Amazing Amsterdam III

Der dritte Urlaubstag begann wieder stürmisch und regnerisch. Diesmal erwischten wir aber unseren Hop on Hop off Bus und schauten uns die Stadt im Warmen und Trockenen an. Wir fuhren bis zum Hafen und stiegen dort in eines der Boote um, mit dem wir dann eine gute Stunde durch die Grachten gondelten. So konnten wir entspannt dem Regen entfliehen und trotzdem eine Menge von der schönen Stadt und der beeindruckenden Architektur sehen. Als der Regen aufhörte, kamen wir am Hauptbahnhof an, von wo aus wir ausgiebig durch den Hafen schlenderten. An dem Tag hatte J ganz selbstverständlich die Führung übernommen, was ich super fand. Wir stellten uns als richtig gute Travelbuddies heraus.

Es ging zwar noch ein ordentlicher Wind, aber wir blieben trocken. Der Hunger trieb uns schließlich in eine der urigen Eckkneipen, die hier meist Café, Bar und Restaurant in einem sind. Wir gönnten und ein paar typische holländische Snacks: Pilzkroketten und Fleischbällchen. Gestärkt ging es weiter ins Zentrum, wo wir zu einer Tour durch das berüchtigte Rotlichtviertel verabredet waren. Ein netter, redegewandter Amsterdamer mit brasilianischen Wurzeln führte uns durch die verruchten Gassen, wo in rot beleuchteten Fenstern Damen standen, die auf ihre Freier warteten. Dabei lernten wir eine Menge über das tolerante und weltoffene Amsterdam. Prostitution ist hier kein Tabuthema. Familien mit Kindern leben Tür an Tür mit den professionellen Damen. Prostitution ist ein Job wie jeder andere. Und in dem sogenannten Quickie-Business haben die Frauen das Sagen. Sie suchen sich ganz genau aus, wer zu ihnen hinein darf und wie lange er bleibt. Schnellschuss? Keinen hoch bekommen? Pech gehabt, auf Wiedersehen. Außerdem zeigte uns unser Guide weitere Attraktionen wie ein Livesex-Theater, Sexshops, Fetischclubs und die Peepshow Kabinen, wo man für günstige 2€ anderen zwei Minuten beim Sex zusehen kann. Ich muss sagen, das hätte mich schon sehr gereizt, hat sich aber am späteren Abend nicht mehr ergeben. Und ich war auch nicht sicher, ob J diese Idee ebenso begeisterte wie mich. Auch über die typischen Coffeeshops erfuhren wir ein paar wissenswerte Dinge: Wo man am besten hingeht, was man bestellen sollte und was man nicht unbedingt tun sollte. Auch hier wurde meine Neugier geweckt, das mal auszuprobieren. Js Ding ist das leider überhaupt nicht, das hatte er mir im Vorfeld bereits gesagt. Das respektiere ich natürlich. Ich bekam aber ziemlich große Lust, einen weiteren Amsterdam-Besuch mit T zu planen. Der Gedanke mit ihm die Peepshow zu besuchen und durch Sexshops zu stöbern gefiel mir sehr.

Nach der zweistündigen Tour waren wir ordentlich durchgefroren und wärmten uns in der nächsten Bar auf. Von dort aus ging es weiter. Im Grunde genommen waren wir auf dem Heimweg. Es war aber dann mehr eine Art Barhopping. Nach einigen Cocktails, Weinen, Bieren und Schnäpsen, wie dem typischen Jenever, landeten wir am Ende wieder in der Bar vom Vorabend, wo wir versackten, bis man gegen zwei Uhr die letzte Runde einläutete. Also machten wir uns jetzt wirklich auf dem Heimweg und fielen um drei nach 20.000 gelaufenen Schritten todmüde ins Bett.

Der vierte und letzte Tag war wettermäßig auch nicht besser als die vorangegangenen. Wir hatten beschlossen, den Tag getrennt zu verbringen, da J sich gern das Fußballstadion ansehen wollte und ich noch das Reijksmuseum besuchen wollte. Also verabschiedeten wir uns nach dem morgendlichen Kaffee und ich machte mich zu Fuß auf den Weg. Auch, wenn es mit J sehr entspannt war und wir uns super verstanden, genoss ich es, ein paar Stunden für mich zu haben. Mein Amsterdam Pass galt noch bis 14.00. Ich schaffte es auch pünktlich zum Museum, machte allerdings den Fehler, zwischendurch auf Toilette zu gehen. Danach musste ich erneut durch die Einlasskontrolle. Leider war es kurz nach zwei. Mist. Ich kam nicht mehr rein, mein Amsterdam Pass war abgelaufen. Ich ärgerte mich im ersten Moment sehr. Aber es war nun mal nicht zu ändern.

Ich verließ also das Museum und machte mich stattdessen auf den Weg zur Vegan Junk Food Bar, von der ich schon eine Menge gelesen hatte. Ich bestellte ein Portion Pommes mit veganem Schawarma, Käse und Jalapeños. Es war unfassbar lecker. Danach hätte ich ins Fresskoma fallen können, denn es war auch eine unfassbar große Portion. Aber ein Eis sollte noch gehen. Ich fand auch tatsächlich eine Eisdiele mit veganem Sorbet. Ein Geschmacks Orgasmus! Kleiner Tipp am Rande: in vielen Läden kann man in Amsterdam nur mit Kreditkarte bezahlen, es lohnt sich also eine dabei zu haben. Anschließend schlenderte ich noch ein wenig an der Amstel entlang durch einen Stadtteil mit vielen kleinen Cafés und Bars und durch ein paar ruhigere Wohnviertel abseits der Touristenmassen, die ich noch nicht gesehen hatte.

Ich fühlte mich die ganzen Tage schon sehr wohl und frei. Ich konnte mit J über Gott und die Welt quatschen und hatte dennoch nicht das Gefühl, dass wir uns ständig gegenseitig unterhalten müssen. Wir konnten auch einfach nur schweigen oder jeder mal in sein Handy vertieft sein. Da uns einfach nur Freundschaft verband, ohne jegliche Erwartungen, war es super entspannt. Vielleicht war es genau deshalb auch gut, dass körperlich (bis auf eine mini Kuschelattacke von mir in der Nacht, die aber eher Heizungszwecken diente) nichts mehr lief zwischen uns. Der Gedanke, dass sich unser gemeinsamer Urlaub und der Amsterdam-Aufenthalt langsam dem Ende zu neigte, machte mich beinahe etwas traurig.

Den letzten Abend ließen wir dann noch in einer von Amsterdams schönen Bars ausklingen. Ich trank sogar wieder Bier. Irgendwie bin ich wirklich auf den Geschmack gekommen. Vielleicht hat die Brauereibesichtigung da bei mir einen Schalter umgelegt. Insgesamt waren wir glücklich, aber auch ziemlich k.o. 80.000 Schritte lagen hinter uns und unzählige neue Eindrücke.

Als wir gemeinsam die Tage Revue passieren ließen, waren wir uns einig, das wäre sicherlich nicht der letzte Amsterdambesuch gewesen und vielleicht auch nicht der letzte gemeinsame Urlaub. Selten so entspannt gereist, danke J.