Liebe eben…

Es passiert gerade etwas, was mich überwältigt und mir den Kopf verdreht. Ich will versuchen, es in Worte zu fassen.
Mein Koch und ich sind wieder ein Paar, das hatte ich schon erwähnt…und ja, wir sind es immer noch, falls irgendjemand daran gezweifelt haben sollte. 😉
Er ist mein Freund und das kann gern jeder wissen. Ich sehe mich gerade von ihm mit einer Liebe „konfrontiert“, bei der es mir manchmal schwer fällt, sie anzunehmen, bzw. sie fassen zu können. Wenn ich manchmal so darüber nachdenke, kommt es mir vor, als hätte ich vorher gar nicht so genau gewusst, was Liebe ist, wie sie sich anfühlen kann und was ein Mensch, der einen liebt bereit ist für den anderen zu geben.

Sicherlich ist mein Blick auf meinen Ex etwas getrübt von all den schlimmen Verletzungen, Wunden und Narben, die ich aus der Beziehung trage. Und ich versuche mich zu erinnern, wie die erste Zeit war. Die Zeit, in den der man davon spricht, dass man die rosarote Brille trägt, die ersten Wochen, das Kennenlernen. Die Zeit war schön, aber definitiv anders. Ja, jetzt können schlaue Leute sagen: er ist ja auch wer anders. Schon klar…aber wenn ich darüber nachdenke, war es oft verkrampft, gezwungen, immer so furchtbar bedacht auf Perfektion… zumindest für mich fühlte es sich so an, denn ich war nicht ich, das weiß ich jetzt. Und genau das wird mir jetzt erst so richtig klar, weil ich es jetzt weiß, wie ich wirklich bin und auch bisher nie das Gefühl hatte, mich für meinen Koch irgendwie verbiegen zu müssen. Und vor allem weil ich jetzt mal sehe, wie es anders sein kann: nämlich super entspannt und eben nicht voll perfekt.

Es ist kein Geheimnis, dass ich Angst habe vor dieser Liebe. Aber warum? Ich rede mir ein, dass es daher kommt, dass ich von meiner vermeintlich großen Liebe so unglaublich doll verletzt worden bin, weil wir die Ehe gegen die Wand gefahren haben. Aber letztlich war er einfach nicht meine große Liebe. Und eigentlich sollte ich aufhören, mich selbst zu bemitleiden und mich endlich vollkommen dafür öffnen, dass es zumindest nach jetzigem Stand einen Menschen – einen Mann – gibt, der alles für mich tun würde, oder dies zumindest immer wieder betont.

Am Wochenende habe ich es mal wieder geschafft, dass meine Gedanken aufgrund merkwürdiger alkoholisierter Flashbacks und diesem ganzen „Mir geht´s ja so schlecht, weil meine Ehe gescheitert ist“ so verwirrt waren, dass ich mich beinahe selbst davon überzeugte, keinem mehr vertrauen zu können. Fakt ist jedoch, dass ich mir selbst nicht vertraue, dass ich immer noch Angst habe, Liebe könnte wirklich so falsch und so verlogen und so unbeständig sein, wie ich sie kennen gelernt habe. Dabei sollte ich doch in den letzten Monaten (durch alle Begegnungen) mittlerweile gemerkt haben, dass Liebe sehr viel mehr ist als das, was ich bereits kannte.

Ist es Liebe, wenn er (weil ich Veganerin bin) auf Fleisch verzichtet und sich sogar, wenn ich nicht da bin öfter mal etwas vegetarisches kocht und dann zu mir sagt, er tut es, um mir zu gefallen?! Ihm ist klar, dass ich dass natürlich zu schätzen weiß, er das aber nicht tun müsste (um mir zu gefallen) und dass ich so etwas niemals von irgendwem verlangen würde. Und daraufhin sagt er: „Dennoch würde ich alles für dich tun“, das habe er uns geschworen.  Und ich erwidere nur: „Ja, und das ist unfassbar“ (weil ich es wirklich nicht glauben kann), und er: „Liebe eben.“ Und während ich diese Zeilen lese, bin ich zu Tränen gerührt. Und während ich all das hier schreibe, bin ich etwas überwältigt von dem, was es in mir auslöst und vergesse sogar, dass ich etwas traurig war, weil er gestern nicht mehr geschrieben hat. Wenn ich mit ihm zusammen bin, will ich plötzlich nicht mehr wegrennen, sondern die Zeit anhalten. „Liebe eben“ hat er gesagt und das ist so einfach und banal, dass ich gar nicht weiß, ob ich nun weinen oder lachen will. Wenn wir uns in den Armen liegen, dann halten wir uns gegenseitig und ich mag es unglaublich gern, wie er mich hält. Letztens lagen wir beide schlaflos die halbe Nacht wach, aber eigentlich war es gar nicht so schlimm, weil ich es genossen habe, mich immer wieder an ihn kuscheln zu können und ich es mochte, wie er mich immer wieder fest in seine Arme zog…

Natürlich bin ich nicht so naiv, dass ich nicht wüsste, dass auch jetzt gerade viel rosarote Brille mit dabei ist. Ich habe aber das Gefühl, dass wir beide auch realistisch sind. Wir wissen, dass einem die Liebe nichts schenkt, dass Beziehungen Arbeit sind und dass man auf sich und den Anderen Acht geben muss. Und ich sehe da eine ganz klare Entwicklung bei uns, eine positive. Jeder von uns macht sich Gedanken und wir sprechen sie an, wir reden darüber und finden Lösungen. Niemand ist perfekt, keine Beziehung kann es je sein, aber wir haben jeden Tag die Chance, das Beste daraus zu machen und an den Stellen zu arbeiten, wo es notwendig ist.
Ich will es versuchen und dem Ganzen eine Chance geben, in der Hoffnung, dass ich diesmal die wahre Liebe von einer besseren Seite kennen lerne.

 

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