Gut, das könnte übertrieben sein. Aber in Anbetracht dessen, was ich durchgemacht und erlebt habe, was ich erfahren und überwunden habe, kommt es mir gerade wirklich so vor.

Ich meine Hallo?! Wie krass ist das eigentlich?!
Jetzt, da meine Tage im alten Job gezählt sind, wird alles so langsam aber sicher echt realistisch. Und ich sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin etwas traurig, hier nun nach mehr als sechs Jahren allein die Tür zuschließen zu müssen. Aber ich bin auch verdammt stolz auf alles, was ich in der Zeit erreicht habe. Und ich habe das Gefühl, ich bin super motiviert. Die kleine Auszeit zwischen den Jahren war vermutlich doch nicht ganz verkehrt. Außerdem kommen Menschen auf mich zu und wollen mit mir arbeiten, weil sie mich kennen und meine Arbeit schätzen. Besser kann es ja wohl nicht sein. Ich habe noch nicht mal angefangen und habe schon einen Namen.

Privat kann ich mich im Moment auch überhaupt nicht beschweren. Ich habe tolle Freunde, tolle Liebhaber und ein tolles, freies und selbstbestimmtes Leben. Ich lerne tagtäglich dazu. Ich lerne auf mich zu achten und, dass es manchmal extrem befreiend sein kann, auch mal nein zu sagen.

Also warum suchen mich dennoch die Geister jede Nacht heim? Vermutlich ist es wirklich dieses „vor genau zwei Jahren“ Ding. Ich denke nach, bzw. lasse die Geister ihre Bahnen ziehen und verschwinden. Auch das hat sich verändert. Ich bin nicht mehr traurig, sondern froh und dankbar, dass dies die Geister der Vergangenheit sind. Ich sehe plötzlich alles so klar. Und ich möchte am liebstens sagen: Schau mich an, schau, was aus mir geworden ist. Ohne DICH!

Nachdem ich kurz nach Weihnachten diesbezüglich eine kleine depressive Phase hatte, ist es jetzt alles so klar! Seine Fehler, meine Fehler, alles was nicht zusammengepasst hat. Als hätte es jemand in großen leuchtenden Buchstaben vor meinem inneren Auge aufgeschrieben. Und das gilt nicht nur für die Beziehung zu meinem Ex-Mann, sondern auf für die mit dem Koch und dem Wolf. Wobei beim Wolf auch immernoch ein wenig Trauer mitschwingt. Aber insgeheim glaube ich, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht mehr zusammen passen würden, zumindest nicht so, wie es damals war.

Und insofern bin ich auch den Geistern dankbar, dass sie mich hin und wieder besuchen und mir zeigen, was ich nicht mehr will. Und was ich nicht mehr bin. Und was ich nicht mehr brauche.

Darüber hinaus bin ich aktuell ja noch immer zum sexuellen Detox gezwungen, bis meine Piercings verheilt sind. Insofern habe ich mehr Zeit, mich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Auf meinen Job zum Beispiel und auch auf meine Rolle als FemDom, die ich aktuell versuche weiter zu entwickeln. Bei diesem Thema jucken mir ja schon lange die Finger.

Es ist unglaublich befreiend, dass ich mich damit abfinde, bestimmte Dinge eben gerade nicht tun zu können. Und ich habe dabei auch nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasse. Denn, das habe ich gelernt, was echt ist, das bleibt. Und wenn ich diesen Monat nicht auf die Party gehen kann, dann gehe ich eben nächsten Monat. Ich liebe meine Sexualität, aber ich merke, dass sie eben auch eine Menge Raum einnimmt und Zeit beansprucht.
Ich möchte nicht wieder so fertig und erschöpft sein, wie im Dezember, wo mir mein ganzes Leben so unglaublich anstrengend erschien, denn das ist es nicht.

Ein Gedanke zu “Jahrestag

  1. „sexueller Detox“ 😅
    Sehr gut formuliert

    Es tut aber generell gut, sich wieder mehr auf auch selbst zu fokussieren und bei sich zu bleiben, finde ich.
    Solche Retrospektiven kenne ich übrigens auch 😊wenn
    Ist doch super schön zu erkennen, dass es einem inzwischen besser geht als noch vor 2 Jahren.

    Gefällt 1 Person

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