La Sagrada Familia

Zunächst noch ein paar Worte zu gestern: Die Aussage, es gäbe hier keine nervigen Touristen, nehme ich auf der Stelle wieder zurück. Es gibt sie und zwar haufenweise. Ich glaube, so etwas fällt auch erst so richtig auf, wenn man allein unterwegs ist. Jedenfalls war ich gestern in einem weiteren Park am Arc de Triomph und war wirklich geschockt. Vor allem davon, was die Leute so alles fotografieren. Die ganze Zeit mit Handy oder Selfie-Stick vor der Nase… Anstrengend. Ich gebe zu, ich mache auch Fotos und ganz selten Videos mit dem Handy. Ich gönne mir aber auch die Zeit, es einfach mal weg zu packen und die Realität nur für mich mit allen Sinnen zu erfassen. Diese Bilder können ohnehin die Stimmung und Wahrnehmung nicht so wiedergeben, wie ich sie in dem Moment erlebt habe.

Getoppt wurde die Parkerfahrung dann noch durch meinen kurzen „Spaziergang“ am Strand von Barceloneta. Wie verrückt sind die Leute eigentlich, sich eng an eng dort auf die Handtücher zu quetschen?! Das würde mir im Traum nicht einfallen. Aus meinem Plan, die Füße kurz ins Wasser zu halten, wurde demzufolge auch nichts. Stattdessen bin ich in eine vegane Sangria Bar gegangen, von der ich bisher nur Gutes auf diversen einschlägigen Blogs gelesen hatte. Und gut war es definitiv. Leckerste Sangria ever. Aber dafür und für ein paar Fake-Garnelen habe ich unfassbare 15€ bezahlt. Das war mir dann doch etwas zu heftig. Also habe ich mich – noch immer hungrig – mit gekauftem Sangria und ein paar Snacks in die Wohnung verzogen und den Abend auf dem Balkon ausklingen lassen. War auch super so.

Nun aber zum eigentlichen Thema: La Sagrada Familia. Zu Fuß machte ich mich heute Mittag auf den Weg zu Barcelonas berühmtesten Bauwerk. Nach 30 Minuten dachte ich, man müsse doch langsam mal was sehen. Und wow… Hinter der nächsten Ecke war sie dann, diese wahnsinnig beeindruckende Basilika. Da ich mein Ticket bereits online gekauft hatte, ging es am Eingang schnell. Mit Audioguide bewaffnet machte ich mich also auf Erkundungstour. Die freundliche Stimme im Guide erklärte alles ganz genau und führte von außen in den Innenraum der Kirche. Als ich das Kirchenschiff betrat, kamen mir ernsthaft fast die Tränen. So etwas schönes und wundervolles habe ich im Leben noch nicht gesehen. Ein Meisterwerk der Architektur. Entworfen von Antonio Gaudi, seit über 100 Jahren im Bau, erzählt es detailreich und kunstvoll die Geschichte des Christentums. Gaudi hatte sein Leben dem Bau dieses Tempels verschrieben und unglaubliche Techniken entwickelt. Welche Ironie, dass der arme Kerl bei einem Unfall mit einer Tram ums Leben kam. Da Gaudi aber zu allen Entwürfen Modelle angefertigt hatte, konnte sein Lebenswerk von zahlreichen Nachfolgern fortgeführt werden. 2026 – hundert Jahre nach Gaudis Tod, soll sie endlich fertig gestellt werden. Für mich definitiv ein Grund, noch einmal nach Barcelona zu kommen. Die Sagrada Familia ist aus meiner Sicht eines der Dinge, die man zumindest einmal im Leben gesehen haben sollte.

So toll die Erfahrung war, muss ich mich doch wieder ein klein wenig über so manche Leute aufregen. Auch hier bot sich das gleiche Bild wie gestern. Menschen die wahllos alles fotografierten. Selbst die Entwürfe und Beschreibungen im Museum. Also ob man das je noch mal lesen würde, oder sich einer der daheim gebliebenen dafür interessieren würde. Ich bin ja selbst nicht gläubig, aber ich finde man sollte vor jedem Gotteshaus etwas Respekt haben. Dazu gehört auch, dass ich etwas mehr Stoff trage, als dass er gerade Nippel und Hintern bedeckt. Oder dass ich auch mal innehalte und einfach mal den Raum und die Orgelmusik auf mich wirken lasse. Das finde ich manchmal richtig schade.

Nichts desto trotz, hat sich dieser Besuch und die knapp 30€ für das Ticket definitiv gelohnt. Und es ist wirklich unglaublich entspannend eine so große Kirche allein und im eigenen Rhythmus besichtigen zu können. Kann ich nur jedem empfehlen.

Nach wie vor geht es mir wunderbar und ich genieße mich und die Stadt in vollen Zügen.

Ein Gedanke zu “La Sagrada Familia

  1. Schöner Beitrag. Nervige Touristen oder die die alles fotografieren müssen gibt es überall. Ich gebe dir aber total Recht, das man vor einem Gotteshaus Respekt haben sollte auch wenn viele es leider nur als eine Sehenswürdigkeit und nicht als Kirche sehen

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