Ernüchterung und Erkenntnis

Diese Woche hatte ich mein drittes Date mit dem attraktiven Singlemann. Und ich muss sagen, es war irgendwie ernüchternd. Schon in den letzten Tagen wurde das Schreiben weniger und das Gefühl in mir verstärkte sich, dass da keine wirkliche Connection zustande kommt. Nachdem ich letzte Woche unser Date zugunsten meiner Gesundheit gecancelt hatte, hatte er Verständnis und erwähnte zwar, man könne es am Sonntag nachholen, aber die Option kam dann nicht noch einmal zur Sprache. Mal davon abgesehen, dass ich selbst am Sonntag nicht in der Lage gewesen wäre, aber ein bisschen Proaktivität erwarte ich schon. Also war ich letztendlich diejenige, die wieder die Initiative ergriff und ein Treffen nach meiner Probe in seinem Kiez vorschlug. Er willigte ein, wir sprachen aber im Vorhinein nicht darüber, wie wir uns das Ende des Abends vorstellten. Ich packte zumindest Wechselunterwäsche und meine Zahnbürste ein. Denn mal davon abgesehen, dass ich es spannend gefunden hätte, zu sehen, wie er wohnt, wäre es ein schöner kurzer Heimweg und am nächsten Tag auch nur ein kurzer Weg zur Arbeit gewesen. Man muss ja auch immer die praktischen Dinge sehen. Ich war dann im Vorfeld aber trotzdem schon hin und her gerissen und hätte sogar mehr Lust gehabt, zum Orchester-Stammtisch zu gehen, aber ich wollte nicht schon wieder absagen und vor allem, wollte ich wissen, ob mein Gefühl stimmte.

Was ich mich nun im Nachhinein frage: Stimmt mein Gefühl wirklich, oder habe ich es selbst beeinflusst, weil ich ebenfalls durch meine Zweifel Desinteresse ausgestrahlt habe? Jedenfalls war an diesem Abend wirklich überhaupt gar keine Connection zwischen uns. Als die Barfrau fragte, ob wir gemeinsam zahlen sagte er sowas wie „Ja, ist mir egal, ich kann das schon machen.“ Wir unterhielten uns über Belangloses wie Arbeit oder Sport. Es war nett, aber eben auch nicht mehr. Ich kam mir beliebig vor und hatte nicht das Gefühl, dass ich ihn besser kennenlernen würde. Es war alles so oberflächlich. Zudem hatte ich das Gefühl, er redete ohne Unterbrechung, damit nicht ein Hauch von Platz für mehr entstand. Manchmal fiel er mir sogar ins Wort, was mich wirklich ärgerte. Und er sagte auch etwas, dass ziemlich gut zu dem passte, was er an diesem Abend ausstrahlte. Er habe allgemein nicht mehr so den Drang nach Action und nach der Arbeit groß was zu machen, er werde alt etc… Ich habe in dem Moment kurz überlegt, ihm zu sagen, dass ich genau das von ihm spüre. Und jetzt ärgere ich mich ein bisschen, dass ich es nicht angesprochen habe. Es interessiert mich tatsächlich sehr, was er von unserem Treffen hält und wie er dazu steht. Egal, ob wir uns wiedersehen oder nicht, ich werde ich danach auf jeden Fall noch fragen.
Auch, wenn wir uns prinzipiell gut verstanden haben, bin ich nach dem Treffen nicht mal sicher, ob es überhaupt für eine Freundschaft reichen würde.
Als wir gehen wollten, stelle er gar nicht die Frage, ob ich mit zu ihm komme. Es interessierte ihn lediglich, wie ich nach Hause käme. Das machte es nun endgültig klar.

Es bestärkt im Übrigen meine allgemeine Skepsis gegenüber Dates mit Singles. Man weiß nie so wirklich, woran man ist. Zum Einen, weil man vielleicht selbst nicht ganz genau weiß, was man eigentlich will oder erwartet und weil es ja immer noch tausend andere Optionen gibt und zum anderen … naja für den Gegenüber ist man eben auch erstmal eine von vielen. Und in seinem speziellen Fall ist es womöglich symptomatisch, dass er mit 37 single ist und sich auch keine besondere Art von Neigung im Hinblick auf Sexualität oder Dates oder Love-Lifestyle erkennen lässt. Ich verteufle den Single-Status ja bekanntermaßen nicht, im Gegenteil, dennoch finde ich es persönlich wichtig, einfach zu wissen was man will. (siehe auch 5-Jahresplan) Und das vermittelte er ganz und gar nicht.

Insofern hat mich diese ernüchternde Bekanntschaft dem wieder einen Schritt näher gebracht. Ich will Männer, die wissen, was sie wollen und ich will klare Verhältnisse. Ich denke, dass ich nicht ohne Grund mit meinen langfristigen Dates mittlerweile sehr gut befreundet bin. Es gibt eben gewisse Gemeinsamkeiten. Dazu gehört die allgemeine Einstellung zu Beziehungen, genauso wie sexuelle Neigungen oder das Interesse an bestimmten Aktivitäten. Und das habe ich definitiv bei diesen Männern.
Und ich glaube, wenn mein Gegenüber sich unsicher ist, kann ich damit nicht viel anfangen, weil es meine eigene Unsicherheit (die ich definitiv in vielen Punkten noch habe) nur verstärkt. Eventuell resultiert daraus auch diese Emotionslosigkeit. Ich kann für diesen Menschen dann keine Leidenschaft aufbringen.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso glücklicher bin ich gerade, diese Erfahrung gemacht zu haben. Wie gut, dass ich mittlerweile keine Angst mehr vor negativen Erfahrungen habe. Ich bekomme dadurch endlich Antworten auf bisher offene Fragen und das ist gut. Ich denke, ich kann das Thema Liebe für mich jetzt mal wieder klarer definieren. Ich möchte dazu noch einmal diese Leidenschaft aufgreifen. Liebe ist für mich eine Mischung aus eben dieser und einer freundschaftlichen Verbindung. Freundschaft heißt bedingungslos lieben, den anderen so zu nehmen, wie er ist – im Guten wie im Schlechten. Gepaart mit (gemeinsamer) Leidenschaft (Sex, Neigungen, Interessen) ergibt es das, was ich für mich als Liebe definiere. Es ist nicht so, dass ich generell keine Liebe (mehr) empfinde. Der Funke war schlicht und ergreifend nicht da. Wie beruhigend…

Vermutlich bin ich auch in gewissem Maße positiv vorbelastet, weil ja die ersten Dates, aus denen jetzt Beziehungen geworden sind, so super verlaufen sind und sich alles so positiv entwickelte. Immerhin habe ich mit jedem der drei Auserwählten im letzten Jahr auch schwierige, weniger gute und weniger intensive Phasen gehabt. Aber gerade in den letzten Tagen wurde mir wieder bewusst, dass ich genau diese Liebe, wie ich sie hier definiert habe, für diese drei Menschen empfinde…vielleicht sind es sogar vier…

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