Biketour Portugal: Dankbar in Sagres

Eigentlich habe ich heute nicht so viel Zeit mit Dankbarkeit verbracht. Ich war heute sehr emotional. Habe mal wieder viel infrage gestellt, auch meine Beziehung. Bis mir auffiel, dass ich mitten in der PMS stecke. Mein Zykluskalender hat es mir verraten. Meine Periode hatte ich seit vier Monaten nicht mehr, aber die hormonellen Schwankungen nehme ich doch sehr genau wahr. Aber vielleicht hilft mir meine Sobriety jetzt auch wieder, meine Menstruation zurückzugewinnen, ich würde mich wirklich ein bisschen freuen.

Heute bin ich nur ein wenig in Sagres umhergelaufen, war am Strand, auch kurz im Wasser und bin später vor Regen und Wind geflüchtet. Meinem Knie geht es etwas besser, ich habe mir aber dennoch zur Stabilisierung eine Bandage gekauft, damit ich die letzten beiden Etappen der Tour noch durchhalte. Außerdem habe ich viel in Stefanie Stahls „Das Kind in mir muss Heimat finden“ gelesen. Ein wirklich spannendes Buch. Allerdings führt das Wissen über meine inneren Wunden, und mein ängstliches, unsicher gebundenes inneres Kind im Zusammenspiel mit der PMS nur dazu, dass ich mich generell von Menschen und Beziehungen fern halten möchte. Daher habe ich beschlossen, diese Gedanken auf eine günstigere Zyklusphase zu vertagen.

Zurück zum Thema Dankbarkeit. Da gibt es wirklich einiges, wofür ich dem Universum, der Welt, dem Himmel, oder wem auch immer mal danke sagen möchte.

Ich musste ja am Anfang meiner Reise einige Tage mit einem Minimum an Sachen auskommen, da mein Gepäck erst eine halbe Woche später in Portugal ankam. Ich muss sagen, diese Erfahrung war nicht schlecht. Ich habe gemerkt, wie wenig man doch braucht und dass ich mit dem Nötigsten gut klarkomme. Ich war beinahe etwas traurig, als mein ganzer Kram dann ankam und ich den jetzt auch noch auf jeder Etappe mit transportieren muss. Ich habe so viele Klamotten dabei. Jetzt kommt ja auch noch das hinzu, was ich neu kaufen musste. Und es herrscht ein einziges Chaos. Zudem stehe ich jeden Tag vor der Entscheidung, was ich denn anziehen soll, weil die Auswahl so groß ist. Ja, das sind Luxusprobleme. Aber es macht mir auch klar, dass ich viel zu viel Kram besitze, der mich eigentlich nicht glücklich macht. Im Gegenteil. Daher habe ich mich wirklich fest vorgenommen, vor meinem Umzug im Dezember nochmal ordentlich auszumisten und danach auch einfach nicht mehr so viele Dinge anzuhäufen.

Ursprünglich wollte ich ja mein eigenes Fahrrad mit nach Portugal nehmen. Es war mir unfassbar peinlich, dass ich es schlicht überlesen habe, unter welchen Bedingungen ein Fahrrad mit ins Flugzeug darf. Nun ja, sowas passiert. Schade um das Geld. Ich bin so dankbar, dass ich genau einen Fahrradverleih in Portugal finden konnte, der noch ein Bike zur Verfügung hatte, der es mir freihaus geliefert hat und mir die Möglichkeit gibt, es an meinem Zielort wieder abzugeben. Das war wirklich Glück. Und es war bezahlbar. Zudem ist das Bike wesentlich besser geeignet für die teilweise herausfordernden Streckenabschnitte, die entweder über Schotterpisten oder bergauf und bergab führen. Das Bike ist agil, leicht und die Reifen sind robuster, breiter und für Offroad-Strecken viel besser geeignet. Und am Ende gebe ich es zurück und muss mich um Wartung etc. nicht kümmern. Danke dafür.

Ich bin unglaublich dankbar für meinen fitten und gesunden Körper. Natürlich bleibt Muskelkater nicht aus. Aber durch mein kontinuierliches Training, gute Ernährung und mittlerweile auch keinen Alkohol mehr, bin ich fit, wie nie zuvor. Und ich kann wirklich behaupten, dass man diese Touren hier nicht mal einfach so fährt. Sie brachten mich wirklich an den Rand meiner Kräfte. Ich bin also jeden Tag dankbar für meinen wundervollen Körper und in ihm leben zu dürfen. Und er spornt mich an, weiter gut für ihn zu sorgen, damit er auch noch viele Jahre weiterhin so toll funktioniert.

Mit dem Körper einher geht auch mein unglaublich starkes Mindset. Wie ich mehrfach erwähnt habe, ist auch viel mentale Stärke für einen solchen Trip erforderlich. Man muss sich immer wieder selbst motivieren, weiterzufahren und Kräfte zu mobilisieren, um nicht aufzugeben. Zudem ist auch die Einsamkeit einer solchen Reise nicht zu unterschätzen. Natürlich trifft man hier und da Menschen und in den Hostels kommt man auch mal ins Gespräch. Die meiste Zeit ist man aber allein und vor allem auf sich allein gestellt. Ich behaupte mal, dass das eine Sache ist, die nicht jeder so gut aushalten kann. Ich bin also auch dafür dankbar, auch wenn diese Eigenschaft Fluch und Segen zugleich ist.

Ich möchte auch das Wetter bei dieser Sammlung nicht auslassen. Natürlich weiß ich, dass es in Portugal eher selten regnet und es hier fast immer schön warm, bzw. wärmer als bei uns ist. Aber ich habe es wirklich perfekt abgepasst. Hier sind es immer zwischen 20 und 25 Grad, es hat heute ein bisschen geregnet. Aber genau heute ist auch mein Restday, somit hat auch das perfekt gepasst. Die Dankbarkeit geht also hier wirklich direkt in den Himmel.

Und nun noch ein paar kleine Weisheiten, angelehnt an Stefanie Stahl. Ich danke natürlich meiner inneren Erwachsenen. Ich danke ihr dafür, dass sie weise und erwachsene Entscheidungen für mich trifft. Das geht beim regelmäßigen und ausreichenden Essen los. Ich achte darauf, vor den Touren und auch danach genug und überwiegend gesund zu essen, um fit zu sein. Ich teile meine Kräfte ein und entscheide auch mal, eine Abkürzung oder leichtere Strecke zu nehmen, wenn ich merke, dass das vernünftiger ist, als auf meine innere Abtreiberin zu hören, die immer mehr und noch bessere Leistung von mir erwartet.

Und damit komme ich zur inneren Antreiberin, der ich ebenfalls sehr dankbar bin. Denn sie ist diejenige, die mich ermuntert, mich Herausforderungen zu stellen. Die Gute ist nämlich nicht nur schlecht. Sie spornt mich an, über mich hinauszuwachsen, Neues zu probieren und nicht auf der Stelle zu treten. Und so hat sie mir vor manchem Berg zugeflüstert, dass es doch meine eigene Entscheidung war, das hier zu tun und dass ich damit jetzt auch keine Wahl mehr hätte. Auch mit ihr habe ich so meine guten und schlechten Tage. Manchmal ist sie hilfreich, manchmal macht sie mich echt fertig, Ich bin ihr trotzdem dankbar.

Und nicht zuletzt komme ich noch zu meinem inneren Kind. Die kleine ist oft ängstlich und scheu, sie ist gern einsam und leidet manchmal an der Einsamkeit. Angst macht vorsichtig, Angst macht umsichtig und bedacht. Daher hat das auch etwas Gutes. Die Angst hat mir geholfen, nicht die extremsten Strecken zu fahren und eher auf meine innere Erwachsene zu hören. Die Kleine ist oft traurig und besorgt. Daher sucht sie die Einsamkeit. Die Einsamkeit auf meinem Trip habe ich gewusst gewählt. Ich mag es, allein zu sein. Denn genau dieser Zustand führt dazu, dass alle drei, innere Antreiberin, Erwachsene und inneres Kind, ins Gespräch kommen, gemeinsam Lösungen finden und jede genau ihr Bestes dazu beiträgt. Dafür bin ich besonders dankbar.