Open Relationships

Offene Beziehungen…ist das nur ein neuer Trend? Oder ist es das, was eine Beziehung vollkommen macht?

Viele Beziehungen gehen an einem Seitensprung zu Grunde. Aber warum passiert das? Man sehnt sich nach etwas Neuem, etwas Aufregendem. Derjenige, der betrogen wird, bleibt verletzt zurück. Doch so muss es nicht sein.
Auf meinem Weg habe ich Männer getroffen, die in offenen Beziehungen leben und damit glücklich sind. Sie haben ihren Hafen und leben außerhalb der festen Beziehung Dinge aus, die ihnen Spaß machen.

Auch ich habe festgestellt, dass ich nicht nur bei einem Mann mein Glück finde. So sehr man liebt, es gibt immer auch andere reizvolle Dinge. Auch ich hätte gern eine offene Beziehung geführt. Aber so etwas funktioniert nur, wenn es dabei Gleichberechtigung gibt. Leider war das nicht möglich. Wollte er sich doch so sehr alles offen halten, immer wieder neue Frauen in sein Leben lassen und war gleichzeitig so besitzergreifend und eifersüchtig.

Nach meiner Trennung suchte ich die Nähe zu einem Mann, mit dem ich schon in der zweiten Trennungsphase sehr positive Erfahrungen auf sexueller Ebene gemacht habe. Er hielt nie etwas von dem klassischen Beziehungsmodell und hat mich gewissermaßen inspiriert.

Als ich mich bei Ok Cupid anmeldete, habe ich nicht explizit nach Männern in offenen Beziehungen gesucht. Wobei eine monogame Beziehung ebenfalls nicht mein Ziel war. Und wie es der Zufall wollte, war bereits die erste Begegnung ein ebensolcher.

Zu wissen, dass die Männer in einer festen Bindung sind, hat mich beruhigt, weil ich wusste, daraus würde nie mehr entstehen, schon gar nicht irgendeine Art von Verpflichtung. Und auch wenn es Begegnungen gab, die einmalig blieben, sind aus anderen wundervolle Beziehungen entstanden, die weit mehr sind als nur Sex. Es geht um Vertrauen, Verlässlichkeit aber natürlich auch das Ausleben sexueller Fantasien, oder eben auch mal den schnellen Feierabend-Sex.

Auf diesem Weg habe ich Menschen kennen gelernt, die mir in meiner Situation extrem gut getan haben. Ich konnte mich bereichern, an der Lebenserfahrung, an positiven ausgeglichenen Beziehungen, an gutem Sex und sogar an sehr innigen Freundschaften. Das Schöne ist, ich habe keinerlei Verpflichtungen und kann einfach nur genießen, so wie ich es brauche. Und ja, ein bisschen verknallt sein gehört auch immer dazu, von beiden Seiten.

Wo wir schnell wieder beim Thema Emotionen sind. Wenn Gefühle im Spiel sind, kann es natürlich auch Schwierigkeiten geben. Die sind beim einen stärker und beim anderen weniger intensiv. Aber genau deswegen mag ich es, dass die Beziehungen, die ich führe so unterschiedlich sind. Natürlich kommt es vor, dass man sich mal wie das fünfte Rad am Wagen fühlt. Denn ich bin für einen verheirateten Mann mit Kindern eben nicht Prio 1. Offenheit ist gefragt. Man muss auch hier – vor allem hier – über die Gefühle sprechen. Zum einen um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen und natürlich auch, um die jeweiligen Beziehungen im Gleichgewicht zu halten.

Nach den ersten Dates hatte ich noch eine Scheiß-egal-Haltung. Was interessierten mich die Beziehungen der anderen. Doch das hat sich schnell geändert, als die Beziehungen inniger und vertrauter wurden. Auch als Partnerin außerhalb der Beziehung lernt man einige Regeln. Zum Beispiel wann der Moment gekommen ist, sich zurück zu ziehen.

Jetzt kommt sicherlich bei einigen die Frage auf: Ist das nicht furchtbar anstrengend mit vier Typen auf einmal? Ja, es kommt schon mal vor, dass ich etwas Koordinationsschwierigkeiten bekomme, was die Termine angeht. Am Anfang habe ich versucht, alle gleichermaßen oft zu sehen. Aber je mehr sich die individuellen Vorzüge der jeweiligen Beziehung herausstellten, umso mehr habe ich gelernt, dass es nicht schlimm ist, wenn man es eben mal nicht schafft, jeden in gleichen Zeitabständen zu sehen. Vertrauen und Wertschätzung sind die wichtigen Punkte.
Und natürlich – ja – Sex spielt eine sehr große Rolle. Es ist immer wieder aufregend. Ich hatte die Chance in den letzten Monaten sehr viel auszuprobieren und habe mich und meine Sexualität noch einmal komplett neu kennen gelernt. Dennoch ist es schön zu wissen, dass man sich auch mal zu einem Glas Wein und einem netten Gespräch verabreden kann. Das Schöne ist, so ein Treffen ist immer ein Highlight, weil es im Gegensatz zur klassischen Beziehung nicht darum geht den Alltag zu teilen.

Und ja, es ist mir auch passiert, dass ich zu viel Zuneigung und vielleicht auch gewisse Hoffnungen in eine Beziehung gesetzt habe. An diesem Punkt muss man ehrlich zu sich selbst sein und auch mal die Notbremse ziehen.

Ich glaube an das Konzept Offene Beziehung. Alle die ich kennen gelernt habe, sind aus meiner Sicht sehr glücklich und ausgeglichen mit dem, was sie haben. Diese Beziehungen sind extrem vertraut und solide. Dann existiert so etwas wie Betrügen gar nicht.

Das Problem beginnt dann, wenn man anfängt, Singles zu daten, die sich eine monogame Beziehung wünschen und wenn es um echte Liebe geht. Ein Mann ist – mal wieder wie ein Blitz – in mein Leben getreten. Ich war von Anfang an ehrlich zu ihm, was mich und die aktuelle Situation angeht. Es ist mehr zwischen uns und doch bin ich nicht bereit die anderen Beziehungen aufzugeben. Es ist für ihn sicher schwer zu verstehen, dass es hier nicht um betrügen geht. Ich möchte mich nur nicht in ein Korsett zwingen lassen, mich verbiegen, für jemanden etwas aufgeben, was mir wichtig ist und was zu mir gehört. Den Fehler habe ich einmal gemacht und bitter bereut. Und das ändert nichts an der Wertschätzung ihm gegenüber. Dennoch erfordert diese Konstellation eine Menge Fingerspitzengefühl und auch gewisse Regeln. Das Letzte was ich möchte, ist jemanden zu verletzen. Genauso wenig wie ich selbst verletzt werden möchte.

All diesen Beziehungen, so wie vielen anderen Begegnungen der letzten Monate, konnte ich so offen gegenüber treten, wie nie zuvor. Ich habe mich neu entdeckt und staune Tag für Tag, wie meine Offenheit auch Offenheit in anderen hervorbringt. Das ist ein wahres Geschenk. Ich habe eine Menge bereichernder Gespräche geführt, durfte an Erfahrungen anderer Teil haben und habe dadurch auch mich selbst besser kennen gelernt. Ich weiß, was mir wichtig ist, was mich glücklich macht und was ich brauche. Und ich schaffe es endlich, auf mich selbst zu hören und zu tun, was mir gut tut. Das ist ein großer Gewinn für mich.

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