Polyamorie – how it began

Ich kann mich noch deutlich erinnern, dass ich immer gesagt habe, Polygamie wäre für mich die beste Art Beziehungen zu führen. Ich war also immer auf der Suche nach einem sogenannten „Primary“ und wollte nebenbei meine ganzen „Affären/Beziehungen/Secondarys“ weiter ausleben und natürlich auch gern mal spontan sein. Ich glaube, ein Teil von mir hat da immer noch in den traditionelleren Beziehungsmustern gedacht. Obwohl ich ja schon immer alle meine mehr oder weniger sexuellen Verbindungen als „Beziehungen“ bezeichnet habe. Und obwohl ich mich in dieser Primary-Beziehung mit MK eigentlich gar nicht so wohlgefühlt habe. Was genau mich störte, wusste ich da allerdings noch nicht. Die Erkenntnis kommt gerade so langsam. In den letzten Monaten habe ich diese polygame Ansicht ein bisschen überdacht. Ich lebe nicht die klassische offene Beziehung. Das war eigentlich nie mein Ding. Vor allem, weil es mich dann doch wieder viel zu arg in Schubladen presst, ich mir selbst Druck mache, bestimmten Erwartungen von außerhalb gerecht zu werden, die ich nicht erfüllen kann und will und die mich am Ende nur furchtbar unglücklich machen.

Zur Erklärung:
Polygam = mit mehreren Menschen intim werden, innerhalb und außerhalb von Beziehungen
Polyamor = Liebesbeziehungen mit mehreren Menschen führen

Ich glaube, es ist an der Zeit, diese Sachen mal zu überdenken und mich zu fragen, was ICH denn für Bedürfnisse habe und mich endlich mal von fremden Erwartungshaltungen zu lösen, die mir eigentlich nicht passen und mir im Grunde egal sein sollten. Und diese Überlegungen haben mich genau da hingebracht, wo ich jetzt bin. Und jetzt haltet euch mal ganz kurz fest: Elli ist tatsächlich in einer polyamoren Beziehung mit zwei Männern. Also um ganz genau zu sein, habe ich zwei Liebesbeziehungen mit jeweils einem Mann und nebenbei auch weiterhin meine polygamen Beziehungen außerhalb der Liebesbeziehungen. Ich, Elli, die die ganze Zeit dachte, sie wäre höchst bindungsphobisch. Nein, ist sie nicht, sie hat nur an Dinge geglaubt, die einfach nicht ihr Ding waren. So einfach ist das. Vielleicht war es genau richtig, dass ich mich von gewissen Denkmustern und Sachen lösen musste. Vielleicht MUSSTE ich das wirklich, um freier zu sein, um endlich meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Und wenn ich so darüber nachdenke, bekommt diese ganze schmerzliche Erfahrung damit irgendwie einen Sinn. Sie wird dadurch nicht weniger schmerzhaft, aber für meinen Kopf fühlt es sich erleichternd an. Und gerade spüre ich ganz viel Dankbarkeit in mir drin für zwei so wundervolle Menschen, die ich an meiner Seite weiß, die mich unendlich stark unterstützen in allem und die ich vermutlich so schnell auch nicht mehr loswerde. Und das Wichtigste: ich habe das Gefühl, ich kann komplett ich selbst sein, ohne Druck.

Nun aber zu den Details, denn natürlich sind die beiden sweeten Hasen nicht über Nacht aufgetaucht. Den einen kennt ihr schon, es ist MK. Ja, er ist wieder da. Wer mich kennt, der weiß, ich habe so einen dezenten Hang zum „Aufwärmen“. Wobei ich im Nachhinein feststelle, dass wir im letzten Jahr einfach wirklich einen Break gebraucht haben, beide. Wir brauchten Zeit, allein zu sein und uns mal um verschiedene Baustellen allein zu kümmern. Er vielleicht sogar mehr als ich. Gemeinsam wäre das nicht möglich gewesen. Und wir sind beide um einige Zentimeter gewachsen, reifer und vor allem ruhiger geworden. Ich kann die Skeptiker verstehen, die da die Stirn runzeln und sagen: wirklich? Das kann doch nur schiefgehen! Klar, kann es das, sicher, das weiß ich. Schauen wir mal, wann wir es wieder gegen die Wand fahren. Wir sind beide nicht perfekt und ja, es ist auch anstrengend mit ihm. Aber genauso möchte ich all die positiven Dinge einfach nicht missen. Er ist der Typ, der alles stehen und liegen lässt, wenn bei mir die Hütte brennt und zu löschen vorbeikommt. Er streichelt mir liebevoll den Kopf, ermutigt mich, hört mir zu und fordert mich immer wieder heraus und verurteilt mich dabei nie. So macht man das doch in Beziehungen, oder? Wir haben beide viel gelernt und Fortschritte gemacht. Und gerade fühlt es sich so an, als würden wir davon nun gegenseitig profitieren. Naja, jedenfalls war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wir dem nach wie vor vorhandenen Knistern zwischen uns nachgeben sollten. Also ich bin nicht so überrascht. Und ein bisschen romantisch war es auch.
Der andere – Mr. Z – ist erst vor einem halben Jahr so richtig in mein Leben getreten. Als bester Freund vom attraktiven Single (der übrigens nicht mehr zu haben ist), kannte ich ihn zwar schon ein bisschen, aber erst kurz vor Weihnachten sind wir uns auf einer kleinen Feier wirklich näher gekommen. Ich hatte mir danach gewünscht, ihn nicht mit zu mir genommen zu haben. Denn, dem Alkohol geschuldet, war die Nacht dann eher nicht so sexy verlaufen und ich bat ihn früh morgens, zu gehen. Auf Deutsch: ich habe ihn rausgeworfen. Zum Glück ist er nicht nachtragend. Als er mich um Weihnachten herum noch einmal kontaktiere, reagierte ich nicht wirklich. Zum einen hatte ich dafür keinen Kopf, zum anderen habe ich mich wohl auch ein bisschen geschämt. Fragt nicht genau wann, aber irgendwann, ich glaube im Februar, haben wir dann doch nochmal geschrieben. Es war kurz nachdem sich mein Tripple aufgelöst hatte. Und relativ schnell wurden die Nachrichten dann echt intensiv und tiefgründig. Ich schicke meist Voicemails und er schreibt echt lange Texte und antwortet immer sehr ausführlich. Aufgrund von Stress, Corona und ähnlichen Dingen, verabredeten wir uns bestimmt fünfmal, mussten immer wieder verschieben, bis es dann endlich mal klappte. Und auch bei diesem Treffen war er für mich einfach nur ein guter Bekannter, aber einer mit erstaunlich viel Tiefgang und Einfühlungsvermögen. Wir haben einige Dinge erlebt, die recht ähnlich sind. Und auch wenn das nicht schön ist, holen wir uns da auf einer ganz intimen Ebene ab. Ab da sahen wir uns tatsächlich auch recht regelmäßig. Er besuchte auch eines meiner Konzerte und wir wurden jedes Mal vertrauter miteinander. Er lernte auch meine Freunde kennen, darunter auch MK. Es wurde auch geknutscht. Doch irgendwie habe ich ihn dann noch immer nicht „in Erwägung“ gezogen. Vor allem, weil ich eine weitere Liebesbeziehung auch nicht auf dem Schirm hatte, nachdem ich erst um Ostern herum wieder mit MK zusammen gekommen war. Er hingegen machte von Anfang an kein Geheimnis aus seiner Faszination von mir. Das kam von meiner Seite eigentlich erst um meinen Geburtstag herum. Als ich in Paris war, hatten wir intensiven Kontakt. Und auf meinen ausschweifenden Feierrunden in Berlin war natürlich ebenfalls mit am Start. Da gingen wir dann auch wieder auf Tuchfühlung. Ermutigt von der Bowle sagte er mir dann auch, er würde gern mit mir über Gefühle sprechen wollen. Irgendwie war ich davon wenig überrascht. Das Timing war nur sehr schlecht. Allerdings hatte diese Offenheit bei mir etwas ausgelöst. Natürlich war er für mich mittlerweile viel mehr als nur eine Bekanntschaft. Sein Vertrauen und seine Gelassenheit fand ich extrem gut. Dazu kam sein Ehrgeiz, mich voll und ganz kennenzulernen, mit all meinen Facetten, den guten und den Schattenseiten und das ganz ohne mich zu verurteilen. Im Grunde war er für mich schon lange nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Und irgendwie fühlte sich mein Magen plötzlich komisch flau an. Daher vereinbarte ich auch ein Treffen mit ihm, bei dem ich mir dann gern wirklich Zeit für seine – für unsere – Gefühle nehmen wollte.

Aber es gab natürlich etwas zu beachten. MK war ja auch noch da. Das war das erste Mal, wo ich dann kurz innehielt. Es gab eine Reihenfolge zu beachten. Insofern berichtete ich MK natürlich zuerst davon, was ich fühlte und was meine Gedanken dazu waren. Danach konnte ich mich voll und ganz dem neuen Mann in meinem Leben widmen. Dafür, dass er sonst so offen war und auch mit Komplimenten nicht sparsam umging, war ich überrascht, wie schwer er sich damit tat, seine Gefühle für mich dann wirklich laut auszusprechen. Auch ich druckste ein bisschen herum. Mir fiel das auch nicht leicht. Da war alles so neu. Und dennoch war ich davon überrascht, wie sicher ich mir meiner Sache war und dass ich für meine Verhältnisse echt kaum Angst hatte. Am Ende sagte ich nur: Du weißt, welches Pakte du bekommst, wenn du mich willst. Willst du das? Und ohne zu zögern, sagte er ja. Wow! Das war einfach.

Wir redeten noch lange, sahen uns immer wieder wie verliebte Teenys an und küssten uns und hielten Händchen. Was um uns herum passierte, war egal. Er gestand mir, dass er seit zehn Jahren keine so innigen Gefühle mehr für eine Frau hatte. Ich war von mir selbst überrascht. Ich meine, es passiert mir jetzt ja doch schon mal öfter, dass Menschen mich sehr toll finden. Oft kann ich das dann nicht so erwidern. Manchmal finden mich Menschen auch einfach nur toll und wollen nicht mit mir zusammen sein. Bei ihm ist das ganz anders. Ich will das auch fühlen, ich fühle mich sicher.

Auch MK freute sich für mich, als ich von dem Abend erzählte. Jetzt gilt es, dass wir unsere gemeinsamen und individuellen Regeln definieren oder, wie es in „Schlampen mit Moral“ heißt: „Vereinbarungen“ (klingt auch viel netter irgendwie), sodass die Bedürfnisse eines jeden auch bestmöglich erfüllt werden können. Ich bin überrascht von viel Entspanntheit, Vertrauen und Transparenz. Und ich bin irgendwie auch extrem motiviert, es gut zu machen, an mir zu arbeiten und meinen Teil dazu beizutragen, dass wir drei glücklich sind. Das Buch habe ich übrigens beiden ans Herz gelegt, weil es wirklich viel Support gibt und einen an manchen Stellen auch einfach nur bestätigt in einem Denkmuster, was schon vorhanden ist. Ich jedenfalls bin unglaublich gespannt und neugierig, wie es weitergeht und wo unser Weg uns hinführt.
Sex gab es übrigens seither mit keinem der Herren. Steht aber gerade auch nicht auf Prio 1… freue mich trotzdem drauf…