Verloren auf dem Weg?!

Wer hier aufmerksam gelesen hat, erinnert sich an die Worte aus meinem Eingangstext: Muss ich eigentlich ankommen und wenn ja, wo?

Ich glaube, es gibt dieses „Ankommen“ gar nicht, von dem viele immer sprechen. Wie soll das auch gehen? Dann könnte man auch gleich sterben. Ich denke, wir befinden uns alle ständig auf einem Weg. Es gibt Zwischenstopps, längere und kürzere, aber ich denke nicht, dass wir jemals irgendwo ankommen. Auch diesen Gedanken habe ich bereits in einem meiner letzten Beiträge geäußert. In meiner Ehe wollte ich immer irgendwo ankommen und das war tatsächlich der Tod.

Heute möchte ich mich viel lieber mal mit der Gegenwart beschäftigen. Ich vergesse es manchmal tagelang, mich selbst zu fragen, wie es mir eigentlich geht. (Deswegen bin ich oft froh, wenn es jemand anderes tut.) Und dann wache ich plötzlich auf und stelle fest, dass irgendetwas komisch ist. Ich nenne es mal „Gefühl nach Sehnsucht“, weil mir keine bessere Beschreibung einfällt und es passt recht gut. Ich spüre dann so eine innere Unruhe. Sie wird immer größer, wie ein Kribbeln, aber kein angenehmes. Jetzt – mit Abstand betrachtet – würde ich ganz einfach sagen, wenn dieses Kribbeln einsetzt, wäre sofortiges Handeln gefragt. Ich bin allerdings wirklich gut darin, Negatives erstmal zu verdrängen und abzuwarten, bis es sich in einem Knall entlädt.
Wie sieht so ein Knall dann aus? Ich verliere die Kontrolle. Es ist eine Panik-Attacke, die mir das Gefühl gibt, nicht mehr atmen zu können, mir die Luft abschnürt und mich in Tränen ertränkt. Ich habe so große Angst davor die Kontrolle zu verlieren, dass genau das dann passiert.

Kontrolle! Was will ich denn eigentlich kontrollieren? Mein Leben? Das Leben von anderen?
In meiner Ehe wollte ich immer gern alles unter Kontrolle haben, den Haushalt, die Planung unserer Tage und natürlich ihn, als ich merkte, dass er sich langsam aber sicher entfernte. Verzweifelt versuchte ich, alles festzuhalten und habe es am Ende doch nicht geschafft. Deswegen habe ich Angst vor dieser Kontrolle und vor allem davor, sie zu verlieren.

Mittlerweile führe ich ein Leben, wo Kontrollverlust tatsächlich dazu gehört. Feiern, Trinken, Sex… In den letzten Monaten habe ich das sogar sehr oft provoziert und ich habe es genossen. Ich konnte mich dabei so intensiv spüren, es hat mich erfüllt. Da kommt natürlich die Frage auf: Was hat sich jetzt – ganz aktuell – verändert? Mache ich gerade eine Pause auf meinem Weg?
Die neue Wohnung, beständige Beziehungen…alles hat sich mehr oder weniger eingependelt. Brauche ich vielleicht viel mehr den Reiz des Neuen, des Abenteuers? Gibt mir mein Körper zu verstehen, dass er weiter will?

Es ist schwierig die richtige Balance zu finden zwischen ständig unter Strom stehen und sich die nötigen Pausen zu gönnen. Es erfordert viel Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber.
Ich habe in den letzten Monaten gelernt, mich selbst besser zu reflektieren. Doch auch das ist ein Prozess, ein Weg… es klappt nicht immer. Wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen (vor allem dann, wenn es mal nicht klappt) und sich in solchen Momenten die richtigen Fragen zu stellen. Eine davon wäre: bin ich glücklich, so wie es gerade läuft? Außerdem ist es ratsam, immer bei sich selbst zu bleiben und die Antworten auf diese Fragen nicht von anderen abhängig zu machen.

Die Theorie ist leicht erklärt, an der Umsetzung arbeite ich Tag für Tag. Ich war schon immer ein Mensch mit Extremen, ein emotionales seichtes Dahingleiten gibt es kaum. Aber: ich finde das verdammt gut so, genau das macht mich aus!
Ich habe mir heute die Frage gestellt: Muss ich mein Leben ändern, oder meine Einstellung dazu? Die Antwort habe ich beim Schreiben dieser Zeilen gefunden. Mein Leben hat sich geändert, ich habe es geändert. Ich muss nur daran arbeiten, das Glück dass ich habe, fassen zu können.

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