Erkenntnis – oder wie belüge ich mich selbst

Aus. Vorbei. Das wars!
Echt jetzt? Echt jetzt! Genug gekocht, das Essen ist versalzen. Der Koch ist Geschichte.

Vielleicht wird der ein oder andere jetzt sagen: irgendwie war das doch klar. Bei dem ganzen Hin und Her, dem Einlassen, weiter entwickeln, stehen bleiben, zurück gehen, Verletzungen, Unoffenheit, Lieben, Hassen…

Ich habe es versucht, weil ich jemand bin, der nicht aufgibt, weil jeder eine zweite Chance verdient hat und weil ich jedem Menschen immer erstmal einen Vertrauensvorschuss gebe. Allerdings ist der jetzt wirklich aufgebraucht. In den letzten Wochen war die Achterbahnfahrt mal wieder eine besonders wilde, zu wild. Es kann doch nicht sein, dass ich in einer Beziehung alle 14 Tage nicht mehr weiß, ob wir überhaupt noch zusammen sind.
Und wer ist schuld? Ich glaube, die Schuldfrage zu stellen ist komplett überflüssig. Wir wollten beide eine Beziehung, um jeden Preis mit dem ganzen Kram, den man halt so macht und Gefühle waren ja auch da. Doch keiner von uns konnte so richtig aus seiner Haut, oder über seinen Schatten springen. Unterbewusst verlangten wir vom Anderen so vieles. Vieles, was er wir einfach nicht geben konnten. Und so siegte bei mir am Ende die Vernunft und die Erkenntnis, dass es für mich besser ist, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Ich brauche Stabilität und ein geregeltes Leben. Ich muss mal wieder klar kommen und nicht immer kaputter werden. Ich habe mir eingeredet, ich könnte ein ebenso wildes Leben führen wie er. Ja, konnte ich, aber eben nur begrenzt. Und spätestens, wenn mein Körper mir signalisiert, dass er nicht mehr kann, ist es höchste Zeit etwas zu ändern. Und da er in dieser Sache keinen Schritt auf mich zu machen wollte, musste ich eben den Rückzug antreten. Ich nehme ihm das nicht übel. Ich muss aber einfach schauen, was für mich am besten ist.
„Selbst gewähltes Leid“ hat er gesagt. War es. Aber ich kann nicht auf Dauer leiden. Eine Beziehung sollte eine Bereicherung sein und kein ewiges Leiden.

Andersherum verhält es sich ja nicht anders. Er wollte eine monogame Beziehung mit mir. Ich war bis zum Schluss am Zweifeln, ob das für mich funktioniert. Und jetzt weiß ich, es hat mir nicht gereicht.
Vielleicht sind wir uns am Ende auch beide auf den Keks gegangen, weil wir unterbewusst spürten, dass es eigentlich nicht so passt, wie wir es gern gehabt hätten, weil es zu viele Differenzen gab. Vielleicht nahm deswegen auch die Wertschätzung so rapide ab, wir wurden unzufrieden und unglücklich. Und dennoch sollte man eine solche Unzufriedenheit nicht unbedingt am Partner auslassen. Zumindest nicht in dem Sinne, dass man anfängt den anderen schlecht zu behandeln, und keinerlei Wertschätzung mehr zeigt. Leider ist genau das passiert: Eskalation, Dinge die ich nicht verzeihen kann und möchte. Einerseits traurig, andererseits hat es mir die Augen geöffnet und mich alles plötzlich ganz klar sehen lassen. Ich möchte nicht mehr nur die Frau sein, die seine Freundin ist, denn genauso hat es sich am Ende nur noch angefühlt. Und ich möchte nicht mehr nachts betrunken durch Berliner Kneipen ziehen. Ich möchte ein ganz normales, gesundes Leben, endlich wieder alles auf die Reihe bekommen,  glücklich sein.

Und auch wenn es weh tut, es ist okay, weil ich weiß, dass es besser wird und weil ich etwas wollte, was leider nicht mein Leben war. Das Leben muss weiter gehen. Ein bisschen Wut hilft auch dabei, einen glatten Schnitt zu machen. Diesmal wirklich.
Und ich habe ja immer gesagt, ich will keinen Menschen verändern, wenn er nicht selbst den Impuls dazu hat. Und entweder es bleibt alles im Rahmen des Aushaltbaren, oder eben nicht. Genauso wenig möchte ich mich verbiegen. Und mein Bauchgefühl hat mir insgeheim oft genug gesagt, was richtig und gut für mich ist.
Die Zeit war toll und sie war besonders, ich weiß zu schätzen, was wir hatten und was er für mich getan hat und ich werde nichts davon bereuen, weil ich auch sehr glücklich war. Das wilde Leben, die langen Nächte, die Menschen, die ich kennen lernen durfte… Es war eine Bereicherung, zumindest für eine gewisse Zeit. Jetzt habe ich das Gefühl, er kann mir nichts mehr geben und ich ihm auch nicht, nicht das, was er sich eventuell erhofft. Wir passen einfach nicht. Rot und Grün. Legostein. Zerbrochen.

 

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