Habits

Auf hoch folgt tief, auf tief folgt hoch und so weiter. So ist es doch immer, zumindest bei mir. Seit ich von meinem Road-Trio zurück bin, fühle ich mich merkwürdig. Ich fühle mich wie ein Fremdkörper. Wie ein Alien auf der Erde, wie ein Apfel im Gemüsebeet, Englishman in New York. Mein einziger Wunsch: Einsamkeit. Ich kann es nicht einordnen, aber diesmal versuche ich mit aller Kraft, mir diese Einsamkeit zu verschaffen. Real. Ich spüre sie, also muss ich auch einsam sein. Und mal wieder trete ich mit aller Kraft um mich, um alles, was mir nahe steht möglichst weit weg zu stoßen. Und als ich dann endlich wirklich allein bin, halte ich den Schmerz und die Einsamkeit nicht aus. Ich kann es nicht ertragen, meine Liebe zu verlieren. Denn trotz all der Unsicherheiten ist sie eben doch da.

Und so leide ich still vor mich hin, weil ich mich nicht traue, jemandem zu erzählen, dass ich mal wieder versagt habe und mir selbst im Weg stand. Weil es mir lieber war, allein traurig zu sein, als gemeinsam glücklich. Das ist eben viel einfacher. Und ich schäme mich dafür. Dafür dass ich offensichtlich zu wenig Vertrauen in mich und meine Umwelt habe. Kein Vertrauen darin, dass man gemeinsam auch schwierige Dinge meistern kann. Und dass es vielleicht sogar wichtig ist, dies zu tun. Ich schäme mich, weil ich immer wieder nicht wahr haben will, dass ich geliebt werde. Geliebt, auf eine ehrliche Art und Weise, die ich bisher nicht kannte.

Ich wäre nicht ich und wir wären nicht wir, wenn wir nicht kämpfen würden. Und verdammt diesmal war es ein harter Kampf. Und der ist noch nicht zu Ende. Im Grunde war das nur das Warm-up. Ein Auftakt bei dem wir uns komplett nackig gemacht haben. Bis auf das letzte Hemd. Striptease auf dem Alexanderplatz. Ich wusste, ohne Blankziehen keine Veränderung. Also nahm ich allen Mut zusammen. Ich wusste, wenn ich meine Geheimnisse offenbare, dann schaffe ich es auch, unliebsame Angewohnheiten endlich abzulegen. Dies würde mir Willen und noch mehr Mut geben. Wollen wollen! Auch wenn es auf den ersten Blick unglaublich hart erscheint.

Ich weiß, wo ich hin und vielleicht sogar, wo wir hin wollen. Aber es braucht Geduld und vor allem braucht es eine Karte für den Weg, der uns dort hin führt. Damit wir uns nicht verirren. Und zunächst liegen auf diesem Weg noch viele kleine individuelle Ziele. Sodass wir sicher hin und wieder getrennt gehen werden. Das ist okay. Solange wir immer wieder zusammen finden.

Ich brauche Mut und Halt und Willenskraft. Ich bin gut aber ich kann noch besser werden. Ich kann noch mehr zu meinem persönlichen optimalen ich werden, wenn ich es schaffe, auszubrechen. Und ich kann im Moment nicht mehr tun, als Danke sagen für so viel Empathie, so viel Glaube an mich, so viel Geduld, Wertschätzung und Willenskraft, die mir entgegen strahlt. Niemand ist perfekt. Aber wir können uns gegenseitig helfen, mit alten Gewohnheiten zu brechen, unsere Ziele zu erreichen und zu „besseren“ Menschen zu werden. Dafür ist Liebe da.