Die Sache mit T – Fortsetzung

Nach einigen Wochen in denen es einfach nicht klappen wollte, habe ich nun endlich T wieder gesehen. Dieses „Nicht-klappen“ lag zum einen daran, dass T nur am Wochenende in Berlin ist und zum anderen, dass ich meine Wochenenden eben einfach immer schon verplant hatte – öfter als gedacht mit dem Mitbewohner. Dass das zu unserem „Problem“ werden könnte, war mir allerdings nicht so klar. Fakt ist, dass T enttäuscht war, dass ich diesen Club-Besuch nicht mit ihm gemacht habe, obwohl wir schon lange und oft darüber gesprochen hatten. Aus irgendeinem Grund haben wir es aber bisher einfach nicht durchgezogen. Insofern verlief unser Treffen am Wochenende auch sehr gesprächsintensiv und war am Anfang so angespannt wie nie. Ich denke aber, es war nötig, über einiges mal ganz offen zu sprechen.
T betonte, dass er mir dieses „Club-Ereignis“ gönnt und sich freut, dass ich Spaß hatte, aber er eben auch etwas angepiekst war, weil ich das „erste Mal“ nicht mit ihm hatte. Ich verstehe ihn da vollkommen. Er würde es sicher nie zugeben, aber für mich klang so etwas wie Eifersucht oder Neid mit, vor allem, weil ich viele neue Dinge mit dem Mitbewohner ausprobiert habe, die T mir eventuell auch hätte geben wollen. Und ich bekam gleichzeitig ein schlechtes Gewissen. Zurecht? Ja, ein bisschen schon. Ich gebe ihm recht, das war irgendwie „unser Ding“ und wir wollten das wirklich schon lange machen. Und ja, ich habe mich in der letzten Zeit wirklich sehr stark auf den Mitbewohner konzentriert. Ich weiß ganz sicher, warum das so ist und T hat das in unserem Gespräch auch direkt erkannt. Es ist einfacher! Es ist schlicht und ergreifend so, dass ich die Verbindlichkeit des Mitbewohners sehr zu schätzen weiß. T tut sich schwer, Dinge längerfristig auszumachen. Was vollkommen okay ist, ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt. Es ist eben sein Ding und ich will gar nicht anfangen, mich darüber zu ärgern, oder etwas daran ändern zu wollen. Ich arrangiere mich. Und dennoch kommt es manchmal dazu, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn wir uns längere Zeit nicht sehen und ich die Wochenenden eben anders verbringe. Das ist eine verdammte Zwickmühle. Vor allem, weil ich weiß, dass auch er gern Zeit mit mir verbringt und dann selbstverständlich enttäuscht ist.

Eine andere Sache, die er richtig erkannt hat, ist dass ich aktuell viel Zeit mit dem Mitbewohner verbringe, weil er mir viele Dinge einfach vorgibt, Vorschläge macht, die Zügel in die Hand nimmt, was unsere „Freizeitgestaltung“ angeht. Begünstigend kommt hinzu, dass wir aufgrund der nahegelegenen Wohnungen und der Verfügbarkeit unter der Woche sehr flexibel sind.
T sagte mir, er habe es immer genossen, dass ich „schwach“ bin (übertrieben formuliert), dass er mir Dinge zeigen und meinen Horizont erweitern konnte und ich bereit war, Neues mit ihm zu probieren. Trotzdem erwartete er immer eine gewisse Eigeninitiative von mir. Jetzt habe ich einen „Ersatz“ gefunden, der mich auf eine Art und Weise abholt, mit der ich besser umgehen kann bzw. die mir einfach mehr liegt. Habe ich doch nicht genug Selbstbewusstsein, um meine eigenen Bedürfnisse zu erfüllen? Nein, ich denke, dass es nicht daran liegt. Ja, ich mag diese Proaktivität sehr, vor allem, weil ich davon und von der Erfahrung des Mitbewohners profitiere und sich so eine gute Symbiose ergibt.
Ich könnte mich jetzt hinstellen und T und der Unverbindlichkeit die Schuld geben, aber damit würde ich es mir zu einfach machen. Vor allem, weil es nicht stimmt, weil ich selbst die Verantwortung für meine Entscheidungen trage.
Einfach mache ich es mir dennoch, weil ich den für mich bequemsten Weg wähle. Wie lange es mich erfüllen wird, weiß ich nicht, denn irgendwann wird es neue Grenzen auszutesten geben. Das ist einerseits egoistisch, andererseits der Luxus, den ich als selbstbestimmter Single eben genieße.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum ich mich in den letzten drei Jahren, die ich T bereits kenne, immer mal wieder zurück gezogen (bzw. abgelenkt) habe. Ich denke er war (vielleicht sogar von Anfang an) und ist mehr als nur ein Freund für mich. Ich bewunderte ihn schon immer auf eine Art und Weise und ich weiß seit jeher seine ehrliche und im Grunde unkomplizierte Art sehr zu schätzen. Ich bin mir sicher, dass er mich nie anlügen würde und dass er mir, wie unbequem es auch sein mag, immer seine ehrliche Meinung sagt. Und mehr als einmal hat sich bereits herausgestellt, dass er damit nicht so falsch liegt.
Das begann schon damals, als ich wieder mit meinem (Ex-) Mann zusammen kam und den Kontakt mit T abgebrochen habe. Dennoch ging T mir die ganze Zeit nicht aus dem Kopf. Vor allem, weil es tatsächlich viele Dinge gab und gibt, die nur er mir geben kann. Beim Koch war es wieder ähnlich und jetzt die Sache mit dem Mitbewohner. Und zwischendurch fallen mir noch eine Hand voll weiterer Situationen ein.
T hat mir schon recht früh zu verstehen gegeben, dass eine klassische Beziehung für ihn nicht in Frage kommt, was für mich ja mittlerweile auch gilt. Und so wie ich ihn verstanden habe, hat er zwar tiefe Gefühle für mich, aber eben nicht so wie ich. Er schätzt mich, für das was ich bin, meine „Schwäche“ und Sensibilität. Und ich glaube, er hat es genossen und oder genießt es hin und wieder, für mich da sein zu können und auf mich aufzupassen, was ich ja auch unglaublich mag. Tja, nun habe ich mich aber auch weiter entwickelt. Ich weiß in vielen Punkten mittlerweile recht gut, was ich will und worauf ich Wert lege. Ich muss nicht mehr so oft an die Hand genommen werden. Und vor allem, gefällt es mir besser, wenn mein Gegenüber ebenfalls weiß, was er will und nicht nur, was er nicht will. Und genau das ist der springende Punkt. T weiß mehr, was er nicht will. Was auch super ist, aber das reicht mir eben manchmal nicht. Und trotzdem fühle ich für ihn so, wie ich eben nun mal fühle. Aber ich weiß, dass das zum einen nicht im gleichen Maße erwidert wird und ich zum anderen auch nie 100% das bekommen würde, was ich will. Und dann würde aus dieser bedingungslosen Liebe vermutlich eine mit ganz vielen Bedingungen werden, weil sie mich unglücklich oder zumindest nicht 100% glücklich machen würde.

Und genau deswegen habe ich mich immer wieder zurück gezogen und mich abgelenkt von diesem Gefühl. Immer dann, wenn ich gemerkt habe, im nächsten Moment könnte ich mich selbst so verletzen, dass ich es nicht mehr aushalte. Immer dann, als ich wusste, wenn ich ihn noch einmal berühre, verbrenne ich mich. Und so habe ich jedes Mal versucht, mich einfach in wen anders zu verlieben, was (wie wir wissen) jedes Mal nach hinten losging… als ob man sich vorsätzlich verlieben könnte… Und da ich das nie erklären konnte, bzw. nie erklärt habe, habe ich damit auch ihn verletzt, ohne es zu wollen.

Und was ist die Konsequenz?
Als T am Wochenende zu mir sagte, dass sich durch die Sache mit dem Mitbewohner zwischen uns etwas ändern würde, bekam ich erstmal ziemliche Angst. Was er mir damit sagen wollte war: dass er zukünftig erwartet, dass ich die Initiative ergreife, wenn ich etwas von ihm möchte. Die Sache ist, ich möchte ja, aber ich traue mich ganz oft nicht. Und das ist ein Stück weit einfach Selbstschutz.
Als wir redeten und ich ihn ansah, fühlte ich, wie die Gefühle wieder hoch kamen. Trotz allem, was er sagte, was eigentlich nicht so ganz zu meinen Gefühlen passte. Ich war unglaublich dankbar für seine Ehrlichkeit und unsere Offenheit. Und ich musste ihm versprechen, nie wieder Angst zu haben, ehrlich zu sein. Und ich bin sehr froh, dass ihn meine Offenbarung nicht verschreckt hat. Ich habe dann ungefähr zwei Stunden mit mir gerungen, bis ich ihn endlich küsste. Als ich ihm das sagte, lachte er und fragte „Wovor hast du denn Angst? Was soll denn passieren?“ Und er war überrascht. Er meinte, ich hätte ihn noch nie spontan von mir aus geküsst (wobei ich das immer noch bestreiten will). Aber ich kann sagen, wovor ich Angst habe. Nämlich vor dem Gefühl, was mich plagte, nachdem wir uns verabschiedet hatten. Ich vermisste ihn und ich wurde traurig. In mir stieg etwas hoch, was sich wie Liebeskummer anfühlte. Es war eine Mischung aus Ergriffenheit und Traurigkeit und ich hatte absolut keine Ahnung, wie ich mit diesem Gefühl umgehen soll. Ich weiß es auch jetzt noch nicht so richtig. Gleichzeitig freue ich mich aber auch über das kleine warme Herzklopfen in meiner Brust, was sich wie ein Stückchen Glück anfühlt.
Es wird sich nichts ändern zwischen uns und das ist gut so. Ich muss nur aufmerksam sein für das, was ich tue, was ich fühle und dass sich (im Idealfall) alle damit wohl fühlen…

… denn neben den Dingen, die ich hier schon erwähnt habe, mag ich an T vor allem diese Unbeschwertheit vielem gegenüber, einfach mal nicht nachdenken, einfach mal machen… Was wir am Wochenende noch so an „Dummheiten“ getrieben haben, wird in einem anderen Beitrag zu lesen sein.

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