Die Geschichte vom Wolf – und wie sie endete

Schon als ich Dich zum ersten Mal sah, auf Deinem Profil bei Okc hast Du mich verzaubert, mich eingefangen mit deinem Blick, deinen stahlblauen und liebevollen Augen, die gleichzeitig so voller Erotik sprühten und mir schon im ersten Moment signalisierten: Da ist mehr.
Die ersten Zeilen, die wir tauschten waren so voller Bedacht, Respekt, Neugier… Wir hatten sofort eine Verbindung. Wenn wir schrieben gab es nur uns beide. Die Welt um uns wurde unwichtig. Schon nach kurzer Zeit, war es mir, als würde ich dich ewig kennen, wie zwei alte Vertraute. Wir wurden füreinander Tiger und Wolf. Das war unser Ding. Zwei Raubtiere auf Beutefang.
Instinktiv wollte ich mehr, fühlte mich unendlich geborgen und sicher mit Dir. Doch es war klar, dass es ein MEHR nie geben würde. Du warst verheiratet.
Dennoch gab es gewisse Möglichkeiten, Spielraum, den wir nutzten.
Sowohl die zwischenmenschliche, als auch die sexuelle und körperliche Anziehung zwischen uns wuchsen schnell ins Unermessliche. Wir trafen uns bald und waren sofort vollkommen verzaubert. Es dauerte nicht lang, bis wir nicht mehr nur Worte wechselten und unsere Lippen wie Magnete die des anderen suchten. Ich weiß noch, wie ich Dich fragte, ob ich Dich kosten dürfte. Es war ein Genuss. Unsere Seelen und Körper harmonierten zusammen.

Schon bald war da mehr als nur eine Affäre. Du warst Vertrauter, Freund und Liebhaber zugleich. Du hast es geschafft, mich immer wieder zu überraschen. Bei unserem zweiten Date warst Du Zuschauer bei einem meiner Orchesterkonzerte. Du warst begeistert und wurdest mein größter Fan.

Wir überschütteten uns mit Wertschätzung jeden Tag. Ich wuchs an Dir. Deine Meinung war mir wichtig, Du hattest immer ein gutes Wort für mich und ich war sicher, auf deine Ehrlichkeit zählen zu können. Ich fühlte mich so sicher bei Dir, wie zuvor ewig nicht.
Ich war Dir wichtig genug, dass Du, nur um mich zu sehen, nach der Arbeit einen kleinen Umweg in Kauf nahmst, um mit dem Rad an meinem Haus vorbei zu fahren. Weil du wusstest, ich würde dort stehen. Nur, um eine endlos erscheinende Sekunde lang in meine Augen zu blicken und mich mit deinem milden, liebevollen Lächeln in deinen Bann zu ziehen. Ich weiß es noch wie heute. Zeitlupe. Nur Du und ich.

Wir teilten so vieles, trafen uns auf dem Heimweg, wenn wir die gleiche Richtung hatten, nur um wenige Kilometer zusammen zu fahren und Zeit miteinander verbringen zu können.
Wir verbrachten wunderbare Dates, wir redeten viel. Ich profitierte von Deiner Erfahrung. Die Erotik knisterte dabei immer leise und sehr oft wurde durch das Knistern eine riesige Flamme entfacht, die sich in einem Feuerwerk der Lust entlud. Wir wälzten uns in den Kissen. Noch immer rieche ich Deinen Duft, noch immer höre ich das lustvolle Schnurren, was tief aus Dir kam, wenn wir uns einander hingaben. Du zeigtest mir Dinge, Gefühle, Empfindungen, die ich vorher so nicht kannte. Sex wurde für mich zur Ekstase. Dich unter mir, wie Du mich ansahst, wie Du mich begehrtest…. So etwas hatte ich zuvor nicht erlebt.

Wir konnten zusammen alles sein. Freunde, Liebhaber oder wilde Raubtiere. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem Du mich besuchtest. Kaum warst Du zur Tür herein, fielen wir im Flur wie wild übereinander her. Du nahmst mich auf dem Küchentisch und im Türrahmen – das hast du geliebt – und hast mich schlussendlich zum Finale ins Bett getragen.
Zu meinem Geburtstag (letztes Jahr) bekam ich von Dir einen Rohrstock und einen kräftigen Hieb auf den Hintern für jedes meiner Lebensjahre. Eng verschnürt war ich dir ausgeliefert. Ich habe es genossen, Dich genossen. Ich vertraute Dir und wollte von Dir noch so viel lernen.
Wenn wir uns nicht sahen, tauschten wir lange Texte, erotische Nachrichten. Immer flackerte eine Flamme zwischen uns, egal ob nah oder fern. Wir sorgten und kümmerten uns.

Auch fragile Themen machten uns keine Angst. Ich konnte mit all meinen Sorgen zu Dir kommen. Du konntest mich immer aufbauen und mir nach meiner Trennung wieder das Gefühl geben, wertvoll zu sein. Dafür bin ich Dir unendlich dankbar. Du hast es bereitwillig getan, solange Deine Energie dafür ausreichte.
So unsicher es mich machte, dass Du zu Hause eine Frau und zwei Kinder hattest, so schnell lernte ich damit umzugehen. Uns zuliebe. Unsere Beziehung war anders, aber sie war auch einzigartig. Niemand vermochte mir so viel zu geben, wie Du in dieser wundervollen Zeit. Von einer Polybeziehung hast du gesprochen. Wir versprachen uns, dass wir nie aus dem Leben des anderen gehen würden. Wir beide waren Wolf und Tiger, wir hatten uns in unserem gegenseitigen Orbit.

Mit dem Koch in meinem Leben wurde plötzlich alles anders. Mein Leben änderte sich und wir änderten uns. Du hast immer gesagt, Veränderung wäre gut und normal. Die Treffen wurden seltener, die Gespräche waren anders. Du wurdest mein Berater. Ich hielt Dich auf Abstand, machte sogar kurz Schluss, was mir unglaubliche Schmerzen bereitete. Die Vorstellung, Du würdest jemand anderes so behandeln und ansehen, wie mich, brach mir das Herz. Ich wusste, ich konnte nicht ohne Dich. Und zugleich brauchte ich Dich in dieser Zeit mehr als Freund, ich konnte nicht unterscheiden. Aber Du wolltest keine Schwermut, du wolltest von mir nur die Leichtigkeit. Die konnte ich Dir leider nicht immer geben, nicht ausschließlich. Und am Ende warst Du wieder der, der mich auffing, als der Koch sich selbst ins Abseits stellte. Doch diese Belastung war offensichtlich zu viel für uns.

Von Woche zu Woche wurde der Kontakt weniger, oberflächlicher. Du hattest Deine eigenen Probleme, der Platz für mich in Deinem Leben wurde weniger. Ich konnte Dich nicht mehr erreichen, Dich nicht mehr berühren. Von einem Neustart hast Du gesprochen. Leider gab es den nie. Meine Fragen nach einem Treffen wurden kaum gehört. Du bist mir ausgewichen, so kannte ich Dich nicht.
Dann zu meinem Geburtstag die letzte Nachricht. Wenn ich sie jetzt lese, dann steht dort: „Leb wohl, liebe Elli, es war schön mir Dir!“
Du hast gesagt, Du wirst nicht gehen, aber Du hast es dennoch getan. Du hast es nicht ausgehalten, dass zwischen uns nicht immer nur alles leicht war. Dass ich eben doch Ecken und Kanten hatte und tiefe Wunden, die man nicht wegstreicheln konnte. Tut mir leid. Vielleicht wolltest Du nicht, vielleicht konntest Du nicht. Vielleicht sollte es einfach nicht sein.

Du bist einfach gegangen und hast mir damit das Herz gebrochen. Ohne ein Wort, ohne Erklärung. Du warst für mich lange Zeit einer der wertvollsten Menschen in meinem Leben. Und nun bleibt mir nichts, als langsam verblassende Erinnerungen.
Ohne ein Wort. Das hätte ich Dir niemals zugetraut.
Ein Wort nur, eine Erklärung. Was würde ich darum geben?! War es meine Schuld?
Aber du schweigst. Du bist weg, als hätte es Tiger und Wolf nie gegeben. Und du fehlst mir.

Vielleicht erreichen Dich diese Zeilen, vielleicht nicht.
Ich bin sicher, es gibt einen für Dich wichtigen Grund, wieso du gehen musstest. Ich bin nicht wütend, ich bin nur unglaublich traurig. Ich wünsche Dir nur das Beste, dass es Dir gut geht und Du glücklich bist.

4 Gedanken zu “Die Geschichte vom Wolf – und wie sie endete

  1. Du hast so intensiv geschrieben, Elli. Mit jedem Wort sind deine Emotionen spürbar.
    Ich glaube, dass ihr beide gemeinsam frei sein wolltet. Aber er war von Anfang an nicht frei, da Frau und Kinder zu Hause…
    Das geht leider in den seltensten Fällen gut.. 😦

    Du gehst aber trotzdem deinen Weg und wirst über den Wolf hinweg kommen.

    Sonnige Grüße und 🤗

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s