Nennen wir es Schicksal

Wie ihr wisst, ist die Scheidung seit einiger Zeit Geschichte und wurde auch mit der Scheidungsparty ausgiebig begossen. Ich freue mich sehr, dass dieses Thema damit für mich tatsächlich einen Haken hat. Natürlich spreche ich noch hin und wieder darüber, aber ich bin dabei nicht mehr raurig. Vielleicht selten etwas wütend, aber wirklich nur ganz selten. Sein Name kommt mir kaum noch über die Lippen. Ich denke hin und wieder an ihn. Mal mehr, mal weniger. Er ist und bleibt Teil meines Lebens, aber eines vergangenen.

Eine schicksalfte Begebenheit gab es allerdings noch. Als ich am Morgen nach der Scheidungsparty (oder besser gesagt am Mittag) vollkommen fertig und verkatert aufwachte, machte ich mich direkt daran, die Wohnung wieder in Originalzustand zu versetzen. Es sah wirklich aus wie nach einem Gelage. Aber das war es ja auch. Ich räumte und wischte und wusch die ganzen Gläser aus. Nüchtern war ich sicher noch nicht. Beim Abwaschen fiel mir ein Weinglas ins Wasser und zersplitterte. Ich merkte den Schmerz zunächst nicht, sah aber überall Blut und mir wurde fast schwarz vor Augen.

Ich hatte mir genau auf Höhe des mittleren Fingerknöchlels des Ringfingers der rechten Hand tief in die Haut geschnitten. Ich versorgte die Wunde notdürftig. Der Schnitt war aber so tief, dass es Tage dauerte, bis es nicht mehr blutete. Ich ärgerte mich sogar ein wenig, dass ich es nicht hatte nähen lassen. Der Knöchel war angeschwollen, leicht entzündet und schmerzte. Im nüchternen Zustand wurde es nur noch schlimmer. Auch im Urlaub habe ich mich damit noch ganz schön rum geärgert und musste sehen, dass der Finger immer versorgt war.

Nun ist das drei Wochen her. Der Finger sieht noch immer etwas deformiert aus. Die Narbe ist unförmig und tut noch weh, wenn ich dran komme. Ob ich dort je wieder einen Ring tragen können werde, ist fragwürdig.
Ich hatte zunächst gar nicht daran gedacht, dass dieser Unfall irgendwie schicksalhaft sein könnte, bis mich eine Freundin darauf brachte.
Ich hatte mir in den Ringfinger geschnitten. So doll, dass vermutlich nie wieder ein Ring darüber passen wird. Nennt mich hoffnungslos romantisch oder komisch, aber ich glaube an Schicksal. Und das wollte mir damit defitiv etwas sagen.
Nie wieder soll ein Ring auf diesen Finger und schon gar kein Ehering!
Dieser Finger, mit der Wunde, die mich ewig quälte, mit der Narbe, die unförmig blieb. Der Finger der ewig nackt bleiben wird. Und die Narbe, die irgendwann nur noch ganz blass schimmern wird, sodass man sie gar nicht mehr wahr nimmt.

Auch, wenn ich jetzt einen Krüppelfinger habe, muss ich darüber irgendwie schmunzeln. Das Schicksal hat mir einen Wink gegeben und im Endeffekt auch nur noch einmal bestätigt, was ich schon wusste.

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