Will nicht…

Alles dreht sich in meinem Kopf. „Will nicht erwachsen werden!“ ruft eine trotzige Stimme. „Will nicht traurig sein“ ruft eine verletzte Stimme.
Ich will es wirklich nicht. Ich will weiterhin Leichtigkeit. Ich will, dass alles so bleibt wie es ist. Ich will keine Sorgen haben. Ich will mich nicht mit unschönen Gedanken plagen.
Und vor allem allem will ich keine Ungerechtigkeit in meinem Leben. Wieso gewinnen immer die Arschlöcher mit ihrer bescheuerten Macht?

Neulich habe ich geträumt, ich würde zutreten. Ich wollte es so richtig. Und dann: keine Kraft! Ich habe es einfach nicht geschafft.

Mit voller Wucht saust meine Faust auf das kalte Metall herab. Wut kocht in mir hoch. Immer und immer wieder schlage ich zu, als würde unter mir derjenige liegen, der es verdient hat. Dabei schreie ich mir die Seele aus dem Leib. Meine Stimme verhallt in der dunklen Nacht.
Aber wird es besser? Nein. Denn was am Ende nur schmerzt, sind meine Fingerknöchel, die rot sind, anschwellen und pulsieren.

Wieso übernimmt immer wieder jemand für mich die Kontrolle? Nein, wieso entreißt man sie mir mutwillig? Wieso denken Menschen, sie hätten das Recht, auf meinem freien Willen herum zu trampeln? Mich vom Glück ins Unglücklichsein ziehen zu dürfen.
Warum verschwinden ständig Konstanten aus meinem Leben, die mir wichtig sind, die mir Halt geben und mein Leben so lebenswert machen? Hallo? Schicksal?! Karma?! Was soll das?

Wie soll man denn je sein inneres Gleichgewicht finden, zur Ruhe kommen, zufrieden sein, wenn man immer wieder aufgewühlt wird, immer wieder Schmerz empfindet, immer wieder nach unten gerissen wird? Diese Achterbahnfahrt der Gefühle kostet so viel Kraft. Das ständige auf und ab zwischen himmelhochjauchzen und zutodebetrübt.

Hör doch auf zu jammern Elli! Sie dich doch mal an, du kleines Emotionsbündel! Kannst du dich über irgendwas beschweren?

Ja, schreien das verletzte und das trotzige Kind im Chor. Wir wollen das nicht, wir wollen Harmonie und Frieden. Weiter spielen, weiter unbeschwert sein.

Nein, erhebt die Erwachsene kühl den Finger. Es ist doch alles toll. Lass uns nach vorn sehen und weiter machen. Wen kümmert es, wenn Menschen auf der Strecke bleiben. Mich nicht, ich denke nur an mich, mir geht es gut, ich habe, was ich brauche. Was will ich mehr?!

Ich stehe zwischen den Stühlen. Zwischen dem Kindsein und dem Erwachsenwerden und ich kann nicht nicht entscheiden. Will mich nicht entscheiden müssen.


Es fällt mir schwer, durch den dicken Vorhang der Emotionen die positiven Dinge zu sehen und diese für mich anzunehmen. Es ist nicht alles nur schwarz und schon gar nicht nur weiß.
Ich mag mich und weiß, es macht mich besonders, dass ich ein impulsiver und emotionaler Mensch bin. Aber diese Extreme machen mich zur Zeit wieder fertig. Sie kosten so unglaublich viel Kraft, sie rauben mir den letzten Nerv und Konzentration auf das Wesentlich und die (wenn auch noch so kleinen) positiven Aspekte bleiben auf der Strecke. Geld und Karriere sind eben nicht alles.

Ich will wieder etwas mehr Ruhe, etwas seichteres Fahrwasser.
Nennt es doch Luxusproblem, dass ich „befördert“ wurde. Einsam an der Spitze zu stehen, macht einen eben auch nicht glücklich.

6 Gedanken zu “Will nicht…

  1. Wer will überhaupt die von dir genannten negativen Dinge?
    Aha, da kommen wir der Sache schon näher. Sie gehören allerdings irgendwie dazu. Verluste, Ängste, Überforderungen, Unausgeglichenheit.
    Ich kenne dich nicht persönlich, allerdings glaube ich zu erkennen, dass du eine starke Persönlichkeit bist. Woran ich das fest mache? An all deinen Schilderungen. Egal, ob Arbeit, Privat, Eheleben und so weiter. Du weißt was du willst und nimmst dir, was dir gut tut. Jetzt bist du an einem Punkt, wo etwas ganz anders läuft, als du gedacht hast. Im Grunde ist es egal, um was es sich dabei handelt. Dein Ziel ist nicht so erreichbar, wie du es gerne hättest. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen: tja, das Leben ist kein Ponyhof. Das sage ich aber nicht, denn ich weiß, dass du, wenn du deinen Kopf ein wenig anstrengst, eine Lösung findest. Vielleicht keine perfekte Lösung, aber eine Lösung. Es werden immer wieder solche Punkte in deinem Leben kommen. Das gehört zum Spiel. Wenn alles suboptimal laufen würde, wäre das Leben irgendwann langweilig. Du weißt, was du willst und du bist Persönlichkeit genug um zu sagen, wo du hin willst. Der Rest kann dich mal, aber kreuzweise.

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    • Danke für deine Worte. Die geben mir viel Kraft. Und ja, ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen und weiß aus Erfahrung mittlerweile, dass sich alles immer wieder zum „Guten“ wendet. Man muss eben manchmal erstmal durch, durch die Scheiße. Das gefällt mir nicht und es fällt mir immer wieder schwer.
      Und es wird eine Lösung geben, ganz sicher!

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  2. Schmunzel … Ich würde es auch in die Kategorie Luxusproblem einordnen. Aber besser ein Luxusproblem, als ein wirklich richtiges Problem. Spaß beiseite: Mir scheint du sehnst dich in Wirklichkeit nach was Anderem. Etwas was du nicht hast oder haben kannst. Warum auch immer. Und du scheinst es dir selber nicht eingestehen zu können oder zu wollen.

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      • Schmunzel … das mag, so glaube ich, kein Mensch. Den Boden unter den Füßen verlieren.

        Sicherheit und Unsicherheit gehört zum Leben. Ist die Frage, ob du die Unsicherheit mehr oder minder bewusst herbeiführst?

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      • Privat führe ich sie gern immer mal wieder selbst herbei. Vor allem, wenn es gut läuft, brauche ich ab und zu etwas Risiko. Das finde ich auch vollkommen okay so. Aber wenn jemand anderes für diese Unsicherheit verantwortlich ist, ist es kritisch. Und das widerum macht mich auch in Situationen, die ich eigentlich souverän meistern würde, unsicher.

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