Angstgedanken

Bei all den positiven, euphorischen und nach vorn schauenden Gedanken, habe ich immer wieder die Angst im Nacken sitzen. Noch immer ist der Gedanke an die Scheidung total surreal. (Fast genauso surreal, wie der, dass ich geheiratet habe) Und wenn ich darüber rede, versuche ich mit Sarkasmus die Schwere aus dem Thema zu nehmen. Wie soll man es denn auch anders machen, wenn nicht mit einem Augenzwinkern?! Immerhin zwinkere ich mal aus einem weinenden und mal aus einem lächelnden Auge.

Und dann kommen wieder viele Fragen hoch. Ich habe diesen Menschen mal geliebt. Habe ich das wirklich? Was ist Liebe eigentlich? Liebe sollte leicht und bedingungslos sein, oder?! Das war sie leider bei uns nie. Sie war schwer und voller Erwartungen an den anderen. Und während ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass der Koch und ich verzweifelt versucht haben, uns bedingungslos zu lieben. Aber leider gab es tief in uns zu viele Bedingungen – grundsätzliche – die zu viel waren und uns zu sehr im Weg stehen. Aber es gibt mir Hoffnung, dass es sowas wie bedingungslose Liebe wirklich geben kann. Wann und wo? Keine Ahnung. Manchmal fühle ich mich fast ein wenig abgestumpft, weil ich Angst habe, aufgrund all der Unverbindlichkeiten so eine Liebe nicht spüren zu können, oder sie zu verpassen, wenn sie vor der Tür steht.

Was macht es mit mir? Ich bin immer noch frustriert, nicht mehr verzweifelt, aber frustriert und enttäuscht. Nicht nur von ihm, auch von mir selbst. Es ist etwas überspitzt, aber manchmal habe ich das Gefühl, ich habe versagt. Nicht mal unbedingt, weil ich die Ehe nicht retten konnte, sondern weil ich mich selbst hintergangen habe und nicht ehrlich zu mir sein konnte.

Und so plage ich mich jeden Tag mit der Achterbahn an Gefühlen und weiß, dass da noch eine ganze Menge auf mich zukommt, wenn denn der Tag der Scheidung ansteht. Auch, weil ich ihm dann noch einmal gegenüber treten muss. Das wird sicherlich merkwürdig, immerhin haben wir uns mehr als ein halbes Jahr nicht gesehen. Aber danach wird Schluss sein, endgültig. So viel steht fest.

Das Gefühl, dass es zu Ende geht, ist gut. Im Endeffekt ist es nur noch eine Formalität. Anderseits bricht man ein Versprechen, was man sich gegenseitig vor dem Gesetz und vor der ganzen Familie und allen Freunden gegeben hat – noch ein Verrat. Ich habe viele Erinnerungen, gute und schlechte, die ich mir bewahren kann. Wobei ich manchmal wirklich nach den guten suchen muss und die schlechten eindeutig überwiegen. Wie soll man sich da Gutes bewahren? Ich habe immer noch unendlich viele Gedanken, komische Situationen kommen in mir hoch, die ich jetzt ganz anders sehe, viel kritischer hinterfrage. Ist es eine verzerrte Wahrnehmung, oder sehe ich die Dinge jetzt einfach klarer?

Es ist richtig und gut, das war mir schon direkt nach der Trennung bewusst. Ich wollte ihn in keinem Moment zurück haben. Nur habe ich mir irgendwie gewünscht, es würde menschlicher ablaufen. Nicht in so einem sich Anschweigen, nicht reden, nur noch schriftlich kommunizieren. Das hatte ich mir nie vorgestellt. Ich dachte sogar eine Zeitlang, wir könnten irgendwann Freunde sein. Damals waren wir uns so vertraut (oder zumindest dachten wir das) und jetzt ist er nur noch irgendein Mann, der meinen Nachnamen trägt. Und man wird sich vergessen, aus den Augen aus dem Sinn. Einfach weg, ein Mensch mit dem man so viel geteilt hat, wird irgendwann nur noch eine blasse Erinnerung sein. Fünf Jahre Beziehung sind auf ein ganzes Leben gerechnet nicht viel.

Er ist nur ein trauriger Abschnitt. Ich habe keine Tränen mehr für ihn und ich will sie auch nicht mehr. Es ist nur verschwendete Zeit, Zeit die ich für mich und meine Bedürfnisse hätte nutzen können. Und – wenn auch nur nebensächlich – eine Menge verschwendetes Geld für die Hochzeit, die Scheidung und auch die Beziehung an sich.

Alles, was ich jetzt noch versuchen kann, ist gesund da raus kommen, ohne weitere Wunden davon zu tragen. Vor dem letzten Kampf habe ich wirklich Angst. Mir hilft nur der Gedanke, weiter nach vorn zu sehen und mich an den Dingen zu erfreuen, die vor mir liegen. Eins steht fest: ich will versuchen nur noch zu tun, was mir gut tut, auf Herz, Bauch und Kopf im richtigen Maße hören und das Leben in vollen Zügen genießen, so wie es mir gefällt.

 

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