Ist das noch kinky?!

Nachdem ich in den letzten Wochen ganz bewusst etwas Abstand von dem ganzen Kinky-Stuff genommen hatte, wurde es endlich mal wieder Zeit, mich in Schale zu werfen und loszuziehen.

Die Verabredung ergab sich relativ spontan zwei Tage vor der Party. Aber ich merkte, ich hatte richtig Bock und freute mich im Vorfeld unglaublich auf den Abend. Aber erstmal musste noch eine passende Klamotte her. Also habe ich mir schnell ein Last-Minute-Outfit zusammengestellt, was dem Motto des Abends gerecht wurde. Ich trug einen goldenen Body, dazu einen schwarzen (Fake-)Lederrock, Netzstrümpfe und schwarze Overknees. Mein Gesicht hatte ich aufwändig geschminkt, es glänzte und glitzerte golden und auch die Haare und mein Dekolleté hatte ich mit goldenem Körperspray eingesprüht. Ich gefiel mir überaus gut in dieser Maskerade und fühlte mich an diesem Abend pudelwohl in meinem Körper. Auch meine Begleitung – Captain Silver – war begeistert. An den kritischen Türstehern vorbei zu kommen, war so überhaupt kein Problem.

Die Location hatte einen großen Außenbereich und drin mehrere Floors, die über zwei Etagen verteilt waren, außerdem gab es kleinere Räume mit Liegen und Sesseln. Die Partycrowd war sexy und offen, allgemein war es eher ein großes Schaulaufen, es wurde viel getanzt und geglotzt. Ich fand es super, zu sehen gab es eine Menge und es machte Bock auf mehr. Sex sah ich allerdings weitaus weniger, als auf den Partys, die ich schon kannte. Das war für mich OK, es war neu und aufregend und ich ließ mich von Captain Silvers Tanzlaune anstecken, obwohl ich normalerweise gar nicht so auf Elektro stehe.

Wir gönnten uns immer mal wieder Pausen im Freien, drin war es extrem stickig. Das Wetter war dagegen herrlich sommerlich und die kühle Nachtluft erfrischte uns. Wir quatschten viel und beobachten die Leute. Beim Tanzen wurde es zunehmend sexier zwischen uns. Wir tanzten irgendwann am Rand auf einer Art Podest. So hatten wir einen super Überblick über den Raum und gleichzeitig konnten alle beobachten, wie wir uns zusammen bewegten. Das gefiel mir. Wir tanzten eng, fummelten und knutschten und ich bekam langsam richtig Lust auf mehr. Zum ersten Mal in so einer Situation, ergriff ich die Initiative und zog ihn in einen der Darkrooms, wo ich mich direkt auf seinen Schoß setzte. Ich wollte nur noch eins: ihn spüren.

Während wir so zu Gange waren, merkte ich, wie um uns herum einige Typen offensichtlich sehr angetan von dem Geschehen waren. Mich machte es in dem Moment nur noch mehr an, dass sie uns beobachteten. Captain Silver war das allerdings zunehmend unangenehm, da die Jungs immer aufdringlicher wurden und ihn bei dem ganzen Spiel vollkommen außer Acht ließen. Ich dagegen war wie in einem Rausch und wollte immer mehr.
Und dann nahm plötzlich alles eine komische Wendung. Captain Silver warf das Handtuch und ließ mich allein, natürlich nicht, ohne gefragt zu haben, ob ich das wirklich will. Ich wollte. Ich war in dem Moment davon nicht abzubringen. Also ließ er mich machen, obwohl er zu recht ein wenig angefressen war. Aber er dachte sich: soll sie doch ihren Spaß haben, was an sich ja sehr nett ist. Allerdings merkte ich dann recht schnell, dass die mittlerweile vier Typen mir eindeutig zu viel waren. Mehrfach versuchten sie mir an den Arsch zu gehen, was ich absolut nicht wollte. Meine eindeutigen Zeichen wurden ignoriert. Das war zu viel. Die Situation schien außer Kontrolle zu geraten. Ich sagte mehrfach laut und deutlich, dass es genug sei und stand auf, um das Setting zu verlassen. Und selbst dann fragte mich einer der Typen erneut, ob er noch mal ran dürfte. Ziemlich dreist, ziemlich aufdringlich und sehr sehr unangenehm. Aber immerhin war ich raus aus dem Darkroom.

Als ich wieder im Freien war, war ich komplett fertig. Was war da gerade passiert und wo war Captain Silver? Ich holte mir ein Wasser und setzte mich. Ich musste erstmal wieder zu mir kommen und klare Gedanken fassen. Zum Glück kam mein Freund C, der an dem Abend ebenfalls mit einigen Leuten in dem Club war, gerade vorbei. Er merkte sofort, dass etwas nicht stimmte und setzte sich zu mir. Er war fast außer sich, dass ich allein war. In dem Moment erblickte er Captain Silver im Vorbeigehen, reagierte blitzschnell, machte ihm eine kurze Ansage und brachte ihn zu mir. Ich war in der Zwischenzeit schon völlig fertig mit den Nerven und mir liefen die Tränen herunter. Ich konnte nicht fassen, was passiert war und wie gefährlich das wirklich war, wurde mir erst viel später klar.

Wir saßen dann noch eine Weile da und versuchten beide zu verarbeiten, was geschehen war. Wir versuchten den Fehler zu finden. Er, weil er gegangen war? Ich, weil ich mal wieder nicht rechtzeitig erkannt habe, dass da etwas passiert, was eigentlich gar nicht so geil war? Immerhin habe ich es diesmal geschafft, mich aus der Situation zu befreien. Irgendwie war mir die Lust auf den Abend ziemlich vergangen. Immer wieder brach ich in Tränen aus. Wieso hatte ich mich schon wieder in so eine Situation gebracht, fast die Kontrolle verloren, mir beinahe wieder ein traumatisches Erlebnis ins Hirn brennen lassen? Hatte ich nicht langsam mal genug? Zudem plagten mich die Schuldgefühle ihm gegenüber.

Es wurde längst hell. Wir waren zwar nicht müde, beschlossen aber zu gehen. Er bestand darauf, mich nach Hause zu bringen, was ich Nachhinein eine wirklich gute Idee war. Auf dem Weg entspannten wir uns etwas. Und immerhin hatten wir immer noch ziemlich Bock aufeinander, was wir dann in der Sicherheit meiner Wohnung noch bis 9.00 Uhr morgens ausreizten und sehr genossen. Es war unglaublich intensiv, sexy, wild, witzig… Wir passten gut und es nahm der Nacht am Ende ein wenig die Dramatik. Ich mag ihn gern, weil ich bei ihm ich selbst sein kann, mich fallen lassen kann und wir uns gegenseitig viel Wertschätzung entgegen bringen.

Dennoch ließen mich die Bilder nicht los und als er weg war und auch, als ich am Nachmittag nach wenigen Stunden Schlaf wieder wach wurde, war mir nur nach Heulen zumute.

Ich telefonierte dann mit dem Mitbewohner, der diese Art von Typen auf dieser Art von Partys gut kennt. Und mir wurde bewusst, wie gefährlich die Situation wirklich gewesen ist und dass ich froh sein konnte, klar genug gewesen zu sein, die Reißleine selbst noch ziehen zu können. Ich will mir gar nicht vorstellen, was sonst noch passiert wäre, wenn sie kein Kondom gehabt hätten… weitere Details spare ich hier aus. Aus geil wurde irgendwie ekelhaft.

Wir haben zwei entscheidende Fehler gemacht. Zum einen hätte er mich nicht allein lassen dürfen. Zum anderen, hätte ich mich darauf gar nicht erst einlassen sollen. Aber mein geiles Party-horny-Ego-Ich hat mal wieder die Oberhand gewonnen. Zudem hätten wir zuvor über so etwas sprechen und ein Safeword vereinbaren müssen. Einen Ratschlag, den ich definitiv früher gebraucht hätte. Ich glaube ich war so „sicher“ von den letzten beiden Partys, die so entspannt waren und so euphorisch zuvor, dass ich darüber, dass auch solche Dinge durchaus passieren können, nicht mehr nachgedacht habe.

In der Nacht schrieb mir Captain Silver seine Gedanken dazu sehr ausführlich und wir telefonierten noch einmal lange. Ich war froh und dankbar, dass er sich mir öffnete und ich mit all den Bildern in meinem Kopf nicht allein war. Vor allem war ich sehr glücklich, dass er mir keine Vorwürfe für mein „Ich“ machte. Im Gegenteil: er war sehr verständnisvoll und sagte, dass er nun, da er weiß, wie ich ticke, beim nächsten Mal ganz anders reagieren würde. Er selbst ist schon länger in der Szene unterwegs und hat schon einiges erlebt, aber auch er meinte, dass er diese Situation sehr verstörend fand. Er entschuldigte sich. Ich tat das auch, weil es mir unfassbar Leid tat, dass er von dem Vorfall auch in gewisser Weise etwas traumatisiert war. Wir versprachen uns, dass wir künftig darüber mehr sprechen und solche Fehler nicht mehr machen, immerhin kennen wir beide uns noch nicht so gut. Ich selbst bin im Endeffekt froh, dass das jetzt passiert ist und dass vor allem nichts Schlimmeres passiert ist. Gelernt haben wir für die Zukunft allemal etwas. Und die Sache hat uns definitiv noch mehr connected.
Einen wichtigen Punkt, an dem ich ja schon lange versuche zu arbeiten, hat er mir auch wieder vor Augen geführt: ich muss mir dringend überlegen, was ich mir selbst wert bin. Und an dieser Stelle hätte ich mich definitiv unter Wert verkauft.
Ja, da ist es wieder das Thema Kontrolle vs. Kontrollverlust. Das wird mich wohl noch eine ganze Weile begleiten.

Es ist nun die eine Sache, dass wir beide schlauer und stärker aus der Sache raus gehen. Auf der anderen Seite wird es diese Typen immer geben, die in den Clubs rumlungern und warten bis ein horny Paar loslegt und dann vollkommen anstandslos dazu kommen. Ohne zu fragen, wird dort mitgemacht, teilweise wohl auch ohne Kondom. Die Folgen, die das haben könnte, will ich mir gar nicht ausmalen. Und auch, wenn es Hausregeln gibt, diese Kerle werden immer einen Weg in den Club rein und auch einen, ihre Geilheit an „willenlosen“ Frauen zu befriedigen finden. Insofern gilt: Safety first, klare Absprachen und sich nicht bis zum vollkommenen Kontrollverlust abschießen.

7 Gedanken zu “Ist das noch kinky?!

  1. Vielleicht wäre es besser, so für die Zukunft, sich den finalen Spaß für die eigenen vier Wände aufzuheben. So ganz ohne Vorwürfe an die Männer und an dich/euch.

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