Auf der Suche…

Wertschätzung. Ein großes Wort, welches uns tagtäglich begleitet. Ständig sind wir auf der Suche nach Wertschätzung und Anerkennung und tun bestimmte Dinge, um möglichst viel davon von anderen zu ernten. Wir fühlen uns dadurch besser und wertvoller. Aber warum fühlen wir uns in der heutigen Gesellschaft so furchtbar abhängig von der Wertschätzung anderer? Tun wir diese Dinge nur, um unser persönliches Perlenkörbchen immer schön voll zu haben?

Es wäre doch viel schöner, wenn wir es immer schaffen würden, uns selbst genug zu lieben, um nicht in dieser Spirale der Abhängigkeit gefangen zu sein. Ich habe diesbezüglich gute und schlechte Tage. An den guten Tagen bin ich eins mit mir, ich kann von morgens bis abends mit mir allein sein und bin zufrieden. Ich brauche niemanden, der mir sagt, wie toll ich bin. An schlechten Tagen sieht das ganz anders aus. Ich mag mich selbst nicht im Spiegel ansehen und wenn ich es tue, empfinde ich nur Mitleid mit mir selbst. Dann bin ich auf der Suche nach der Wertschätzung anderer. Und wenn ich sie bekomme? Bin ich dann glücklicher? Ja, für den Moment.

Niemand ist perfekt, deswegen wird es dieses perfekte Szenario der bedingungslosen Selbstliebe niemals geben oder sagen wir mal: nur in Ausnahmefällen. Aber wir können daran arbeiten, unsere Stimmungen und Gefühle nicht von anderen Personen abhängig zu machen. Doch gerade bei Menschen, die uns nahe stehen, neigen wir dazu, uns davon beeinflussen zu lassen. Ein gesunder Egoismus ist durchaus angebracht. Ich muss nicht mies gelaunt sein, nur weil mein Partner schlechte Laune hat. Ich kann versuchen, etwas von meiner positiven Stimmung abzugeben. Wenn der Funke nicht überspringt, trifft mich allerdings keine Schuld.
Was viel schlimmer ist, negative Gefühle grundlos auf andere zu projizieren und damit ein eindeutiges Zeichen der Nicht-Wertschätzung zu setzen, egal ob gewollt oder ungewollt.

Sich selbst zu reflektieren und zu überlegen, woher die schlechte Stimmung kommt, ist wichtig. Nur so kann man auch weiterhin wertschätzend mit seinen Mitmenschen und vor allem mit sich selbst umgehen. Ich bin egoistisch. Aber ich denke, ich habe einen gesunden Egoismus und versuche den Menschen, die ich liebe, die Wertschätzung entgegen zu bringen, die sie verdienen.

Ich bin im Moment von einer Beziehung sehr enttäuscht. Da ich kaum Wertschätzung verspüre und mich langsam frage, warum das plötzlich nicht mehr möglich ist. Ich glaube, ich muss mir nicht vorwerfen lassen, dass ich immer nur zuerst an mich denke. Ist es nicht eher ungesunder Egoismus zu sagen „Hey, ich bin nun mal so, wenns mir scheiße geht, kann ich auch alle anderen scheiße behandeln! Du willst mich, also komm damit klar!“? Mit so einer Einstellung, kann ich leider rein gar nichts anfangen und ich beginne, mich in Zweisamkeit einsam zu fühlen.

Ich habe verschiedene Strategien damit umzugehen.
Strategie Nummer 1: Positive Vibes weitergeben.
Das heißt, ich versuche aufmerksam zu sein, Anteil zu nehmen und vielleicht durch ein paar aufmunternde Worte die schlechte Laune zu vertreiben, oder ihr zumindest etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Strategie Nummer 2: Konfrontation
Wenn Aufmunterung zwecklos ist, muss man über Ursachen reden und außerdem dem Gegenüber mal ganz deutlich machen, dass so ein nicht-wertschätzendes Verhalten sehr verletzend sein kann.
Strategie Nummer 3: Rückzug
Wenn das alles nicht bringt, ziehe ich mich zurück. Ich muss mir keinen Stiefel anziehen, der mir nicht passt. Meine Schwäche bei dieser Strategie: ich suche verzweifelt bei anderen Menschen nach Wertschätzung. Menschen von denen ich weiß, sie können mir das, was ich so dringend brauche in dem Moment geben. Weil ich ja gewissermaßen doppelt negativ aufgeladen bin. Ich spüre die enttäuschten Erwartungen und bin gleichzeitig unfähig, mich selbst genug zu lieben. Und das lenkt mich vom eigentlichen Problem ab.

Die Lösung des „Problems“ schiebe ich so aber nur immer weiter vor mir her. Ich höre auf, mich damit zu befassen. Ich lenke mich ab mit anderen positiven Vibes. Doch irgendwann fällt mir wieder ein, wie unglücklich ich bin und dass ich dieses Gefühl nicht mit allerhand Wertschätzung anderer überdecken kann.
Eventuell ist mir die Lösung unterbewusst schon klar und ich habe nur Angst sie auszusprechen. Und insgeheim warte ich ab, ob sich die positiven Gefühle wieder einstellen. Die Frage ist nur, wie lange ich noch warten kann…?

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