Was ICH will – Vol. III – Erstes Date

Nachdem ich mir ausführlich Gedanken darüber gemacht habe, was ich will, habe ich mich nun getraut, mal auf die Suche nach „Mr. Right“ zu gehen. Diesmal habe ich (durch Zufall entdeckt) Facebook Dating genutzt. Vielleicht hat der ein oder andere diese Funktion schon entdeckt (gibt es nur in der App). Im Endeffekt ist die Oberfläche nicht viel anders als OK Cupid, Tinder, etc….
Also habe ich mir letztes Wochenende mal Zeit genommen und ein bisschen rumgewischt. Mein fester Vorsatz: keine Kompromisse. Und so habe ich wirklich gnadenlos alles aussortiert, was nicht zum Schema passt. Witzig ist auch, wenn ein Typ, der gern mono wäre und ich ihm dann sage „Sorry, dann wird das nichts!“, plötzlich so hartnäckig wird und eine Affäre will. Jungs, was ist denn nur los? Oder einer, der auf meine Aussage, dass ich mit Fußball nichts am Hut habe mit „Ach Weiber“ reagiert. Sorry, aber nein, das schießt jemand eindeutig übers Ziel hinaus. Und eigentlich ist es auch eher traurig und nicht witzig. aber gut, es gibt ja noch mehr.

Spontan kam ich dann mit Dr. Ginger (selbstgewähltes Pseudonym) ins Gespräch. Sowohl optisch als auch aufgrund der Eigenschaften und Merkmale, die er im Profil stehen hatte, sagte er mir zu. Glatze, roter Bart, groß, gut gebaut, wundervolle, liebe Augen und genauso helle Haut mit vielen Sommersprossen wie ich. Zudem ist er Dr. phil., also nicht auf den Kopf gefallen und sexuell extrem experimentierfreudig, eher dominant, steht auf Füße und will wenn dann eine Poly-Beziehung. Ich würde mal sagen Jackpot auf den ersten Blick.

Das Schreiben ging locker von der Hand, war nicht verkrampft und er machte keinen Hehl daraus, dass er mich interessant und extrem sexy findet. Dabei war er dennoch sehr respektvoll und verhielt sich nicht wie ein geiler Bock, der nur von meiner offenen Sexualität angetörnt wird. Wir vereinbarten direkt für Montag das erste Date. Ich war aufgeregt as hell. Wie lange hatte ich kein erstes Date mehr? Ich weiß es nicht. Wir trafen uns im Park. Challenge: Jeder bringt einen Wein mit. So kann man direkt mal den Geschmack auschecken. Ich brachte rosé, er weiß. Es schmeckten beide köstlich. Er trinkt auch gern mal ein Gläschen. Nicht dass das ausschlaggebend wäre, aber ich finde es sympathisch. Wir redeten über Gott und die Welt und schon bald fühlte es sich nicht mehr wie ein erstes Date an. Lange quatschen wir über Nachhaltigkeit. Und bei allem, was er sagte, fühlte ich mich direkt verstanden. Wir surften irgendwie direkt auf der gleichen Welle. Die Pandemie war natürlich auch lange Thema. Das fand ich zunächst komisch. Aber es gehört nun mal zu den letzten 1,5 Jahren eines jeden, insofern war das auch vollkommen ok. Und dann kam er irgendwann zum ersten Mal, der Moment mit dem Augenkontakt und der Stille. Der wurde dann allerdings von irgendetwas unterbrochen, ich weiß es nicht mehr genau. Er kam aber dann noch ein zweites Mal. Und ehrlich gesagt, wollte ich das ganz langsam angehen. Wir saßen uns im Schneidersitz gegenüber, ich rutschte etwas näher und schon drückte er seine weichen Lippen auf meine. Ich war zunächst überrascht. Aber es war toll, ein toller erster Kuss.
Wir streichelten uns und kuschelten ein bisschen. Und ja, wir wären beide gern direkt übereinander hergefallen. Aber ich hatte den Vorsatz, dass es an diesem Abend keinen Sex geben würde. Wenn er mich wiedersehen wollen würde, würde es vielleicht dann passieren. Und wir vereinbarten tatsächlich direkt das zweite Date für Donnerstag.

Die drei Tage dazwischen waren gefühlt endlos. Ich wollte ihn so unbedingt gerne bald wiedersehen. Wir schrieben viel über alles Mögliche. Er stellt viele Fragen, ich mag das. Ich muss, glaube ich, auch mehr Fragen stellen. Sowas fällt mir manchmal schwer. Ich mag es extrem, dass er sehr reflektiert wirkt. Wie schon gesagt, finde ich seine Fragen und Aussagen über Sex und dass er kein Geheimnis draus macht, dass er mich geil findet sehr sympathisch. Aber er weiß sich einfach zu benehmen. Er fragte zum Beispiel, mit wie vielen Männern ich schon im Bett war. Als ich es ihm sagte, meinte er, am Donnerstag wäre es dann ein weiterer. Direkt danach entschuldigte er sich. Er würde nicht wollen, dass es so aussieht, als erwarte er Sex bei unserem zweiten Date. Das brachte ihm krass viele Pluspunkte ein.
Er erkundigte sich auch, was ich gerne essen würde, wenn ich zu ihm käme und bat mich, Wein mitzubringen. Ich finde es toll, wenn der Partner mitdenkt und sich vorbereitet. Er fragte sogar nach einem Dresscode. Das war irgendwie echt süß. Zudem wies er mich darauf hin, dass er im 4. Stock wohne ohne Aufzug. Das sind alles so Kleinigkeiten, die mir extrem gefallen. Vermutlich muss ich ihm das auch mal sagen und nicht nur denken.

Es wurde also Donnerstag. Ich war wieder sehr nervös, aber auch voller Vorfreude. Da ich ja nicht wusste, was er kochen würde, brachte ich weißen und roten Wein mit. Er öffnete mir die Tür und sah einfach umwerfend aus. Er hatte sich ein Hemd angezogen und trug sogar Hosenträger. Oh man, ich hätte ihn gern direkt in der Tür vernascht. Wir gingen in die Küche, wo er das Essen auftat. Es gab Gazpacho und es war mega lecker. Er selbst lebt überwiegend vegetarisch. Und ich fand es toll, dass er sich beim Essen auf vegan eingestellt hatte und mich auch zuvor gefragt hatte, ob ich viel essen würde und was ich nicht esse.

Nach dem Essen gingen wir ins Wohnzimmer. Wir hatten den Weißwein aufgemacht. Allerdings kam ich gar nicht zum Trinken, denn ganz offensichtlich konnte er es kaum erwarten, mir an die Wäsche zu gehen. Aber hey, ich hatte verdammt nochmal auch Bock auf diesen sympathischen Hottie. Und klar, es war das erste Mal und da ist nie alles perfekt, aber dafür war es ************. ❤

Er ist selbst eher dominant und das gefiel mir extrem. Ihr kennt mich ja. Er redete viel mit mir während des Sex, gab Anweisungen, bat mich um Dinge, die ich ihm gern bereitwillig erfüllte. Es war so ein wunderbares Geben und Nehmen. Wir verstanden uns so gut wie vorher beim Reden schon. Das mit dem Dirty-Talk kannte ich bisher nicht so, fand es aber irgendwie heiß und merkte bald, was ich sagen musste, um ihn noch mehr anzuheizen. Das machte Spaß und er fand Gefallen daran, mich wieder und wieder kommen zu lassen. Und sein Schwanz….uff…naja, reden wir nicht darüber.

Halten wir fest, der Sex war echt krass gut und ich denke, der wird immer noch besser. Zwischendurch kuschelten wir und quatschten über alles Mögliche, bis es zur zweiten Runde überging. Als ich danach auf die Uhr sah, war es bereits nach 23 Uhr. Meine Lust, nach Hause zu fahren eher so semi. Also fragte ich ihn, was er dazu dachte und gestand auch ganz offen, dass ich mit Schlafen so meine Probleme habe. Er sagte, es gehe ihm ähnlich. Wir einigten uns auf einen Versuch. Mehr als schiefgehen konnte es nicht. Aber nach zwei Flaschen Wein und einem doch recht ausdauernden Programm am Abend schliefen wir mehr oder weniger direkt ein, als Löffelchen…hach. Um fünf wurde ich kurz wach und schlief danach nur unruhig weiter. Um sieben klingelte sein Wecker. Ich fand, das war eine gute Bilanz für die erste Nacht. Ich fühlte mich sicher. Und ích wollte auch unbedingt diesen Aufwachmoment haben, das war schön und wir lagen uns direkt wieder in den Armen. Wann ich das letzte Mal Morgensex hatte, weiß ich endlich gesagt nicht mehr. Aber das war so gut.
Es gab dann noch einen frischen Kaffee, bevor ich mich auf den Weg nach Hause machte.

Als ich fuhr, strahlte ich übers ganze Gesicht. Ich sprudelte über vor Endorphinen, es war Wahnsinn. Nein, es ist Wahnsinn. Ist das verrückt? Ein bisschen schon, finde ich. Und gefühlt bin ich mal wieder viel zu euphorisch. An einem Tag diese Woche hatte ich auch sehr schwarze Gedanken nach dem Motto „Er wird mich sowieso verletzten, du fährst das gegen die Wand“. Ich versuche die Gedanken dazulassen, ihnen aber nicht zu viel Raum zu geben. Etwas Respekt ist gut, aber keine Panik. Ein bisschen weniger Euphorie, wäre vielleicht auch nicht schlecht. Aber generell, darf ich das einfach mal genießen, dass mir dieser Mann gerade wirklich guttut. Und ehrlich gesagt kann ich es kaum noch erwarten, ihn wiederzusehen.

Und was das angeht, wird das auch erstmal der einzige Neue sein, den ich date. Mir wird das sonst wieder zu viel. Da tickt er übrigens auch ähnlich. Ich genieße jetzt einfach mal diese spannende Geschichte und schaue, wo es hinführt. Und wenn es am Ende auch nur eine Freundschaft + ist, dann ist das auch vollkommen okay. Aber irgendwie sagt mir mein Inneres, da ist Potenzial. UND: ich hab Bock darauf, dass es so ist. Aber abwarten, Tee trinken, genießen.