Geschafft! Soon divorced!

Die letzten Wochen waren emotional gesehen noch einmal ziemlich hart. Im Grunde war ich unberechenbar. Meine Stimmungsschwankungen habe ich manchmal selbst kaum aushalten können. Eine Kleinigkeit konnte mich komplett aus dem Konzept bringen. Ich war schnell aufbrausend, rastlos und unzufrieden. Meine Libido war irgendwo hinter dem Mond verschwunden. Nähe konnte ich nicht ertragen. Ich mochte mich selbst kaum leiden. Ich habe geheult, war wütend, traurig, verzweifelt, ängstlich.

Ich hatte regelrecht Panik vor diesem blöden Gerichtstermin. Die Stunden davor waren eine Qual. Ich habe versucht, mich so gut es geht zu entspannen, Zeit für mich zu finden, mich damit auseinander zu setzen, aber mir gleichzeitig auch nicht zu viele Gedanken zu machen. Ich redete viel mit meinen Freundinnen und versuchte, es mit einer gewissen Prise Humor zu nehmen. Leichter gesagt als getan. Immer und immer wieder spielte sich in meinem Kopf ab, was passieren würde. Die Nacht zuvor war so gut wie schlaflos. Nachdem ich endlich eingedöst war, erwachte ich morgens um fünf und die Zeit schien nur so zu kriechen. Ich ließ mir Zeit beim Stylen und Anziehen. Alles sollte perfekt sein. Ich fühlte mich aber zunächst kein bisschen wohl. Als ich dann fertig war, etwas zu doll geschminkt, etwas zu viel Schmuck, etwas zu hohe Schuhe… Fühlte ich mich endlich gut. Es war eine Verkleidung, eine Karikatur meiner selbst. So konnte ich ihm gegenüber treten.

Ich fuhr mit dem Rad und genoss die frische Brise. Ich zitterte am ganzen Körper. Meine Organe schienen Achterbahn zu fahren. Ich war eine halbe Stunde vor dem Termin am Gericht. Ich wollte noch kurz durchatmen. Den gleichen Gedanken hatte er wohl auch, denn als ich gerade vom Rad gestiegen war, war er auch schon da. Wie ein Blitz durchfuhr es mich bei seinem Anblick. Die Begrüßung war kühl. Ich versuchte die Stimmung mit einem Spruch aufzulockern. Netter Versuch… Im Gerichtsgebäude rette ich mich schnell auf die Toilette. Als ich in den Spiegel sah, erblickte ich einen Geist, kein Kontrast zur weißen Wand hinter mir. Das Zittern hörte nicht auf, ich dachte, ich würde jeden Moment das Bewusstsein verlieren. Als wir nebeneinander sitzend warteten, versuchte ich ein lockeres Gespräch, Smalltalk eben. Er war eiskalt und antwortete knapp ohne Gegenfragen. Es war erdrückend. Schließlich gestand ich, dass ich versuchte zu reden, weil ich aufgeregt war. Meine Ehrlichkeit erleichterte mich selbst. Ich hatte ja nichts zu verlieren. Von ihm kam nur ein „alles gut“.
Ich wollte mich aber nicht dafür entschuldigen!

Als seine Anwältin kam, erklärte sie kurz was uns erwartete. Sie war wirklich nett. Ich wusste bereits wie alles ablaufen würde. Für ihn war neu, dass unsere Scheidung erst in ein paar Wochen rechtskräftig würde. Ich sagte, jetzt müsse er wohl noch etwas mit der Party warten. Er schien sehr überrascht über diese Art von Humor, die ich an den Tag legte. Aber er rang sich immerhin ein kleines Lächeln ab.

Als wir vor dem Richter saßen, ging alles ganz schnell. Die Personalien wurden festgestellt, wir mussten uns beide mit der gescheiterten Ehe und der Scheidung noch einmal einverstanden erklären, wir standen auf und das Ende unserer Ehe wurde offiziell verkündet. Das war schon etwas komisch und für mich einer der emotionalsten Momente des Szenarios. Das wars… Kurz und (beinahe) schmerzlos. Traurig.

Wir verließen den Saal, oder besser gesagt den kleinen Raum und verabschieden seine Anwältin. Als wir gemeinsam draußen standen, war es kurz komisch. Ich blieb taff, wünschte ihm noch einen schönen Urlaub und entschied, dass eine Umarmung angemessen sei. Er wirkte hilflos und unentschlossen. Wahnsinnig herzlich war das natürlich nicht. Aber so ganz ohne oder gar mit einem Händedruck wollte ich nicht gehen. Allgemein wirkte er kühl, aber ebenfalls angespannt. Auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er mit „Sehr gut“. Ich glaubte es, was sollte er auch anderes sagen. Ich fragte auch nicht weiter nach. Er war ein Fremder für mich geworden. Während des ganzen Treffens hatte er mich nicht einmal angesehen.

Ich für meinen Teil bin froh, dass ich authentisch und ehrlich sein konnte. Ich fühlte mich unwohl und das habe ich zugegeben, es hat mich sogar erleichtert. Im Nachhinein habe ich alles gesagt, was ich wollte. Ich habe dabei eine gute Figur gemacht und nicht mehr als nötig von mir Preis gegeben. Von ihm wollte ich eigentlich nichts wissen. Es war ein Zwiespalt. Aber was hätte es mir genutzt, mehr Fragen zu stellen?! Er ist weg. Für immer.

Als ich allein draußen in der Sonne stand, kam doch kurz eine Träne. Die Anspannung der letzten Tage löste sich endlich. Ich zitterte noch immer und rang nach Luft. Aber es war vorbei. Kurz und aber doch nicht ganz schmerzlos. Erleichterung kam ganz langsam. Ich zündete mir eine Zigarette an und rief meine Mama an. Es tat gut eine vertraute Stimme zu hören.

Die Luft auf dem Weg nach Hause fühlte sich noch frischer an. Ich checkte mein Handy. So viele liebe Menschen waren in Gedanken bei mir. Ich war überwältigt. Langsam erholte ich mich. Aber ich war erschöpft.

Zu Hause angekommen besserte sich meine Laune merklich. Eigentlich wollte ich mit dem Mitbewohner ins Spa gehen. Danach stand mir aber irgendwie nicht mehr der Sinn. Vor allem, weil ich merkte, dass mir der Gedanke an Körperlichkeiten noch nicht wieder allzu gut gefiel. Wir verabredeten uns deshalb spontan zum Essen, was eine super Entscheidung war. Eine dicke Umarmung, zwei offene Ohren und endlich wieder etwas im Magen, war genau, was ich brauchte. Danach gönnte ich mir noch etwas Me-Time in der Sonne bei einem erfrischenden Aperol-Spritz und ließ meine Gedanken kreisen.

Es dauert noch eine Weile, bis ich es wirklich realisiere. Aber es ist gut. Ich fühle mich freier, zufriedener… Als wäre eine Last von mir abgefallen. Unglaublich. Ich grinse sogar ein bisschen vor mich hin. Schön, endlich wieder lächeln zu können. Aus ganzem Herzen. Mein positives Körpergefühl und meine Attraktivität kommen auch zurück. Ich kann mich mich endlich wieder im Spiegel ansehen. Und am liebsten würde ich es in die Welt hinaus schreien. Ein Auge ist immer noch etwas feucht. Aber diese Träne ist vielleicht auch ein bisschen Freudenträne. Und sie wird sicher bald trocknen. Ich bin ein bisschen überwältigt, von dem was ich gerade fühle. Ich kenne nichts Vergleichbares. Dennoch brauche ich weiterhin etwas Zeit und Ruhe für mich. Es war anstrengend und die kleinen Wunden sind noch frisch. Nicht wieder aufreißen lassen!

Am Abend war ich mit meinen beiden Mädels verabredet, die mir in den letzten Wochen so unheimlich viel Beistand geleistet haben. DANKE ❤ Sie waren schon ganz gespannt darauf, zu hören, wie der Termin gelaufen war. Mit den alkoholischen Cocktails, kam aber auch wieder etwas Wehmut hoch. Als ich später allein zu Hause war, brach es aus mir heraus. Es war, als kämen alle Tränen, die sich angestaut hatten auf einmal.

Ich fühle ein Kribbeln und es ist eine Mischung aus Freude und Melancholie. Erinnerungen wabern durch meinen Kopf. Er ist so präsent und doch so fern. Fremd und vertraut. Es ist, als wäre es eben noch einmal auseinander gegangen. Noch einmal haben wir etwas sehr Intimes geteilt und waren dabei doch so distanziert. Ich fühlte mich nackt und verletzlich. Er baute eine Mauer um sich. Ich hatte nur meine Maske aus Make up, die nicht verbergen konnte, welche Schmerzen ich litt. Kurz flammte in mir so etwas wie Sehnsucht auf. Kurz schien er, als ich in der Nacht so vor mich hin weinte, wieder Kontrolle über mich zu erlangen. Ich fühlte mich klein, hilflos, verlassen. Ich glaube, das Gefühl, dass er nun wirklich weg ist, uns nichts mehr verbindet außer der Nachname, muss ich erstmal richtig einordnen. Diese Emotionen sind nur Schatten aus der Vergangenheit. Ich bin doch schon viel weiter. Und bei unserem Aufeinandertreffen habe ich deutlich bewiesen, dass ich die Kontrolle habe und ich empfand sogar im Nachhinein so etwas wie Mitleid. Diese Erkenntnis ist für mich sehr wertvoll und hilft mir, positiv zu denken. Und mit all den lieben Nachrichten, die mich an dem Tag erreichten, ist es fast ein bisschen, wie ein zweiter Geburtstag.
Er hat keine Kontrolle mehr über mich, ich bin frei. Und vielleicht macht genau das mir noch etwas Angst. Denn die vermeintliche Sicherheit, die er mir gab, stellte doch so etwas wie einen Haltepunkt für mich dar. Der ist nun (endlich) weg, dafür habe ich jetzt andere Sicherheiten – echte.

Eine Sache habe ich ihm nicht gesagt. Muss ich auch nicht, weil es reicht, dass ich es für mich weiß.
Danke!!!
Danke, dass du mich frei gegeben und mir ein neues Leben ermöglicht hast!