Hello Frankfurt

Ich habe einen kurzen Zwischenstopp in Frankfurt eingelegt und dort eine Freundin besucht. Eigentlich ist es nur die Freundin einer Freundin, aber trotz des unregelmäßigen Kontakts, haben wir uns prächtig verstanden. Sie ist genau wie ich ein sehr offener Mensch und wir konnten viel lachen und reden…Natürlich auch über Männer und Sex. Ich mag es, mich auszutauschen, Neues zu hören und meine Erfahrungen zu teilen. Und so ein pikantes Thema bietet einfach auch immer mehr als genug Gesprächsstoff. Außerdem hatten wir einen tollen Tag in der Stadt. Es war mein erster Besuch in Frankfurt und ich war gespannt, da viele ja behaupten, die Stadt wäre eher eine der unschönen. Wir begannen die Stadtbesichtigung mit einem leckeren Stück Kuchen auf der Dachterrasse des Galeria Kaufhof in der Innenstadt. Meine Freundin wohnt recht zentral und so konnten wir alles zu Fuß erreichen. Die Sicht war wunderbar und die Sonne ließ sich auch noch blicken an diesem Spätsommertag. Trotz der markanten Hochhäuser oder vielleicht auch gerade deswegen fand ich den Ausblick und die Skyline schon recht beeindruckend. Nach der Stärkung schlossen wir uns einer der Alternative Free City Tour an. Ein wortgewandter Student führte uns und fünf weitere Touristen durch ein paar Viertel, die man sich allein eventuell nicht angesehen hätte. So gingen wir auch durchs bekannte Rotlichtviertel. Es wird einem schon etwas anders, wenn man die Junkies dort sieht. Aber Frankfurt ist großes Vorbild und hat mit der Einrichtung von speziellen Räumen, wo die Abhängigen sozusagen kontrolliert konsumieren können, die Zahl der Drogentoten deutlich reduziert. Weiter ging es dann vorbei an den Hochhäusern, wegen denen man Frankfurt auch „Main-Hatten“ nennt, in die gemütliche Altstadt, wo wir die Tour am Dom beendeten. Das waren drei Stunden voll mit äußerst unterhaltsamem Input. Der Kollege versteht seinen Job. Als Erfrischung gönnen wir uns einen leckeren Federweißer an einem der zahlreichen Weinstände, die von den Anzugträgern zum Feierabend hin mehr und mehr frequentiert werden. Da sich langsam der Hunger meldete, machten wir uns auf den Weg zum anderen Mainufer nach Sachsenhausen. Dort kehrten wir in einer typischen frankfurter Gastwirtschaft ein und ließen uns Apfelwein und Handkäs schmecken. Wir waren beide ziemlich erschöpft vom vielen Laufen und warfen daher nur noch einen Blick von außen in die Kneipen des belebten Viertels und machten uns dann auf den Heimweg.

So habe ich in knappen 12 Stunden wirklich eine Menge von Frankfurt gesehen und ich muss sagen, so schlecht ist die Stadt gar nicht. Wohnen würde ich dort zwar nicht, da liebe ich mein Berlin viel zu sehr, aber einen Besuch ist es auf jeden Fall wert.

Ich habe es ebenso sehr genossen, wieder etwas mehr auf mich gestellt zu sein. Eigentlich war sogar die Stunde, die ich allein durch die Stadt schlenderte, weil meine Freundin einen Termin hatte, die beste. Ich mag Gesellschaft immer gern, aber ich weiß die Einsamkeit auch sehr zu schätzen und brauche sie auch. Gerade sitze ich im Bus auf dem Weg nach Baden-Baden und lasse meine Gedanken fließen. Es ist noch sehr früh am Morgen und dennoch bin ich hellwach. Ich mache mir tatsächlich schon wieder etwas Gedanken um die nächste Woche, den Alltag, der wieder einziehen wird, versuche sie aber so gut es geht weg zu schieben. Und wie immer mache ich mir auch Gedanken um meine Beziehungen.

Mit meiner Freundin in Frankfurt habe ich darüber auch gesprochen. Und habe dabei wieder gemerkt, wie wichtig mir alle sind, vor allem auch wegen der guten Freundschaften, die daraus hervorgegangen sind und die ich nicht missen möchte. Und wieder stelle ich mir die große Frage zum Thema Liebe. Kann man von Liebe sprechen, oder von Verliebtsein?! Oder ist es doch eher nur Freundschaft plus?

Mal abgesehen von der nicht vorhandenen Exklusivität, fühle ich mich auch nicht so, als würde ich zu irgendwem gehören. Ich gehöre nur mir. Ist es nicht komisch, wie sehr einen die Ab- oder Anwesenheit einer Person beeinflusst? Oder geht es nur mir so? Ich glaube das Problem hatte ich schon immer und war in meiner Ehe auch oft Thema. Ich muss mich immer einer Person versichern, um mich wirklich sicher zu fühlen. Wenn ich mich mit mir selbst aber schon sicher fühle, so wie jetzt, dann brauche ich keine extra Absicherung. Oder aber, es passiert gerade wieder etwas Neues bzw. ich erfahre ein neues Gefühl. Nämlich, dass es okay ist, auch mal tagelang allein unterwegs zu sein ohne an diesem Vermissen zu zerbrechen und sich dennoch auf die Rückkehr „nach Hause“ und die Umarmung der schützenden Arme zu freuen. Vielleicht ein weiterer Schritt auf dem Weg der Umsetzung meines neuen Credos „Der Weg ist das Ziel“.

Passend dazu habe ich mir in Barcelona einen Ring mit dem Unendlichkeitssymbol gekauft. Eigentlich war das ein Zeichen, welches mein Mann und ich hatten, wir trugen beide ein Armband. Aber da ich das Symbol schon immer mochte, habe ich ihm nun eine neue Bedeutung gegeben und damit die alte erfolgreich ersetzt.

Es gibt viele Fragen, die mich auf meinem Weg begleiten. Nicht immer finde ich die Antworten gleich, manchmal nie. Aber genau das macht es spannend. Ich will niemals ohne Fragen sein und immer laute Ruhe in mir haben, weil sie mein Leben so unglaublich spannend macht.

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