33 – Ich liebe spontan

Wer mich kennt wird jetzt denken: Was ist denn da los? Ist sie krank?
Nein, ist sie nicht. Hin und wieder neige ich zu Spontanität und stelle fest, dass das gar nicht so verkehrt ist. Und sehr oft sind spontane Sachen auch einfach die besten. Die Wahrscheinlichkeit, enttäuscht zu werden ist nicht hoch, weil ja auch die Erwartungen in der Regel relativ gering sind.
Hier also nun die Geschichte, eines spontan, superguten Nachmittags, der sich kürzlich ereignete.

Es begann damit, dass ich mehr zufällig mal wieder bei OKC unterwegs war. Ich wollte eigentlich nur in einem längst veralteten Chat etwas nachlesen. Kurze Zeit später blinkte es auf meinem Handy. Ich hatte eine Nachricht. Ein attraktiver junger Mann mit asiatischen Zügen wollte mehr über mich wissen. Ich antwortete zunächst nicht, gab ihm aber einen Like und besiegelte damit unser Match. Wenige Minuten darauf erhielt ich eine weitere Nachricht. Ob ich Pläne für den Abend hätte, er wolle ins Kit Kat? Ich hatte keine Pläne, aber auch keine großen Ambitionen an dem Abend noch mit einem Wildfremden in diesen Club zu gehen. Aber ich wurde neugierig und schaute mir sein Profil näher an. Heteroflexible, Open Relationship. AHA. Genau mein Beuteschema. Danke du toller Algorhythmus.
Er kam ursprünglich aus Australien und lebt jetzt in Amsterdam. In Berlin war er arbeitsmäßig nur ein paar Tage. Da wollte er natürlich alles mitnehmen, was diese wunderbare Stadt zu bieten hat. Ich fand ihn spannend.

Am nächsten Tag schrieben wir ein bisschen Belangloses. Da das Wetter herrlich sommerlich war, fragte er mich, ob wir uns nicht im Park treffen wollen. Ich hatte ohnehin nichts vor und ich hatte Hunger, also schlug ich vor, dass wir zusammen etwas essen gehen. Weiter dachte ich erstmal nicht. Aber mit einem netten Typen zusammen lunchen erschien mir allemal besser, als allein zu essen.
Eine Stunde später stand er also vor mir und war mir auf den ersten Blick sehr sympatisch. Und ja, attraktiv war er auch. Zur Begrüßung drückte er mich fest an sich. Er trug ein Tanktop. Ich spürte seine warme Haut. Es fühlte sich irgendwie gut an.
Er quasselte munter drauf los. Ich brauchte ein bisschen, um warm zu werden. Es war mein erstes reines englischsprachiges Date. Ich gewöhnte mich aber schnell daran und fühlte mich auch bald extrem wohl in seiner Gesellschaft. Da war keine Schüchternheit oder Zurückhaltung, alles easy und entspannt. Wir bestellten Essen und lernten uns ein bisschen kennen.
Er erzählte von seiner Partnerin, mit der er eine sehr offene und tolerante Beziehung führt. Außerdem sprachen wir über deutsche Städte und typisch deutsche Eigenheiten. Er erzählte mir eine Menge über Amsterdam, Asien, Australien und seine Familie. Wir tauschten uns über sexuelle Vorlieben aus und erzählten uns gegenseitig von unseren besonderen Erlebnissen. Seine sexpositive Einstellung gefiel mir ausgesprochen gut. Langweilig wurde uns nicht. Nach dem Essen schlenderten wir Hand in Hand zur Spree. Ich erklärte ihm unsere Späti-Kultur und warum Berliner Pfandflaschen immer neben die Mülleimer stellen. Er war total begeistert, als wir vor der Estside Galery standen. Dort legten wir uns an der Spree in die Sonne. Auf dem Weg nahm er mich immer wieder in den Arm und wir küssten uns. Kissing at the river, such a beautiful sunday!
Ich mochte ihn und bereute es kein bisschen, dass ich dem Treffen ohne Zögern zugesagt hatte.

Eigentlich wollte er mir noch ein paar seiner Freunde vorstellen. Die befanden sich aber in einem Club, in den man uns nicht reinlassen wollte. Auch nicht schlimm und wer weiß, vielleicht wäre der Abend dann noch eskaliert.
Also gingen wir in eine kleine, niedliche Strandbar und setzten unsere Unterhaltung bei einem Gläschen Wein fort. Er liebt seine sexuelle Freiheit und lebt diese auch in vollen Zügen aus. Er suchte immer wieder meine Nähe, streichelte mir über den Rücken und übers Bein. Er machte mir zahlreiche Komplimente. Dabei wirkte alles sehr natürlich und überhaupt nicht aufgesetzt. Ich genoss die Aufmerksamkeit und fühlte mich unglaublich gut in meiner Haut.

Ich fand es richtig super, wie begeistert er von allem war. Er war zum ersten Mal in Deutschland und ich war froh, für ihn so etwas wie ein Guide sein zu dürfen. Er lud mich außerdem nach Amsterdam und natürlich nach Australien ein. Schaden kann es immerhin nicht, ein paar Locals in der Welt zu kennen. Vielleicht komme ich ja irgendwann darauf zurück.

Er redete dann auch gar nicht um den heißen Brei herum, es war klar, dass er mit mir schlafen wollte. Ich war insgeheim froh, dass ich in den Stunden, die wir zusammen verbrachten schon diverse Male daran gedacht hatte, die Entscheidung für mich aber noch in keine Richtung gefällt hatte. Ich ließ es auf mich zukommen und als er mich fragte, ob wir zu mir gehen sollen, wollte ich im gleichen Moment ebenfalls diese Frage stellen. Ich hatte Bock und es fühlte sich richtig an und ich stand echt auf ihn. Außerdem war es vermutlich meine einzige Chance, da er Berlin schon wenige Tage später wieder verlassen würde.

Als wir bei mir waren, wurde dann nicht mehr lange gefackelt. Er machte Musik an und wir gaben uns unserer Leidenschaft hin. Er war wild und zärtlich zugleich. Er liebte es, dass ich mit meinen langen Nägeln über seine Brust kratzte und rote Striemen hinterließ. Ich genoss es, ihn zu reiten und uns beide an den Rande des Wahnsinns zu treiben. Irgendwie stimmte die Chemie zwischen uns und es fühlte sich überhaupt nicht so an, als hätten wir uns erst wenige Stunden zuvor kennengelernt. Die Energie war unglaublich und ich merkte, was mir in den Wochen zuvor gefehlt hatte. Ich konnte einfach loslassen und meine Lust entladen… hemmungslos, geil.
Und als ob dieser erste heiße Ritt nicht schon genug gewesen wäre, gingen wir nach einer kurzen Verschnaufpause auch schon zu Runde zwei über. Und die war – ich hätte es nicht für möglich gehalten – ungefähr zehn mal so intensiv wie die erste. Er tat genau, was ein guter Liebhaber in meinen Augen tun musste. Er packte mich an, wie es mir gefiel und stimulierte mich, wo ich es am liebsten hatte. Gleichzeitig turnte es ihn unglaublich an, meine Lust zu sehen, zu hören und zu schmecken. Ich hätte ewig so weiter machen können. Und mit Sicherheit hätten wir noch eine gute dritte Runde hingelegt. Aber ein bisschen Vernunft hatte ich an diesem Tag doch noch und bat ihn dann (wenn auch mit einem weinenden Auge) zu gehen.

Befriedigt lächelnd saß ich in meiner Küche. Wie sehr hatte ich das vermisst. Ein sympatischer Typ, mit dem man sich auch unterhalten konnte, ein toller Sommernachmittag und guten, unverbindlichen, heißen Sex. Ob es an Nummer 33 lag? Who knows? Who cares?

Und wie sich schon bald zeigen sollte, hatte dieser ungewöhnliche und spontane Nachmittag meine Libido wieder entfacht.

3 Gedanken zu “33 – Ich liebe spontan

  1. So lange es Spaß macht, nimm mit, was du für richtig hältst. Irgendwann wird die Zeit kommen, an der du sagst, he, ich habe gelebt und war nicht das kleine Mäuschen, für das mich manche halten.

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