#sleepless

Ich habe es glaube ich schon öfter erwähnt, dass schlafen nicht wirklich meine Stärke ist. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich es einfach nicht wirklich gelernt und kann es deshalb mit 31 immer noch nicht auf natürliche Weise. Heute war mal wieder so eine Nacht. Egal, was ich gemacht habe, an Schlaf war einfach absolut nicht zu denken. Und so sitze ich seit vier Uhr morgens am Laptop, bereite Dinge für die Arbeit vor, scrolle durch Instagram und schreibe diese Zeilen in meinen Blog. Frühe hätte ich mich womöglich weiter im Bett rumgewälzt, mit dem ewigen Gedanken, dass ich doch schlafen müsse. Mein Therapeut rät mir immer wieder davon ab. Das Bett ist zum Schlafen und für Sex da, sonst nichts. Und daran versuche ich mich zu halten. Vor allem, weil ich mein Bett in den letzten Wochen wirklich wieder lieben gelernt habe und ich schlafen an sich mal wieder gut fand. Das liegt, glaube ich, auch am dry January. Nüchtern schlafen ist so viel besser, als betrunken Einschafen und mit Kater aufwachen. Vor allem, weil der Schlaf betrunken viel weniger erholsam ist und weil Alkohol für mich trotzdem kein Garant für schnelles Einschlafen ist.
Ich versuche jedenfalls mich an das zu halten, was mein Therapeut mir rät und stehe auf, wenn ich nach 20 Minuten nicht eingeschlafen bin. Meist führt mich mein Weg nur aufs Klo oder auf die Couch. Ein kurzes Zigarettchen, dann gehts wieder ins Bett. Ja, das mag manch einer eklig finden. Aber ich bin allein, das ist egal. Diese Nacht war es anders. Ich war schon am Abend unruhig und unausgeglichen, obwohl ich komplett fertig war vom Tag. Aber ich kam erst nach 21 Uhr richtig zum Entspannen, was dann irgendwie auch nicht entspannt war, weil in mir der Druck aufstieg, dass ich ja jetzt schnellstmöglich runterkommen müsse, um bald ruhig zu schlafen. Ich muss nicht extra erwähnen, dass diese Gedanken extrem kontraproduktiv sind. Vermutlich muss ich mir an solchen Tagen ein späteres Zubettgehen zugestehen, um die Zeit des Runterkommens zu haben, bevor ich mich hinlege. Allerdings gibt es manchmal auch einfach Tage, die sind eben so. Da kann ich 100 Mal meditieren, es wird nicht besser. Und das gilt es nun einmal auszuhalten. Deshalb habe ich heute Nacht etwas gemacht, was ich sonst nicht mache. Ich bin aufgestanden und habe angefangen zu arbeiten. Warum nicht arbeiten, wenn ich ohnehin munter bin. Das Gute: Ich war nüchtern. Früher hätte ich versucht, den Schlaf mit noch mehr Wein herbeizuführen, was dann zu einem echt benebelten und dennoch wachen Zustand geführt hätte. An Arbeiten wäre da nicht zu denken gewesen. Und, danke Selbstständigkeit, ich kann ja arbeiten, wann ich will. Und wenn ich mich dafür am Nachmittag noch einmal hinlege, ist das auch vollkommen okay.
Jedenfalls konnte ich so schon mal ein paar Dinge erledigen und die Zeit bliebt nicht ungenutzt. Ich mag keine ungenutzte Zeit.

Einen Beitrag zum Thema schlafen möchte ich übrigens schon lange schreiben. Dass ich Schlafen nicht gelernt habe, ist insofern auch kein Witz, dass ich diese Einschlaf- und Durchschlafprobleme habe, seit ich denken kann. Als Kind hinterfragt man das ja nicht so arg. Aber ich kann mich an zahlreiche Abende erinnern, wo ich im Schlafanzug ins Wohnzimmer getapst kam und meinen Eltern beichtete, ich könne nicht schlafen. Ich wurde dann leider nur immer wieder allein zurück ins Bett geschickt. Wirkliche Hilfe gab es da nie. Selbst als ich später im Bett noch lesen oder ein Hörspiel hören wollte, kam meine Mutter immer in mein Zimmer und es gab Ärger, weil ich doch schlafen sollte und mich nicht ablenken. Toll. Dabei ist es erwiesen, dass solche Dinge beim Einschlafen helfen. Später kam dann der übliche Teeny-Stress dazu: erste Liebe, Druck in der Schule oder einfach nur ein freudiges Ereignis am nächsten Tag ließen mich wach bleiben.

Als ich in Lettland war, kehrte sich das mit dem Schlafen um. Abends las ich immer noch ein paar Seiten und schlief dann gut und vor allem lange. Ich schlief, weil ich im Schlaf nicht dieses schmerzhafte Heimweh spürte. Ich wollte gar nicht aufwachen. Denn Aufwachen bedeutete Schmerzen.
Mit dem Beginn der Uni war es dann wieder der Stress, der mich wach hielt. Das Erwachsenwerden sozusagen. Mein erster Umzug innerhalb Dresdens stand an und ich stellte nächtelang im Kopf die Möbel im Zimmer an die richtige Stelle und organisierte alles haarklein. Es ließ mich einfach nicht los.

Als ich meine erste Therapie begann, nahm ich dann zum ersten Mal über längere Zeit ein leichtes Psychopharmaka, welches mir beim Ein- und Durchschlafen half. Damit kam ich ein gutes Jahr klar, bis ich mich traute es abzusetzen. Das war als ich in München wohnte. Da ging es mir psychisch aber ausnahmsweise echt gut. Der Job machte Spaß und ich liebte mein Leben dort. Dort fing ich aber auch schon damit an, mir ab und zu mal ein Glas Wein vor dem Schlafengehen zu gönnen. Auch meine erste Zeit in Berlin verlief, was das angeht, halbwegs problemlos. Vielleicht hat das Medikament doch einen Lerneffekt gehabt.

Die Schlafprobleme fingen dann erst wieder an, als ich mit meinem Ex-Mann zusammen kam. Nicht direkt am Anfang, aber so nach und nach kamen sie wieder, die schlaflosen Nächte. Irgendwann ging es am Morgen nur noch darum, wer wieder wie schlecht oder wie wenig geschlafen hat. Das war echt nervig. Als würden wir uns damit hochschaukeln. Ich schlief meist aus aufgrund von Sorgen nicht besonders gut. Naja und nach der Trennung war sowieso Land unter. Da fing das Ganze mit dem Alkohol als Schlafmittel erst so richtig an. Ich habe es zwischenzeitlich auch immer mal mit normalen Schlaftabletten versucht, was leider auch nur semi gut funktioniert hat, bzw. oft dazu führte, dass ich morgens gar nicht aus dem Quark kam. Dann habe ich in Absprache mit meinem Therapeuten und meinem Hausarzt wieder mit dem Psychopharmaka angefangen. Damit war ich aber nach kurzer Zeit auch mehr als unglücklich. Da ich mich morgens ebenso duselig fühlte und es mit meiner Selbstständigkeit nicht funktionierte, dass ich jeden Morgen ein bis zwei Stunden zum Wachwerden brauchte.
Ich probierte dann allerhand pflanzliche Hilfsmittel aus. Hier eine Auswahl:


L-Tryptophan: ist eine Aminosäure und soll als Vorstufe für die beiden Hormone Serotonin und Melatonin für einen gesunden und erholsamen Schlaf sorgen und stimmungsaufhellend wirken. Das hat mir an sich immer recht gut geholfen beim Ruhigerwerden und Entspannen. Da sich das aber mit dem Psychopharmaka nicht verträgt, nehme ich das aktuell nicht.

CBD-Blüten: bekommt man in jeden gut sortierten Späti oder eben im Fachhandel. Ist sozusagen Cannabis ohne THC, also ohne die berauschende und psychoaktive Wirkung. Und es ist vor allem legal. An einigen Abenden hat mich das wirklich sehr beruhigen können. Aber wie mit den meisten Dingen wird der Körper irgendwann toleranter gegenüber solchen Substanzen.

Weed: als CBD nicht mehr half, habe ich mir von einem Freund etwas Weed kaufen lassen. Feinstes Indica. Das hat am Anfang tierisch reingehauen. Das war so die Zeit als gerade die Pandemie losging. Da hat es mir aber geholfen, weniger Alkohol zu trinken. Aber auch hier das Problem, man braucht immer mehr, je öfter man konsumiert. Später habe ich es mit Alkohol kombiniert. Da war schlafen kein Problem. Nachteil: es ging echt ins Geld und die morgendliche Verpeiltheit stellte sich auch wieder ein, manchmal zog sich das durch den ganzen Tag.

Melatonin: Da gibt es ja mittlerweile zahlreiche Produkte: Tropfen, Spray, angereicherte Getränkepulver. Auch das hilft bedingt, wenn man ohnehin schon halbwegs entspannt ist. Allerdings geht das auf Dauer auch ganz schön ins Geld und ist für mich an gestressten Tagen kein Garant für guten Schlaf.

CBD-Öl: wird auch eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung nachgesagt. Ich nehme es auch tagsüber ab und zu und tatsächlich bin ich dadurch entspannter.

Ashwagandha: Wird auch Schlafbeere genannt. Ihr wird eine ausgleichende Wirkung nachgesagt. Die Pflanzenauszüge gelten als natürliches Adaptogen und sollen Menschen bei Stress oder Ängsten unterstützen. Zudem soll die Ashwagandha-Wirkung den Schlaf fördern und das Nervensystem positiv beeinflussen. Ich habe neben Kapseln auch ein Pulver, welches ich als heiße Schoki zubereiten kann. Das ist lecker und beruhigt mich tatsächlich am Abend.

Maca: Ist nicht direkt ein Schlafmittel. Es wirkt vitalisierend, stärkt das Immunsystem, hilft gegen Depressionen und chronische Müdigkeit. Außerdem soll die Wunderknolle das „Viagra der Natur“ sein, ein pflanzliches Aphrodisiakum, das Potenz und Fruchtbarkeit bei Männern und die Libido bei Frauen steigert. Das nehme ich seit ein paar Wochen in Kapselform, weil es insgesamt ausgleichende Wirkung haben soll.

Lavendelöl: Gibt es in kleinen Flaschen. Man kann es auf ein mitgeliefertes kleines Kissen tröpfeln und aufs Kopfkissen legen. Ist jetzt an sich kein wirkliches Schlafmittel und lange mochte ich Lavendel echt nicht. Mittlerweile mag ich den Geruch aber gern und finde es auch sehr angenehm und beruhigend.

Meditation: seit einem knappen Jahr benutze ich die App „Serenity“. Dies ist eine Meditationsapp, mit der man Meditationstechniken Schritt für Schritt lernen kann. Zehn Minuten täglich reichen aus und man lernt, seine Gedanken zu konzentrieren, oder eben loszulassen. Mittlerweile nutze ich die App fast ausschließlich zum Einschlafen. Und wenn all die anderen Mittelchen bisher gut gewirkt haben, schlafe ich daraufhin in den meisten Fällen auch relativ entspannt ein.

Mirtazapin: Das schon öfter erwähnte Medikament, welches ich seit dem Herbst wieder nehme, ist wie gesagt ein Psychopharmaka. Ich nehme es aber minimal dosiert, sodass es mich wirklich nur beim Ein- und Durchschlafen unterstützt. In manchen Nächten wirkt es auch nicht, so wie heute. Die Anfangsphase war relativ schwer für mich, da man mit dem Medikament sehr intensiv träumt und anfangs hatte ich ständig Alpträume. Hinzukamen Wassereinlagerungen und mögliche Gewichtszunahme, wovor es mir natürlich am meisten graut. Da hat sich aber alles so langsam eingepegelt und der dry January tut da sein Übriges. Hauptsächlich nehme ich es, um mich insgesamt wieder zu stabilisieren und nicht mehr zu Alkohol oder anderen Drogen greifen zu müssen. Und ich hoffe, mein Körper lernt dadurch wieder, natürlich einzuschlafen.

Insgesamt sollte ich auf jeden Fall weiter daran arbeiten, Ängste und Sorgen verarbeiten bzw. loslassen zu können. Das mit dem Cortisolspiegel ist ja kein Witz. Mein Körper ist ständig in Habachtstellung, weil irgendwas Schlimmes passieren könnte. Irgendetwas, was mich wieder vollkommen aus der Bahn wirft, wodurch ich in ein Loch falle. Irgendwas, was unerwartet in Leben tritt und wogegen ich mich nicht schützen kann. Und dabei bin ich jetzt ja gar kein Kind mehr. Ich bin gar nicht mehr hilflos. Ich kann mich selbst schützen und verteidigen. Das sollte ich vermutlich hin und wieder auch mal meinem inneren Kind sagen. Denn ich befürchte, das weiß es noch nicht.