Dates Vol. I

Da ich ja kürzlich wieder mal auf „Männersuche“ bei Ok Cupid unterwegs war, will ich hier anfangen ein paar Anekdoten über die Auserwählten sammeln. Sicherlich wird sich hier noch die ein oder andere amüsante Geschichte ergeben.

Nr. 1 – Der Technofan

Schon Ende letzten Jahres hatten wir bei Ok Cupid ein Match und texteten ein wenig. Er ist 37, geschieden, macht irgendwas mit Software und „chillt sich grad hart sein Leben“. Er wirkte auf seinen Bildern groß und gut gebaut, was auch der Realität entspricht. Zudem ist er ein bisschen crazy und hat ständig wechselnde Haarfarben. Er liebt seine Zimmerpflanzen, trägt (vermutlich immer) Sneakers und seine favorisierte Musik ist Techno, womit ich leider gar nichts anfangen kann. Seit fünf Jahren ist er glücklich in einer offenen Beziehung. Das ist wohl auch der Grund, wieso die App 93% Übereinstimmung anzeigte. Da ich letztes Jahr, gerade noch etwas mit dem Koch am laufen hatte, verfolgte ich den Kontakt zunächst nicht weiter und irgendwann war auch unser Chat verschwunden, was mich schlussfolgern ließ, dass er das Match aufgelöst hatte. Als mich dann die Langweile und die Neugier in diesem Jahr wieder in der App stöbern ließ, schrieb er mich plötzlich erneut an. Ich freute mich und antwortete. Diesmal texteten wir deutlich weniger, als beim ersten Mal. Wir tauschten aber relativ schnell Nummern und beinahe hätte es noch am selben Abend ein Spontan-Date gegeben. Wir verabredeten uns dann in der Woche darauf in einer Bar unweit meiner Wohnung (war klar, was das heißen sollte). Ich war vor dem Treffen echt etwas verunsichert, weil ich 1. nicht wusste, ob ich wirklich Bock hatte und ich mich 2. auch bisher nie mit jemandem getroffen hatte, von dem ich so wenig wusste.
Er war eben einfach nicht so der große Schreiber. Das Treffen war dann aber wirklich sehr nett. Er war witzig, charmant, interessiert und überaus offen. Wir redeten viel über Beziehungen, über Berlin, über unsere Jobs …eigentlich über alles Mögliche. Langweilig wurde es jedenfalls nicht. Dass er unter der Woche keinen Alkohol trank, hielt mich davon natürlich nicht ab und ich merkte, wie mir der langsam zu Kopf stieg. Zwischendurch fragte er, wie ich unser Date finde. Ich wusste vor Schreck keine Antwort. Ich wusste es wirklich nicht! Irgendwie schienen wir beide nicht sicher zu sein, ob wir das wirklich wollten. Wir machten uns nach dem zweiten Drink auf den Weg in Richtung meiner Wohnung und wollten unterwegs entscheiden. Ein kleines bisschen Lust hatte ich schon. Er gefiel mir ja auch ziemlich gut. Da ich aber nicht zu 100% überzeugt war und ich den Alkohol wirklich spürte, zog ich kurz vor meinem Haus die Notbremse und wir verabschiedeten uns, was für ihn auch okay war. *stolz auf mich* Immerhin beschlossen wir, in Kontakt zu bleiben. Ich bin ehrlich: ich hatte seitdem nicht wirklich den Impuls, ihm noch einmal zu schreiben – er offensichtlich auch nicht. Nicht, weil das Date schlecht war, aber da ist einfach kein Funke übergesprungen. Insofern ist es bei diesem einen Date geblieben.

Nr. 2 – Der attraktive Dauersingle

Ein paar Tage später stöberte ich durch meine Ok Cupid Matches und mir fiel ein Typ mit einem äußerst charmanten Lächeln auf. Zudem wirkte er gut gebaut und trainiert. Er machte mich wirklich direkt an, also schrieb ich ihm. Er reagierte auch prompt auf mein Kompliment zu seinem charmanten Lächeln (ich weiß, etwas plump, aber es hat ja funktioniert). Eigentlich bin ich eher nicht diejenige, die zuerst schreibt, aber diesmal war es mir das wert. Er bemerkte auch gleich meine außergewöhnliche Frisur. Ich muss sagen, ich hab ganz kurz die Augen verdreht, denn das schreibt mir so gut wie jeder bei Ok Cupid. Aber gut, die kurzen roten Haare sind nun mal das Markanteste, was einem so auf den ersten Blick an mir auffällt und mich von vielen anderen unterscheidet. Wirklich viel gab er in seinem Profil nicht preis. Nur, dass er neu bei der App sei und quasi offen für alles. Immerhin matchten wir zu 87%.
Ich mochte von Anfang an, dass er mir sehr ausführlich auf meine Fragen antwortete. Er ist 37, steht mit beiden Beinen fest im Leben, ist sportlich, immer viel unterwegs und kommt genau wie ich aus Sachsen. Ich störte mich allerdings ein klein wenig daran, dass er kaum Fragen stellte und ich es teilweise echt anstrengend fand, die Konversation am Laufen zu halten. Sagen wir mal, es forderte meine Kreativität. Dennoch fassten wir nach ein paar Stunden Geschreibsel grob die nächste Woche für ein erstes Treffen ins Auge. Ich stellte gleich klar, dass ich mittwochs NIE Zeit habe, da ich an dem Tag IMMER zur Probe gehe. Umso verwunderter war ich, als zwei Tage später die Frage nach einem spontanen Treffen am Mittwoch kam. Es gäbe da evtl. ein Zeitfenster… Hatte er meine Nachrichten nicht aufmerksam gelesen? Und wollte ich der Lückenfüller für ein spontanes Zeitfenster sein? Als ich den Vorschlag ablehnte, schlug er prompt den nächsten Tag vor, man könne sich das ja mal offen halten. Nein, ich wollte mir nichts offen halten! Oder wollte er mich unbedingt ganz schnell persönlich kennen lernen?! Da ich in der Woche wirklich viel um die Ohren hatte, vertagten wir das Treffen dann auf die darauffolgende Woche und machten tatsächlich für den Montag etwas aus. Ich schlug vor, dass jeder von uns zwei Bars raussucht und wir uns dann entscheiden. Mal davon abgesehen, dass ich dadurch zwei neue Bars in meinem Kiez entdeckte, in die ich unbedingt mal gehen muss, war das eine gute Möglichkeit zu sehen, wie viel Mühe er sich dabei geben würde. Und er machte sich wirklich einen Kopf. Sein zweiter Vorschlag wurde auch promt mein Favorit: eine gemütliche kleine Bar im „Wohnzimmer-Stil“.
Vor dem Treffen war ich dann wirklich etwas aufgeregt. Ich wechselte sogar noch zweimal das Outfit, bevor ich mich entscheiden konnte. Als wir uns dann sahen war die Aufregung zum Glück schnell verflogen. Seine lockere, natürliche Art catchte mich direkt. Er war tatsächlich so attraktiv, wie seine Bilder es versprachen und ich war die ersten Minuten beinahe etwas eingeschüchtert davon, dass er gleich das Gespräch dominierte. Wir groovten uns aber recht schnell ein und ich genoss es, dass er viel von sich und seinem Leben erzählte, interessiert war, das Gespräch spannend blieb und keinerlei „peinliche Pausen“ entstanden. Er war schon eine Weile Single, hatte aber immer mal ein paar Sachen am laufen und war insgesamt sehr aufgeschlossen beim Thema Sex, Clubs, Feiern etc. In dieser Hinsicht passten wir also ganz gut und ich öffnete mich mehr und mehr. Was zur Folge hatte, dass er mich irgendwann ansah und sagte „Mit dir kann man sicherlich viel Spaß haben“ und mich im nächsten Moment küsste. Ich kam mir ein bisschen wie ein Teenie vor, wie wir die nächsten zwei Stunden immer zwischen vertieften Gesprächen und wildem Geknutsche wechselten. Irgendwann beschlossen wir aufzubrechen und fuhren zu mir. Da ich leider nicht „konnte“, blieb es bei wildem Gefummel, was definitiv Lust auf mehr machte. Die Tatsache, dass wir uns selbst am nächsten Morgen nach einer viel zu kurzen Nacht noch gut gelaunt unterhalten konnten und er mich zum Abschied mitten auf der Straße noch einmal küsste, ist denke ich eine gute Voraussetzung für eine Fortsetzung. Er schien daran zumindest ebenso großes Interesse zu haben wie ich…

tbc…

Nr. 3 – Der Mitbewohner meiner besten Freundin

Ich bin mir gar nicht sicher, ob man das Date nennen kann. Ich bin ja im letzten Jahr einmal – mehr oder weniger ungewollt – nach einer WG-Party mit dem Mitbewohner meiner besten Freundin im Bett gelandet. Und eigentlich sollte es dabei auch bleiben. An Silvester hatten wir extra ein „Nicht-Date“ vereinbart. Auch wenn er es gern anders gehabt hätte, aber er respektierte es. Nun ist es allerdings so, dass wir uns ziemlich gut verstehen und ich seitdem mehrere Male bei ihm war und wir zusammen Wein getrunken und Serien geschaut haben. Einmal gab es so eine Art „Mitleidsnummer“, da ich in einem spontanen Anfall von Emotionalität plötzlich heulend auf seiner Couch saß. ((Ex-) Mann, was sonst?!) Letzte Woche kam es dann so, dass ich auf dem Heimweg mit dem Fahrrad in eine Schraube fuhr und der Reifen natürlich platt war. Da ich gerade zufällig nur wenige 100 Meter von der WG entfernt war und der Fahrradladen auch dort um die Ecke ist, verabredeten wir uns spontan, um meine Wartezeit während der Reparatur zu überbrücken. Und wie wartet es sich am besten? Natürlich mit Wein auf der Couch. Aus einer Flasche wurden dann schnell zwei und irgendwie kam eins zum anderen…also, naja er gab sich auch ziemlich viel Mühe, dass es so kam. ABER: diesmal war es wirklich ziemlich gut und machte auch echt Spaß. Wir ticken da recht ähnlich, das haben wir schon in unseren (sehr ausführlichen) Gesprächen festgestellt. Und auch so ganz allgemein verstehen wir beide uns super. Wir haben ähnliche Interessen, schauen die gleichen Serien und sind beziehungsmäßig beide offen unterwegs. Zudem gehen wir zu gleichen Musik ab und haben eine Schwäche für süffigen Wein. Meine beste Freundin meinte schon, dass wir eigentlich ganz gut passen würden. Tatsächlich hat er mich die Tage wieder gefragt, ob ich nicht Lust auf Wein hätte. Konsequenter Weise musste ich wirklich absagen, da ich zur Zeit wieder ziemlich viel unterwegs bin und ich weiß, wie diese Abende enden und vor allem, wie die nächsten Morgende sind. Und da ich nicht wieder an einen Punkt kommen will, wo mir alles zu viel wird und ich ja eigentlich auch weniger trinken wollte, bin ich diesmal vernünftig geblieben und es gab kein weiteres „Nicht-Date“. Ich würde sagen, auch hier bleibt abzuwarten, wie es weiter geht, denn er bleibt trotz meiner Absage(n) hartnäckig und fragt ziemlich regelmäßig nach neuen Treffen.

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