Berg der Erkenntnis

In meinem Orchester gibt es unglaublich viele verschiedene Menschentypen und es ist super spannend, mit denen Gespräche zu führen. Meine Beziehungen zu den Leuten da, sind auch ganz unterschiedlich eng.  Eine mittlerweile gute Freundin ist Psychologin und hat mich gestern zu einem Spaziergang im Park eingeladen und mir ein Gespräch angeboten. Da ich selbst schon zwei Mal mein Haupt mehrere Wochen auf Psychologensofas gebettet habe und diese Erfahrung auch keine so negative für mich war, stimmte ich spontan zu. Wir machten einen Spaziergang zum Kreuzberg, auf dem ich noch zuvor nie war und ich erzählte ein bisschen von den aktuellen Ereignissen. Sie liest hier sehr aufmerksam mit und hat meine Geschichte schon seit einigen Wochen intensiv verfolgt.

Sie selbst hat kürzlich eine Pilgerreise unternommen, was für sie eine sehr intensive, aber auch schmerzliche Erfahrung war. Auf dieser Reise kamen ihn viele wertvolle Erkenntnisse, die ihr Leben nachhaltig verändert haben. Auch sie ist gerade auf dem Weg zu sich selbst, das ist ein langer Prozess. Aber immer wieder, wenn ich solche Menschen treffe, ich bin sehr dankbar über den Austausch. Denn auch wenn wir noch nicht zu 100% mit uns im Reinen sind, haben wir begonnen, auf dem richtigen Weg zu gehen. Diese Gespräche sind unglaublich reflektierend. Die Psychologin ist eine von denen, die kein Blatt vor den Mund nimmt und hat mir auf unserem Weg hinauf auf den Kreuzberg die ungeschönte Wahrheit mitten ins Gesicht gesagt.

Wie gesagt, klagte ich ihr mein Leid und meinen Kummer über die aktuelle Schweigesituation. Und sie machte mir einen ganz entscheidenden Punkt klar: nicht ich war hier das Opfer des Schweigekünstlers. Denn ich habe jemanden mit einer Aussage so sehr verletzt, dass es nur natürlich ist, dass er eine Konsequenz daraus zieht und erstmal schweigt. Dieses Zurückziehen ist seine Art sich vor weiteren Verletzungen durch mich zu schützen. Und ich war egoistisch genug, das nicht zu akzeptieren, mich ihm dennoch aufzudrängen und dadurch einiges noch schlimmer zu machen. Es ist vielleicht nicht mein Weg, denn ich bin ein Redemensch. Ich kläre Dinge gern direkt. Dennoch sollte ich solche Entscheidungen anderer respektieren.

Und global betrachtet ist es nicht nur meine Aussage, die ihn verletzt hat, sondern auch mein vorangegangenes Verhalten. Ich war mir bisher nur nie dessen bewusst, wie tiefgreifend das wirklich für ihn sein muss. Und jetzt gerade fühle ich mich wie ein riesen Arschloch. Es fällt mir schwer, in den Spiegel zu sehen. Wobei auch ich nur so gehandelt habe, um mich selbst zu schützen, was dennoch keine Rechtfertigung darstellt.

Durch das Gespräch auf dem Berg, sind mir ein paar Dinge die mir schon eine Zeit lang klar waren, noch klarer geworden. Manchmal braucht man jemanden, der die die Gedanken, die man schon lange in sich rumträgt mal laut ausspricht.

Ich bin zwar dankbar über die Erkenntnis, aber sie macht mich auch ziemlich traurig. Wobei das auch daran liegen könnte, dass ich Fehler zwar einsehen kann, aber mit Schuldgefühlen nicht besonders gut klar komme. Alles was ich meinem Gegenüber vorgeworfen habe, trifft viel mehr auf mich zu. Es ist wieder dieses typische, dem anderen einen Spiegel vorhalten. Das was man selbst nicht leisten kann, wirft man lieber anderen vor. Ist ja auch viel leichter, als den Fehler bei sich zu suchen. Ich habe ziemlich egoistisch gehandelt, weil ich mich selbst lieber in dieser Opferrolle sehen wollte und weil ich einfach verdammt impulsiv bin und nicht nachdenke. Das ist manchmal ganz witzig, geht aber auch gern mal nach hinten los.
Ich denke, eine Entschuldigung ist längst überfällig…

 

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