Masken

Egal, wie sehr wir versuchen, möglichst authentisch zu sein in allen möglichen Lebenslagen, hin und wieder tragen wir alle Masken.
Wir tragen sie, weil wir uns selbst schützen wollen, weil es manche Situationen erfordern, in eine andere Rolle zu schlüpfen, oder weil wir manchmal einfach gern jemand anders wären. Hin und wieder wollen wir fliehen.
Aber sind wir dann jemand anders? Sind wir nicht mehr authentisch, wenn wir eine Maske tragen? Und wann genau sind wir eigentlich wir selbst?

Ich stehe total aus Masken. Ich liebe es, mich selbst zu inszenieren. Deswegen mag ich auch Motto-Partys und freue mich schon seit Wochen auf Halloween. Aber auch im Alltag trage ich fast jeden Tag eine Maske. Ich gehe zum Kleiderschrank, wähle ein Outfit, was entweder zu meiner Stimmung passt, sexy, verspielt, einfach oder eben dazu, was am Tag so ansteht. Gehe ich nur „nur“ ins Büro darf es etwas einfacher sein. Habe ich Kundentermine, sieht man mich im Business-Outfit. Wobei ich nicht die klassische Hosenanzug-Trägerin bin. Ich mag es auch hier extravagant. Ich gebe dem Ganzen gern eine persönliche Note. Zudem schminke ich mich gern aufällig mit Lidstrich und trage gern Lippenstift.
Zu Hause oder beim Kaffee mit Freunden trifft man mich dagegen im legeren Outfit. Je nachdem, was mir gerade in die Finger fällt. Make up und Haare sind mir dann auch nicht so wichtig. Gehe ich abends aus, mag ich es gern sexy-punkig. Und auf den Kinky-Partys? Dazu muss ich wohl nicht viel sagen! Weiniger ist mehr. So wenig wie möglich, aber dennoch aufregend genug, um nicht alles zu zeigen. Einfach nur nackt sein ist nicht mein Ding.

Nun ich stelle ich mir aber die Frage, welches dieser Gesichter denn nun mein wahres Ich ist? Oder ist es möglich, dass alle diese Erscheinungsformen mein Ich in sich vereinen? Bin ich nur komplett, wenn ich jede meiner Facetten gleichermaßen ausleben kann? Denn jedes meiner Outfits trage ich gern. Ich gehe nicht auf die Straße, wenn ich mich mit meinem Äußeren nicht wohl fühle.

Viele Anzugträger wirken maskiert. Ich empfinde mich im Business-Outfit selbst nicht als fremd. Ich mag es, weil ich meinen Job liebe. Und dennoch verstecke ich nicht meine individuellen Eigenheiten, wie bspw. mein Piercing. Und vielleicht gibt genau das mir die Authentizität. Ich fühle mich sicher und genau das kommt bei meinen Geschäftspartnern auch an. Und vielleicht ist es auch genau das was hängen bleibt. Frau L, die nicht 08/15 aussieht, sondern aus der Masse hervorsticht und trotzdem mit Professionalität glänzt.

Und ich glaube Authentizität ist genau das Stichwort. Wenn wir trotz Maske authetisch bleiben und immernoch unser einzig wahres Ich verkörpern, was in diesem oder jenem Moment nur eine andere Facette von sich Preis gibt, dann sind diese Masken kein Versteck. Sie unterstreichen nur unsere Persönlichkeit.
Nun mag es die geben, die sagen: Da scheiß ich drauf, wieso soll ich mich je nach Anlass anpassen?! Das sind die, die schon zu Schulzeiten in Jeans ins Theater gingen. Gut, jedem das Seine. Für mich persönlich hat diese Art der Anpassung etwas mit Respekt zu tun und in gewisser Hinsicht eben auch mit Professionalität.

Diese Authentizität hatte ich sehr lange nicht. Noch im letzten Jahr setzte ich so oft bewusst eine Maske auf, um mein Innerstes, meinen inneren Sturm zu verstecken, um taff zu wirken. Um etwas oder jemanden darzustellen, der ich nicht bin. Aber das brauche ich jetzt nicht mehr. Und mehr als einmal habe ich gemerkt, dass mich dieses versteckspiel immer wieder in eine Sackgasse führt.
Masken sind keine Masken im eigentlichen Sinne. Wer nicht authetisch ist, setzt sich diese symbolische Masdke selbst auf und das werden die Menschen, die einem gegenüber stehen auch merken.

T stellte mir letztens eine Frage, über die ich lange nachdenken musste. Was glaubst du, warum ich dich mag? Diese Frage sollte jeder einmal gestellt bekommen. Sie bringt einen dazu, über sein eigenes Ich nachzudenken. Darüber nachzudenken, wieso man sich selbst mag bzw., was man an sich selbst als liebenswert empfindet. Und das ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach.
Meine beste Freundin brachte mich dann der Antwort ein Stück näher. Sie sagte, ich habe eine liebe Seele und wer das sieht, der bleibt auch. Und in dem Moment, als ich die Worte verinnerlichte, spürte ich es. Ich war zu Tränen gerührt. Genau das ist es. Meine wahren Freunde bringen das Beste in mir zum Vorschein. Sie nehmen mich wie ich bin und genau deswegen sind sie gern mit mir zusammen. Sie wollen mich nicht verbiegen. Sie helfen mir damit, authentisch zu sein und meine liebe Seele zu zeigen, weil mir das Sicherheit gibt. T war der erste Mann, bei dem ich das wieder konnte. Ihm konnte ich mich öffnen und manchmal habe ich das Gefühl, er kann in meine Seele hineinschauen, weil er mehr als einmal schon vor mir wusste, was oder wer mir nicht gut tut.

Vermutlich werde ich Ts Frage nie mit eindeutigen Worten beantworten können. Aber tief in mir spüre ich etwas. Es ist so ein Gefühl… als wäre ich endlich komplett. Ein gutes Gefühl. Und genau deswegen bleiben die Leute bei mir, egal was sie sonst noch in mir sehen. Ich denke, ich strahle mittlerweile viel Zufriedenheit und Selbstsicherheit aus. ich bin eine Person, die weiß, wo sie hin will. Und wenn ich einmal unsicher bin, dann kann ich auch dazu stehen und weiß, welchen Menschen ich mich anvertrauen kann.

Ich brauche keine Masken mehr. Aber ich benutze sie sehr gerne.

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