Weihnachten

Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto weniger weihnachtlich ist dieses ganze Weihnachten. Oder ist Weihnachten tatsächlich nur etwas für Verliebte?

Ich will mich wirklich nicht beschweren. Ich mag die Zeit mit meiner Familie sehr gern. Ich liebe den heiligen Abend, der jedes Jahr gleich, aber eben doch nicht der selbe ist. Baumschmücken, Tomatensuppe essen, spazieren, Kaffeetrinken, singen, Geschenke auspacken, Essen und irgendwann von der Couch ins Bett rollen. Manchmal gehen mein Bruder und ich auch noch in den nahegelegenen Club. Aber die Stimmung dort war dieses Jahr echt zum Gähnen. Und ich fühlte es diesmal deutlich, dass ich eben einfach nicht mehr hier her gehöre.

Und zu den Verliebten gehöre ich eben auch nicht. In diesem Jahr bin ich die einzige am Familientisch ohne festen Partner. Das stört mich an sich ja nicht. Ich bin ja gerne Single. Und dennoch kommt sie wieder, die Sehnsucht nach Gefühl.

Es gibt jemanden, der mein Herz höher schlagen lässt. Es hat sich nicht verändert, dass ich ein kleines freudiges Pieksen in der Brust spüre, wenn auf meinem Handy sein Name aufblinkt. Und ich hätte die Weihnachtstage mit niemandem lieber verbracht, als mit ihm. Aber ist es nur die Sehnsucht nach etwas, was unerreichbar ist? Nach einer Utopie in meinem Kopf? Bin ich mittlerweile einfach zu verkopft, um dieses Gefühl einfach auszuhalten, es zu genießen?!

Aber so wirklich einfach ist es eben echt nicht. Ich weiß zwar, dass ich für ihn nichts von meiner Freiheit aufgeben müsste. Und dennoch würde es bedeuten, einen Teil von mir teilen zu dürfen. Und die hoffnungslose Romantikerin in mir findet das unglaublich schön. Und der rationale Part schreit laut um Hilfe und hat bereits die Laufschuhe wieder angezogen.

Und irgendetwas in mir wünscht sich, er würde mir die „Entscheidung“ abnehmen. Aber es ist eben nun mal keine ja oder nein Frage, keine rationale Entscheidung. Und ich bin ratlos und verwirrt. Ich hätte gern mehr Zeit. Zeit mit ihm. Ich bin mir sicher, diesmal ist es nicht nur das übliche Verknalltsein, was ich gut kenne und was schnell wieder vorbei geht. Und ich glaube die Intensität schreckt mich schon wieder ab. Und dann ist da schon wieder Angst. Verlustangst. Kontrollverlust. Der ewige Teufelskreis. Und natürlich will ich auch ihm keinen Schaden zufügen mit irgendwelchen romantikgesteuerten Reaktionen.

Er bringt Gutes in mir hervor. Lässt mich meine eigenen Grenzen überwinden. Wir ergänzen uns und sind uns ähnlich. Wir verstehen uns manchmal auch ohne Worte. Rosarote Brille, oder wirklich?

Was ist los, fragt mein müder Kopf meinen Bauch. Warum fühlst du dich so flau? So als wären 1000 Schmetterlinge drin, die zu Heavy Metal im Kreis fliegen und dafür sorgen, dass sich die Eingeweide verdrehen. Warum wird mir so schlecht, dass ich mich krank fühle? Was ist das nur?

Keine Antwort, kein blauer Dunst. Woher soll ich denn wissen, was ich will? Angst? Oder ganz klassisch der falsche Zeitpunkt?

Und mit diesem unsicheren Gefühl mache ich mich wieder auf den Weg in mein geliebtes Berlin. Freue mich auf Arbeit und Einsamkeit, aber auch auf die schöne andere Vertrautheit.

Und ich habe keine Ahnung, was ich will. Habe ein Silvesterdate, was mir Unbehagen bereitet. Einfach, weil ich mich diesem Menschen nicht so ahe fühle und doch lieber wen anderes an meiner Seite wüsste…

Vermutlich sollte ich auf Herz und Gefühl hören. Ich will nicht zerrissen sein. Und ich will nichts, was ich nicht will. Nicht jetzt, nicht in diesem Jahr. Einmal nicht innerlich im Unreinen sein. Wenn es nur alles so einfach wäre…

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