Die Macht der Träume?!

Nachdem ich aus Athen zurück gekommen bin, hatte ich beschlossen, eine Baustelle in Angriff zu nehmen, die schon seit langem offen ist: Schlafen!
Solange ich denken kann, bin ich ein sensibler Grübler. Sobald irgendetwas aus dem Gleichgewicht fällt, fängt mein Kopf an zu arbeiten und das tut er dann Tag und Nacht ohne Pause. Die Folge: Schlaflosigkeit, oder zumindest ewig langes Hin- und Herwälzen mit quälenden Gedanken, die nach und nach immer mehr und mehr Gedanken wach machen. Eine Zeit lang habe ich diese Gedanken mit Alkohol betäubt. Aber wie bekannt ist, ist das nun mal einfach keine Dauerlösung.

Dann habe ich echt viel probiert: Einschlaftees, Baldrian, CBD, Hörspiele, Musik, Meditation… Diese Sachen funktionierten so bedingt bis gar nicht. Hinzu kommt mein doch recht unregelmäßiger Lebensstil, langes Feiern am Wochenende etc. Alles Dinge, die sich nicht sonderlich positiv auf den natürlichen Schlafrhythmus auswirken. Und nach jedem gescheiterten Versuch war ich noch etwas mehr entmutigt und verließ mich am Ende doch auf meinen besten Freund den Rotwein. Das wiederum machte mir dann ein schlechtes Gewissen, weil ich wieder schwach geworden war und versagt hatte. Es war ein Teufelskreis, der sich insgesamt in sehr schlechter (Kater-) Stimmung nieder schlug.

Aktuell versuche ich es mit einem leichten Mittel, welches mein Therapeut empfohlen hat und mit dem ich vor einigen Jahren schon einmal ganz gute Erfahrungen gemacht habe. Das heißt nun nicht, dass ich jede Nacht tief und fest schlafe, aber immerhin beruhigt es mich so weit, dass ich das manchmal doch etwas längere Wachliegen als nicht so frustrierend und Nerven aufreibend empfinde. Und ich „traue“ mich eben auch mal ohne Wein ins Bett zu gehen, was meinem Körper insgesamt sehr gut tut. Ein Nebeneffekt ist außerdem, dass ich wieder träume. Und zwar so richtig klare, realistische Träume. Man spricht ja immer davon, dass der Körper nachts viel verarbeitet und so… insofern werte ich das jetzt erst einmal als gutes Zeichen.

Heute habe ich mit meinem Therapeuten darüber gesprochen. Zunächst sah ich kaum Zusammenhänge, doch im Gespräch wurde mir einiges klar. Grob umrissen träumte ich mal wieder von meiner Hochzeit. Dabei heiratete ich ihn noch einmal, wusste aber schon, dass es falsch war, war aber unfähig, etwas zu sagen. Außerdem war das eine unliebsame Familienmitglied zu Gast. Auch hier konnte ich nichts sagen, obwohl ich zu gerne geschrien hätte, dass er hier gar nichts verloren hat. In einer anderen Nacht träumte ich vom Wolf und einem Wiedersehen. Das war ein schöner Traum und ich genoss seine Anwesenheit. Bei diesen Träumen weiß ich meist, dass ich schlafe und sie setzen sich auch fort, wenn ich zwischendurch aufwache. Was sie alle gemein haben? Es geht um unausgesprochene und ungeklärte Dinge. Nie habe ich meinem Ex-Mann meine Meinung offen ins Gesicht sagen können. Nie habe ich meinem Peiniger aus der Familie gegenüber treten können (bzw. wollen), ihn öffentlich an den Pranger stellen können, geschweige denn völlig offen vor meiner Familie über dieses Thema reden können. Auch der Wolf verschwand ohne Erklärung und ohne Lebewohl aus meinem Leben. Es ist, als wären das alles Dinge mit ungesagten Inhalten. Erlebnisse, die ich bisher nie ganz abschließen konnte und sie holen mich jetzt wieder ein. Ungewissheit bleibt zurück – auch ein Thema, was mich aktuell sehr beschäftigt.

Natürlich habe ich daran gedacht, die Konfrontationen nachzuholen. Aber ich bin einerseits vielleicht etwas zu bequem, andererseits glaube ich, dass mich das nicht in allen Fällen befriedigen würde und es wäre auch nicht in allen Fällen einfach so möglich die Person zu kontaktieren, bzw. ein Treffen oder Gespräch überhaupt zu realisieren. Zu einem guten Teil ist es auch Selbstschutz. Konfrontation bedeutet ja nicht nur, dass ich mich mit meinen eigenen Gefühlen noch einmal auseinander setzen muss, sondern dass die Reaktionen der Personen vielleicht sogar noch einmal neue Emotionen schüren, neue Wut, neue Trauer, neue Verzweiflung?!
Es kann natürlich auch befreiend sein und es könnte auch passieren, dass man um Vergebung bittet, eingesteht, wie leid einem alles tut. Alles ist möglich, darüber habe ich keine Kontrolle. Da haben wir sie wieder: die Kontrolle.

Ich habe keine Lust, wieder die Kontrolle zu verlieren. Über alle drei Begebenheiten habe ich die Kontrolle so gut es geht gewonnen, die Schuldgefühle abgelegt und mich soweit damit arrangiert, dass ich damit leben kann. Ich will das nicht mehr hergeben. Und deswegen kann ich mich auch nicht erheben und denjenigen gegenüber treten. Ich habe nach wie vor Angst, nicht stark genug zu sein. Ich habe Angst, dass sie in mir Emotionen auslösen, die ich nicht kontrollieren kann. Ich fühle mich nicht stark genug das durchzustehen, geschweige denn da drüber zu stehen.

Was tue ich nun also mit diesem Wissen? Ich muss meinen eigenen Weg finden. Ich muss mein eigenes Ventil öffnen, die Wut entweichen lassen. Vielleicht können Konfrontationen nur vor meinem inneren Auge stattfinden. Vielleicht kann Schmerz ein Ventil darstellen. Ich denke dabei an meine tiefgehenden Spanking-Sessions.
Wichtig ist, dass ich mir bewusst mache, dass all die Dinge und Erinnerungen und damit verbundene Emotionen nicht einfach so verschwinden und nie vollkommen weg oder vergessen sein werden. Sie sind immer noch da und sie sind ein Teil von mir. Ich muss die Gefühle annehmen und mir immer mal wieder die Zeit nehmen, sie zu spüren. Um für mich zu wissen, wie ich gerade dazu stehe. Und vielleicht besuchen mich die Geister dann etwas seltener in der Nacht.

Die Kunst besteht darin, sie da sein zu lassen, ohne ihnen zu viel Aufmerksamkeit zu geben, sie aber gleichzeitig nicht einfach links liegen zu lassen.
Träume können Schatten der Vergangenheit sein. Sie können aber auch einfach nur durch aktuelle Reize hervorgerufen werden. Der Kopf fügt den Reizen dann Bilder hinzu, die er damit verbindet, weil er sie kennt. Das heißt aber nicht gleichzeitig, dass die Bilder den Dingen entsprechen, die uns aktuell triggern. Unglaublich wie komplex das Gehirn funktioniert. Verstehen werde ich es wohl nie.
Zum Glück habe ich immer noch mein Herz, auf das ich hin und wieder lieber höre und das mich vom vollen Kopf ein bisschen ablenken kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s