Warum ich gern allein bin…

Dass ich meine Urlaubstage erst spät beginne und das sogar gerne tue, kenne ich so nicht von mir. Es liegt aber auch daran, dass ich abends oft lange wach bin und mich nicht selten bis spät in die Nacht ein paar Sorgen quälen. So schlafe ich meist bis in den späten Vormittag. Dann gibt es Kaffee und Kippe auf dem Balkon und ich mache mir einen Plan für den Tag. Früher brauchte ich immer schon Pläne für alle Tage. Was das angeht, habe ich mich deutlich entspannt. Ich mache eben, wozu ich Lust habe. Frühstück ist nicht so mein Ding. Meistens habe ich morgens sowieso keinen Hunger. Heute morgen habe ich sogar ein wenig an meiner neuen Webseite gearbeitet. Auch ein Thema, an dem ich dran bleiben muss. So viel Lust hatte ich nicht. Aber im Nachhinein war es ein gutes Gefühl, weiter gemacht zu haben.

Am frühen Nachmittag mache ich mich auf den Weg und lasse mich treiben. Ich halte an, wo ich Lust habe und gehe gern mal einen Umweg, wenn er interessant erscheint. Ich setze mich, wo es schön aussieht und nehme mir Zeit mit der Heimat zu kommunizieren, wenn ich es für richtig halte.

Wenn der Hunger kommt, gönne ich mir, wonach mir gerade ist. Vermutlich denken, die Leute, ich bin ein Vielfraß, wenn ich Essen bestelle. Da ich aber nur einmal am Tag esse, darf es dann schon eine ordentliche Portion sein. Ich muss mich nach keinem anderen Hunger richten und genieße diese Freiheit sehr.

Es gibt niemandem, dem ich Rechenschaft über irgendetwas ablegen müsste. Ich muss niemanden um Erlaubnis fragen und mich nach keiner anderen Befindlichkeit richten als nach meiner eigenen. Schlechte Laune kenne ich in dem Sinne nicht. Und wenn ich Lust habe, meinen Tag zu beenden, gehe ich nach Hause. Ich setze mich auf den Balkon, schaue noch eine Serie und gehe ins Bett, wenn es mir passt. Ich bin Herr über meine Zeit und mein Geld.

Viele sagen, allein reisen könnten Sie nicht. Ich finde, es gibt kaum etwas besseres. In meinem Alltag muss ich mich nach so vielen Menschen richten. Im Urlaub muss ich das einfach mal nicht.

Ich mache mich auch jeden Tag hübsch zurecht, trage schöne Kleider, schminke mich und lege Duft auf. Für wen? Für mich natürlich. Weil ich mich so wohl fühle. Und natürlich auch ein bisschen für das Selfie of the day. Ich trage selten Unterwäsche, weil mich das einschnürt und ich mich damit total unwohl fühle. Allerdings habe ich das Gefühl, dass das hier nicht so oft gesehen wird. Jedenfalls werden meine frei schwingenden Brüste im Vorbeigehen recht oft gemustert.

Heute bin ich wieder etwas durch die Innenstadt geschlendert. Mein Ziel waren die Markthallen nördlich der Akropolis. Dort werden Gewürze, Oliven und frisches Obst und Gemüse angeboten. In die Fleischhalle hatte ich mich auch verirrt. So schnell konnten die Händler gar nicht schauen, war ich wieder draußen. Außerdem gab es eine Art Trödelmarkt, wo eine Menge Plunder angeboten wurde. Die Standbetreiber waren schon beinahe etwas aufdringlich. Ich mag sowas nicht so gern, deswegen habe ich mich dort nicht allzu lange aufgehalten. Der Anblick des Essens hatte mich hungrig gemacht. Ich suchte eine kleine Taverne und aß endlich mal Tzaziki.

Anschließend machte ich mich spontan auf den Weg zu einem der höchsten Berge in der Stadt. Der Aufstieg war steil. Aber es hat sich sowas von gelohnt. Der Ausblick über die Stadt war ein absolutes Highlight.

Ausklingen ließ ich den Abend auf einer Dachterrasse am Fuße der Akropolis, mal wieder glücklich und zufrieden.

Und trotzdem kommt manchmal der Punkt, an dem ich mich etwas einsam fühle, wenn ich nachts im Bett liege und nicht schlafen kann und mich frage, wem ich mich anvertrauen kann. Aber ich wusste noch nie, wer das sein kann. Selbst in meiner Ehe nicht. Ich traute mich nie, meinen Mann zu wecken, wenn es mir nicht gut ging. Und wen wecke ich jetzt? Niemanden. Nur mich selbst halte ich wach mit all den Gedanken in meinem Kopf. Mit all der Angst, die ich in mir trage. Und wieder geht eine unruhige Nacht ins Land. Damit umzugehen und es auch mal auszuhalten muss ich noch lernen. Und ganz allein bin ich dennoch nicht. Es gibt im Notfall immer liebe Menschen, die ein Ohr haben, selbst wenn sich meine Sorgen dann erst am nächsten Tag besprechen lassen.

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